PLATOW Börse - Warum Nordex trotz starker Aufträge unter Druck steht
Die Auftragsbücher bei Nordex füllen sich schneller als erwartet. Auch das lange schwächelnde US-Geschäft zieht wieder an. Dennoch steht die Aktie seit einigen Wochen unter Verkaufsdruck.>
Im dritten Quartal stiegen bei Nordex die Bestellungen gegenüber dem Vorjahr um 29,5% auf 2,81 GW und übertrafen damit die Markterwartungen um rund 13%. In den ersten neun Monaten summierte sich der Auftragseingang auf 7,73 GW (+16,1%). Laut Meldung vom Montag (12.10.) entwickelte sich die Türkei besonders stark mit Bestellungen über 900 MW in der Periode Juli bis September. Auch das US-Geschäft gewinnt an Bedeutung: Seit Jahresbeginn verbuchte der Windanlagenbauer dort Aufträge über mehr als 1,3 GW.
Im Kernmarkt Deutschland bleibt die Nachfrage hoch. Bei der jüngsten Ausschreibung für Windenergie an Land gingen Gebote über 5,25 GW ein, mehr als doppelt so viel wie die ausgeschriebenen 2,52 GW. Allerdings war das Gebotsvolumen gegenüber der vorherigen Ausschreibung rückläufig. Zugleich sank der durchschnittliche Zuschlagspreis von 5,06 auf 4,79 Cent je kWh, was die Renditen neuer Windprojekte belasten könnte. Hinzu kommt eine veränderte politische Schwerpunktsetzung: Die Bundesregierung will den Ausbau stärker am tatsächlichen Strombedarf und den verfügbaren Netzkapazitäten ausrichten, um die Kosten der Energiewende zu begrenzen. Die im Juli auf den Weg gebrachte EEG-Reform unterstreicht diese Neuausrichtung, sieht allerdings zugleich zusätzliche Ausschreibungen vor.
Für Nordex gewinnt damit die geografische Diversifizierung an Bedeutung. Während Europa im ersten Halbjahr noch 83% des wertmäßigen Auftragseingangs stellte, nach 96% im Vorjahr, stieg der Anteil Nordamerikas von 2 auf 16%. CEO José Luis Blanco erwartet angesichts der gut gefüllten Projektpipeline eine weitere Verbreiterung des Geschäfts.
Sollte sich das Wachstum des europäischen Windmarktes ab 2027 abschwächen, könnten zusätzliche Aufträge aus den USA und anderen internationalen Märkten sowie weitere Margensteigerungen die Folgen für Nordex begrenzen. Der Analystenkonsens rechnet für 2027 noch mit einem EPS-Anstieg um 21%, für 2028 jedoch nur noch mit 11%.
Für einen Kauf der Aktie (33,82 Euro; DE000A0D6554) sprechen dennoch die hohe Visibilität der Geschäftsentwicklung und die starke Bilanz. Mit einem Auftragsbestand von 18,4 Mrd. Euro verfügt Nordex über eine gute Auslastung für die kommenden Jahre. Zugleich dürfte die Nettoliquidität laut Konsens von zuletzt 1,67 Mrd. auf rund 3 Mrd. Euro bis Ende 2028 steigen. Das 2027er-KGV von knapp 14 spiegelt diesen Liquiditätspuffer nur unzureichend wider. Bezogen auf den Unternehmenswert wird das operative Ergebnis (EV/EBIT) mit rund dem Sechsfachen bewertet.
Nordex bleibt ein Kauf; unser Stopp liegt bei 28,90 Euro.