PLATOW Börse - SAP steigert die Marge und hält das Cloud-Tempo hoch

Von Platow Brief

SAP übertrifft im Q3 die Erwartungen und peilt beim Cloud-Umsatz das obere Ende der Jahresziele an. Die Ziele für das kommende Jahr bleiben derweil anspruchsvoll.>

26% statt erwarteter 25%: Unser Musterdepotwert SAP überrascht mit den Q3-Zahlen (21.10.) erneut beim währungsbereinigten Wachstum des Cloud-Auftragsbestands. Der Current Cloud Backlog (CCB), die vereinbarten Cloud-Erlöse der nächsten zwölf Monate, erreichte 24,1 Mrd. Euro. Die angekündigte Abschwächung blieb aus. Währungsbereinigt wuchsen auch Cloud-Umsatz (+25% auf 6,67 Mrd. Euro) und Konzernumsatz (+12% auf 10,27 Mrd. Euro) stärker als erwartet. Nachholerlöse ehemals finanziell angeschlagener Kunden erhöhten das Cloud-Wachstum um rund einen Prozentpunkt; drei Zukäufe brachten 49 Mio. Euro Umsatz.

 

 

Das bereinigte operative Ergebnis übertraf ebenfalls die Erwartungen: +18% auf 3,03 Mrd. Euro. Die Marge stieg von 28,3% auf 29,5% nach 27,8% im Q2. Vor allem die Vertriebs- und Marketingkostenquote sank gegenüber dem Vorjahr von 23,3% auf 21,7%. Die F&E-Quote blieb bei 18,1%. Rund 100 Mio. Euro Vorjahresbelastungen begünstigten den Gewinnanstieg; ohne sie wären es rechnerisch etwa 14% gewesen. Die Cloud-Bruttomarge sank dagegen von 75,1% auf 74,3%. Höhere KI- und Infrastrukturkosten belasten weiter. Günstigere KI-Modelle und ein stärker automatisierter Cloud-Betrieb sollen gegensteuern. Der Margenhebel wirkt damit vor allem außerhalb des Cloud-Betriebs.

Für 2026 peilt SAP beim Cloud-Umsatz das obere Ende der unveränderten Spanne von 25,8 bis 26,2 Mrd. Euro an. Gleiches gilt für Cloud- und Softwareerlöse (36,3 Mrd. bis 36,8 Mrd. Euro). Die Ziele für den bereinigten operativen Gewinn (11,8 Mrd. bis 12,2 Mrd. Euro) und Free Cashflow (rund 10 Mrd. Euro) bleiben bestehen. Am Ziel eines beschleunigten Konzernumsatzwachstums 2027 hält SAP ebenfalls fest. Maßgeblich sind hier aber die Cloud-Neuabschlüsse im Q4 2026. Auf diese drei Monate entfällt rund die Hälfte des jährlichen Vertragsvolumens. Trotz starker Pipeline bleibt CFO Dominik Asam vorsichtig: Rund 24% CCB-Wachstum nannte er als mögliches oberes Ende zum Jahresende. Zudem dürfte das Servicegeschäft weiter schrumpfen: SAP setzt Berater stärker für KI-Einführungen statt für abrechenbare Projekte ein, um Cloud-Abos zu fördern.

KI stärkt das Neugeschäft, aber noch fehlen klare Zahlen KI hilft bereits beim Neugeschäft: In 90% der 50 größten Q3-Verträge waren KI und Business Data Cloud enthalten. Laut Vorstand werden Cloud-Migrationsverträge dadurch umfangreicher. Auch Joule Work, die neue Arbeitsoberfläche mit KI-Assistenten, erreicht erste Kunden. Anders als Salesforce, dessen KI-Angebote rund um die Agentenplattform Agentforce zuletzt mehr als 1,5 Mrd. US-Dollar annualisierte wiederkehrende Erlöse erzielten, beziffert SAP weiterhin keine konkreten KI-Umsätze. Die umfangreicheren Cloud-Verträge belegen das zusätzliche Geschäft, aber hier sollte SAP zeitnah konkrete Zahlen vorlegen.

Die Musterdepot-Aktie (206,40 Euro; DE0007164600) legte am späten Mittwochabend (21.10.) nach Vorlage der Zahlen deutlich zu, konnte das Niveau im regulären Handel aber nicht halten. Bei einem 12-Month-Forward-KGV von gut 25 raten wir auch mit Blick auf den steilen Kursanstieg der vergangenen drei Monate, SAP mit relativ engem Stopp bei 168,00 Euro weiter zu halten.