PLATOW Börse - Schaeffler verschärft den Sparkurs
Schaefflers profitables Industrie- und Ersatzteilgeschäft mildert die Folgen der schwachen Autokonjunktur. Mit weiteren Kostensenkungen will der Konzern seine Ertragskraft auch ohne eine Belebung der Nachfrage steigern.>
Bei Schaeffler folgt auf den beschleunigten Stellenabbau die nächste Sparrunde. Am Dienstag (3.11.) kündigte der Auto- und Industriezulieferer an, weitere 3.460 Stellen in Europa zu streichen, davon 2.660 in Deutschland. Die Maßnahmen sollen ab 2030 jährlich rund 300 Mio. Euro Ergebnisverbesserung bringen, kosten zunächst aber 480 Mio. Euro. Erst im Oktober hatte der MDAX-Konzern gemeldet, dass sein 2024 beschlossenes Sparprogramm schneller und mit höheren Einsparungen als geplant vorankommt.
Der erneute Einschnitt zeigt, wie stark die Automobilkrise belastet. Im europäischen Verbrennergeschäft verfügt Schaeffler nach eigenen Angaben inzwischen über rund 30% überschüssige Produktionskapazitäten. Gleichzeitig verläuft der Hochlauf der Elektromobilität schleppender als erwartet. Besonders die schwachen Verkäufe europäischer Autobauer in China hinterlassen Spuren. Deshalb kündigten die Herzogenauracher bereits im Oktober Sonderbelastungen von rund 240 Mio. Euro im Elektrogeschäft an.
Die nun vorgelegten Neunmonatszahlen zeigen dennoch operative Fortschritte. Bei währungsbereinigt um 0,4% gesunkenem Umsatz von 17,5 Mrd. Euro stieg die bereinigte EBIT-Marge von 4,2 auf 4,5%. Im dritten Quartal ging sie allerdings von 4,5 auf 4,2% zurück. E-Mobility verringerte die operative Verlustmarge von minus 15,0 auf minus 13,1%. Der Auftragseingang der Sparte brach jedoch von 1,2 auf 0,5 Mrd. Euro ein und verdeutlicht die anhaltende Zurückhaltung bei neuen Projekten.
Stabilität liefern das Ersatzteilgeschäft mit 15,1% Marge und die Industriesparte, die sich von 7,8 auf 8,9% verbesserte. Auch der Free Cashflow zog im dritten Quartal von 175 auf 260 Mio. Euro an. Nach neun Monaten steht allerdings noch ein Abfluss von 40 Mio. Euro. Die Nettoverschuldung stieg seit Jahresbeginn von 4,9 auf 5,3 Mrd. Euro und entspricht inzwischen dem 2,3-Fachen des bereinigten EBITDA (Ende 2025: 2,1x).
Es bleibt also noch viel Arbeit für CEO Klaus Rosenfeld. Für 2026 bestätigte er die Prognose einer bereinigten EBIT-Marge von 3,5 bis 5,5%, für 2028 das Ziel von 6 bis 8%. Im Elektrogeschäft werden dann allerdings weiterhin bis zu 4% operative Verlustmarge einkalkuliert. Die neue Sparrunde soll bereits ab 2027 Entlastung bringen, ihre volle Wirkung aber erst 2030 entfalten. Ebenso bestätigt wurde die Prognose für einen positiven Free Cashflow von 100 bis 300 Mio. Euro im laufenden Geschäftsjahr. Für 2028 werden 400 bis 600 Mio. Euro angestrebt.
Auch ohne eine Erholung des Automarkts bieten die laufenden Kostensenkungen und der Abbau der hohen Verluste im Elektrogeschäft erhebliches Ergebnispotenzial. Erste Fortschritte sind sichtbar, während die schwache Auftragslage und die hohe Verschuldung Risiken bleiben. Mit einem KGV von 10 für 2027 und rund 6 für 2028 ist die Aktie (5,96 Euro; DE000SHA0100) angesichts der erwarteten Ergebnisverbesserung moderat bewertet.
Schaeffler bleibt kaufenswert. Unser Stopp liegt bei 5,35 Euro.