PLATOW Emerging Markets - América Móvil bekommt mehr Wettbewerbsdruck

Von Platow Brief

Der Telekomdienstleister liefert erneut gute Zahlen. An der Börse steht die Aktie dennoch seit Wochen unter Druck, weil neue Konkurrenten das Geschäft erschweren könnten.>

 

Mit einem Jahresumsatz von mehr als 52 Mrd. US-Dollar gehört América Móvil zu den Schwergewichten der weltweiten Telekommunikationsbranche. Der Konzern bietet klassische Festnetz- und Mobilfunkdienste ebenso wie Kabel- und Pay-TV-Angebote und ist neben den Kernmärkten Mexiko und Brasilien auch in mehreren Ländern Zentral- und Südamerikas sowie Europa tätig.

Auf dem Heimatmarkt dürfte der Wettbewerb nun zunehmen. Vergangene Woche wurde der Kauf von AT&T Mexico durch den Rivalen Grupo Televisa gemeinsam mit Fintech Holdings bekannt. Der Kaufpreis beträgt 2 Mrd. Dollar in bar, der Abschluss wird für Q1 2027 erwartet. Die kanadische Großbank Scotiabank rechnet damit, dass der Marktanteil des Wettbewerbers durch knapp 25 Mio. neue Kunden von 8 auf 19% steigt.

Zusätzlichen Wettbewerbsdruck könnte Starlink, eine Tochter von SpaceX, bringen. Bislang kauft das Unternehmen von Elon Musk Mobilfunkfrequenzen nur in den USA, um Telekomdienste aus dem All anzubieten. Ein satellitengestütztes Mobilfunknetz ließe sich jedoch auch auf Mexiko ausweiten, möglicherweise in Partnerschaft mit Televisa/Fintech.

Allzu große Sorgen muss sich América Móvil derzeit aber noch nicht machen. Das ehemalige Netz von AT&T Mexico hinkt etwa bei der 5G-Stärke deutlich hinterher und gilt als investitionsbedürftig. Insgesamt halten wir die Wettbewerbssorgen daher für übertrieben.

Solides Q3-Zahlenwerk In der Nacht zum heutigen Mittwoch (21.10.) veröffentlichte América Móvil seine jüngsten Quartalszahlen. Der Umsatz stieg um 7,6% auf 250,6 Mrd. Mexikanische Peso (MXN; rund 12,1 Mrd. Euro). In den meisten Regionen – von Mexiko und Brasilien über Kolumbien und Peru bis Ecuador – liefen die Geschäfte gut.

Das EBITDA legte um 8,9% auf 102,2 Mrd. Peso zu, die Marge stieg auf 40,8 nach 40,2%. Der Gewinn je ADR erhöhte sich dagegen nur von 0,40 auf 0,47 US-Dollar, auch wegen Gegenwinds auf der Währungsseite. Im Vorjahr hatte América Móvil noch Währungsgewinne verbucht. Der Marktkonsens von 0,49 Dollar wurde damit verfehlt.

Positiv ist zudem der kräftig gestiegene freie Barmittelzufluss von knapp 75 Mrd. Peso (+41%), der teilweise zum Schuldenabbau genutzt wurde. Der Verschuldungsgrad sank dadurch von 1,5x auf 1,2x.

Konkurrenzangst drückt Aktie und Bewertung Die Sorgen über zunehmenden Wettbewerb drückten die gut an der NYSE handelbaren ADR (22,90 Dollar; US02390A1016) von Mitte Juni bis Anfang Oktober um rund 25% auf 20,54 Dollar und damit in die Nähe unseres Stopps bei 19,20 Dollar.

Entsprechend attraktiv ist die Bewertung inzwischen. Das 2027er-KGV liegt bei 11 und damit deutlich unter dem Zehnjahresschnitt von 23. Nur 2021 war die Aktie innerhalb dieses Zeitraums noch günstiger bewertet. Für 2026 bis 2028 wird zudem ein Anstieg der EBITDA-Marge auf über 40% erwartet (10J.: 34,0%), begleitet von einem jährlichen Gewinnwachstum von 17%.

Risikofreudige Neuleser können bei unserer Kaufempfehlung América Móvil mit aufspringen. Der Stopp bleibt bei 19,20 Dollar.