TSMC trotz Rekordgewinn mit verhaltenem Ausblick
Taipeh, 15. Okt (Reuters) - Der wachsende Bedarf an hochmodernen KI-Prozessoren verhilft TSMC2330.TW zum sechsten Rekordquartalsgewinn in Folge. Dennoch äußerte sich C.C. Wei, der Chef des weltgrößten Chip-Auftragsfertigers, am Donnerstag zurückhaltend über die weiteren Aussichten. Steigende Preise für Komponenten und unsichere Konjunkturaussichten dämpften die Nachfrage nach Verbraucherelektronik. "Daher sind wir bei unserer Planung für 2027 vorsichtig."
Diese Aussagen stehen im Widerspruch zum Ausblick von ASMLASML.AS. Der führende Anbieter von Maschinen zur Halbleiterproduktion hatte am Mittwoch eine Fortsetzung seines stürmischen Wachstums in Aussicht gestellt. Die Auftragsbücher für 2028 seien gut gefüllt. Einige Kunden wollten bereits Bestellungen für 2029 und 2030 aufgeben. TSMC gehört neben dem Chipkonzern NvidiaNVDA.O und dem iPhone-Anbieter AppleAAPL.O zu den wichtigsten Kunden des niederländischen Konzerns.
Trotz der optimistischen ASML-Aussagen flammen Spekulationen über ein Abflauen des KI-Booms immer wieder auf. Investoren bereiten unter anderem die steigenden Zinsen Sorgen, die den Bau von Rechenzentren verteuern. Darüber hinaus befürchten sie, dass die Einnahmen aus dem KI-Geschäft nicht schnell genug steigen, um die Infrastruktur-Investitionen zu finanzieren. Der Beratungsfirma Gartner zufolge drohen bei Projekten mit einem Gesamtvolumen von 3,5 Billionen Dollar Abschreibungen. Daher sei damit zu rechnen, dass in den kommenden Jahren 80 Prozent der sogenannten Neoclouds, die sich auf den Betrieb von KI-Rechenzentren spezialisiert haben, vor dem Aus stehen oder übernommen werden.
Portfoliomanager Gary Tan vom Vermögensverwalter Allspring Global sieht in dem zurückhaltenden TSMC-Ausblick eher Erwartungsmanagement als eine Trendwende in der Branche. Die in Frankfurt notierten Aktien<2330.F des Chipfertigers fielen dennoch um bis zu 3,1 Prozent. An der Wall Street büßten die in den USA gehandelten Papiere vorbörslich ähnlich stark ein.
SPRUDELNDE GEWINNE - BESCHLEUNIGTES Q4-WACHSTUM
Im dritten Quartal war von einer Nachfrageschwäche nichts zu spüren: TSMC steigerte das Nettoergebnis überraschend deutlich um 69 Prozent auf umgerechnet 21,02 Milliarden Euro. Dies war das elfte Quartal in Folge mit einem Gewinnplus. Vergangene Woche hatte der taiwanische Konzern einen Umsatzsprung von 50 Prozent auf einen Höchststand von 41,66 Milliarden Euro bekanntgegeben.
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Vorerst ist auch kein Ende dieser Entwicklung in Sicht. Für das laufende Quartal stellte das Unternehmen eine Beschleunigung des Wachstums auf 55 bis 61 Prozent in Aussicht. Außerdem präzisierte es seine Gesamtjahresziele. Der Umsatz werde voraussichtlich um 44 Prozent steigen. Bislang hatte TSMC ein Plus von mehr als 40 Prozent prognostiziert.
Der hohen Nachfrage kommt der Chip-Auftragsfertiger kaum hinterher. "Daher arbeiten wir mit aller Kraft am Ausbau unserer Produktionskapazitäten", teilte TSMC mit. Der Konzern will im laufenden Jahr hierfür umgerechnet 52 bis 56 Milliarden Euro in die Hand nehmen. Mittelfristig investiert der wertvollste börsennotierte Konzern Asiens insgesamt 265 Milliarden Dollar in neue Werke im US-Bundesstaat Arizona. Wegen der rasant wachsenden Nachfrage dürfte dies nicht ausreichen, schrieb Analyst Charlie Chan von der Bank Morgan Stanley. Das Unternehmen erwägt den Bau einer weiteren Anlage in Texas. Zu einer möglichen Kooperation bei der geplanten Mega-Chipfabrik "Terafab" des Milliardärs Elon Musk äußerte sich TSMC jedoch zurückhaltend. Sie komme nur infrage, wenn man die Betriebsführung übernehmen könne.