PLATOW Emerging Markets - ICICI Bank leidet unter der Notenbankpolitik
Die ICICI Bank profitiert weiter von starkem Kredit- und Einlagenwachstum. Doch die Reserve Bank of India strafft die Zügel im Bankensystem und hat den Leitzins angehoben.>
Am vergangenen Wochenende präsentierte mit der ICICI Bank die größte Privatbank Indiens überraschend gute Q2-Zahlen. Seit Anfang Oktober schränkt die indische Notenbank, die Reserve Bank of India (RBI), jedoch die Geschäfte der Banken stärker ein. Wie ist die Lage einzuschätzen?
Am 7.10. hob die RBI den Leitzins erstmals seit fast vier Jahren um 25 Basispunkte auf 5,50% an und reagierte damit wie zuvor die Fed in den USA oder die EZB in Europa auf steigende Inflation und geopolitische Spannungen. Gleichzeitig soll die schwächelnde Rupie durch Maßnahmen im Bankensystem gestützt werden, etwa durch zusätzliche Barkapitalreserven für Devisenkontrakte und eingeschränkte Währungsgeschäfte.
Das belastet die Banken. Der bereits spürbare Druck auf die Nettozinsmargen vieler Institute dürfte anhalten, zugleich könnten die Kreditrisiken langsam steigen. Bei der ICICI Bank brummte das Geschäft zuletzt allerdings noch.
Gewinne steigen im Q2 um 20% Die Bank steigerte ihre Kundeneinlagen im Q2 (per 30.9.) um 27,1% auf 2,0 Bio. Rupien, das Kreditportfolio wuchs um 30,0% auf 1,8 Bio. Rupien. Zwar sank die Nettozinsmarge von 4,30 auf 4,18%, doch die Zinseinnahmen als wichtigste Ertragsquelle mit 75% Umsatzanteil kletterten um 17,7% auf 253,4 Mrd. Rupien (rund 2,4 Mrd. Euro).
Wie gut die Bank aufgestellt ist, zeigt der Anteil notleidender Kredite an den Gesamtkrediten: Die Non-Performing-Loans-Ratio sank auf nur 1,20% nach 1,58% im Vorjahr. Auch das niedrige Aufwand-Ertrags-Verhältnis von 38% spricht für die Qualität der Ergebnisse: Für einen Euro Umsatz fallen Kosten von 0,38 Euro an.
Unter dem Strich stieg der Nettogewinn um 20,1% auf 148,43 Mrd. Rupien und übertraf damit den Marktkonsens von 142,51 Mrd. Rupien.
Anlegerchancen haben sich verschlechtert Die gut über Tradegate handelbaren ADR (26,50 Euro; US45104G1040) erzielten in den vergangenen zehn Jahren durchschnittliche Gewinnzuwächse von 27%, die klar über dem historischen KGV von 20 lagen. Heute steht einem erwarteten Wachstum von nur noch 14% ein 2027er-KGV von 15 gegenüber. Anleger zahlen damit für geringere Wachstumsaussichten verhältnismäßig mehr.
Das Papier hat folglich an Attraktivität verloren. Zudem dürften die jüngsten Notenbankmaßnahmen noch nicht vollständig eingepreist sein. Nachdem wir bei unserer Langzeitempfehlung am 23.3. mit einer Gesamtperformance von 160% ausgestoppt wurden, bleiben wir deshalb zurückhaltend.
Die ICICI Bank kommt vorerst auf unsere Beobachtungsliste.