Telefonica-Deutschland-Chef: Drei Mobilfunk-Anbieter reichen
München, 28. Sep (Reuters) - Der neue Deutschland-Chef des spanische Telekommunikations-Konzerns TelefonicaTEF.MC sieht die Struktur des deutschen Mobilfunkmarkts kritisch. In keinem anderen großen Land gebe es vier Netzbetreiber, sagte Santiago Argelich Hesse in München. Das Modell der Service-Provider, die Mobilfunktarife verkaufen, ohne ein eigenes Netz zu betreiben, habe sich auch nur in Deutschland erhalten. "Es wäre eine Lösung für das Problem, wenn sich der Markt auf drei Anbieter konsolidiert", sagte Deutsch-Spanier. Es brauche keine vier Mobilfunknetze. Die derzeitige, von der Politik gewollte Struktur führe zu niedrigen Preisen für die Verbraucher, sei aber innovations- und investitionsfeindlich. "Wir müssen sehen, wie wir diese ganzen Regeln und Kosten begrenzen."
Zu immer wieder aufkommenden Spekulationen, dass sich Telefonica Deutschland mit seiner Marke "O2" und der jüngste Netzbetreiber 1&11U1.DE zusammenschließen könnten, wollte sich der Argelich Hesse nicht äußern. Der 1&1-Mutterkonzern United InternetUTDI.DE hatte solche Pläne wiederholt zurückgewiesen.
Telefonica leidet seit drei Jahren darunter, dass 1&1 - bis dahin Partner der Spanier - sich als vierter Netzbetreiber in Deutschland profiliert und ansonsten das Netz des Konkurrenten VodafoneVOD.L mitnutzt. Die Umsätze von Telefonica Deutschland seien seither immer weiter gesunken, räumte Argelich Hesse ein. Aber der 1&1-Effekt werde zum Jahreswechsel 2026/27 auslaufen, "die Wende kommt 2027", sagte er.
Argelich Hesse, der seit Jahresbeginn Nachfolger von Markus Haas als Deutschland-Chef von Telefonica ist, will sich gegen den Bedeutungsverlust mit einem Maßnahmenbündel stemmen. "Die Zukunft muss mit Wachstum verbunden sein - was nicht einfach ist, weil der Markt nicht wächst", sagte er. "Das wird kein Sprint, sondern ein Marathon. Wir werden nicht die Größten sein." Telefonica habe eine tiefe Transformation hinter sich, nun sei der Stellenabbau auf freiwilliger Basis abgeschlossen. Telefonica hatte die Streichung von 1100 Stellen bis Ende 2026 angekündigt, doch gibt es Berichte über eine zweite Abbau-Runde. Der verstärkte Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI) werde sich auch auf das Personal auswirken, räumte Argelich Hesse ein.
Wachstumschancen sieht er in dem von der TelekomDTEGn.DE dominierten Geschäftskundenmarkt, in dem Telefonica in den nächsten Jahren zweistellig wachsen soll - von einer niedrigen Basis. Telefonica habe in Deutschland hier einen kleinen einstelligen Marktanteil - in Spanien und Brasilien sei man dagegen führend. Das Geschäft mit Partnern wie Alditalk, das Telefonica knapp zehn Millionen Kunden bringt, soll ausgebaut werden. Telefonica arbeite an neuen Partnerschafts-Modellen. "Wir müssen das weiterentwickeln, weg vom reinen Prepaid an der Kasse", sagte Argelich Hesse. Den Kunden sollten mehr digitale Produkte angeboten werden.
Das gilt auch für das eigene Privatkundengeschäft mit "O2" und "Blau". "Die Kunden sehen uns zu stark als Nur-Mobilfunk-Anbieter", sagte Argelich Hesse. O2 solle als Premium-Anbieter positioniert werden, Blau werde stark auf KI setzen. Das Jahr 2027 will Argelich Hesse nutzen, um die Partnerschaften - sowohl im Vertrieb als auch mit den Mobilfunkmasten-Betreibern - neu zu verhandeln. "2028 wird das Jahr, in dem sich die neue Strategie materialisiert", sagte er.