Starke Daten und Erholung beim Ölpreis treiben Anleiherenditen
London, 23. Sep (Reuters) - Überraschend starke Konjunkturdaten und eine Stabilisierung beim Ölpreis haben am Mittwoch die Renditen für Staatsanleihen nach oben getrieben. Anzeichen einer robusten Wirtschaft nähren am Markt Spekulationen, dass die Zentralbanken die Zinsen im Kampf gegen die Inflation länger hochhalten könnten. Die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe, die als Richtwert für die Eurozone gilt, stieg auf 3,4956 Prozent nach 3,4538 Prozent am Dienstag. Auch in den USA zogen die Renditen für zwei- und zehnjährige Staatsanleihen an.
Die Stimmung in den Unternehmen der Euro-Zone verbesserte sich im September so stark wie seit mehr als drei Jahren nicht mehr. Der Einkaufsmanagerindex von S&P Global für die Privatwirtschaft - Industrie und Dienstleister zusammen - kletterte von 52,0 auf 53,1 Punkte. Von Reuters befragte Analysten hatten einen leichten Rückgang auf 51,7 Zähler erwartet. Die Daten signalisierten, dass die Wirtschaft des Kontinents dem jüngsten Anstieg der Energiepreise und den höheren Zinsen noch besser als erwartet standhalte, schrieben Experten der Privatbank Berenberg.
Die Europäische Zentralbank (EZB) versucht, mit erhöhten Zinsen die Inflation einzudämmen, ohne den Konjunkturmotor abzuwürgen. Die teilweise Erholung der Ölpreise nach den jüngsten Rückgängen schürte daher ebenfalls die Zinsängste der Anleger. Ein Fass (159 Liter) der Nordseesorte Brent verteuerte sich nach fünf Verlusttagen in Folge um ein Prozent auf 100,26 Dollar. "Der Markt befindet sich derzeit in der Schwebe", kommentierte Sam Stovall, Chefstratege bei CFRA Research. Anleger warten derzeit auf Neuigkeiten von den Verhandlungen zwischen den USA und dem Iran zur Beendigung des Krieges im Nahen Osten. US-Präsident Donald Trump hatte am Dienstag gewarnt, er könne den Iran "vernichten", sollte es keine Einigung zur Beendigung des Nahostkonflikts geben. Zugleich berichtete er aber von konstruktiven Gesprächen seiner Gesandten mit Vermittlern.
Bundesbank-Präsident Joachim Nagel sagte am späten Dienstagabend, die Ölpreise seien für die Zinsentscheidungen ein immer wichtigerer Indikator. Er hielt zudem die Tür für weitere Zinserhöhungen der EZB offen. Die Rendite der zweijährigen Bundesanleihe, die besonders stark auf Zinserwartungen reagiert, stieg am Mittwoch auf 3,2526 von 3,2080 Prozent. Damit lag sie unweit ihres vergangene Woche erreichten Drei-Jahres-Hochs von 3,3123 Prozent.