PLATOW Börse - Q3-Preview Deutsche Telekom: Rückenwind aus Bellevue, Fragezeichen in Bonn
T-Mobile US hat die Erwartungen der Analysten übertroffen und der Deutschen Telekom eine starke Vorlage geliefert. Damit sind zwei Drittel des Konzernquartals gesetzt. Über den Rest entscheidet der 5. November.>
9,6 Mrd. US-Dollar bereinigtes EBITDA, 11% mehr als vor einem Jahr: T-Mobile US hat im dritten Quartal mehr verdient als erwartet. Der Umsatz stieg um 7% auf 23,6 Mrd. Dollar. Beide Werte lagen rund 2% über dem Konsens.
Weniger Kunden, mehr Ertrag Wie erwartet gewann die Tochter der Deutschen Telekom weniger Neukunden: 274.000 Vertragskonten sind gut zwei Drittel des Vorjahreswerts. Das ist gewollt: T-Mobile US mistet seine Tarife aus, stellt Altverträge um und trennt sich von wenig lukrativen Kunden. Das Management hatte deshalb nur rund 250.000 in Aussicht gestellt – und übertraf diese Marke. An den verbleibenden Kunden verdient das Unternehmen aus Bellevue im US-Bundesstaat Washington mehr: Der Umsatz je Kundenkonto stieg um 4% auf 155,73 Dollar, der Serviceumsatz mit Vertragskunden um 9%. T-Mobile-Chef Srini Gopalan hat die Jahresziele präzisiert: 37,35 bis 37,45 Mrd. Dollar bereinigtes EBITDA und 18,7 bis 18,8 Mrd. Dollar Free Cashflow. Die Mitte beider Spannen steigt damit leicht.
Auf der T-Mobile-Aktie (148,08 Dollar; US8725901040) lastet etwas anderes: die Sorge vor Konkurrenz durch das Satellitennetz Starlink von SpaceX. Wie stark und wie schnell Starlink T-Mobile US trifft, ist offen. Gopalan sieht Satellitenfunk eher als Ergänzung. Die Börse ist skeptischer: Seit Jahresbeginn hat die Aktie 27% verloren. Mit einem KGV von 11 ist sie so günstig wie nie in den vergangenen zwölf Jahren. Im Zehnjahresschnitt zahlten Anleger mehr als das Doppelte. Viele Risiken sind damit eingepreist.
Gute Vorlage für die Mutter Für die Telekom sind die Zahlen trotzdem eine gute Vorlage. Unser Musterdepotwert berichtet am 5. November, und die US-Tochter liefert rund zwei Drittel von Umsatz und bereinigtem EBITDA AL. AL steht für „after leases“: Die Telekom zieht vom EBITDA auch die Mieten für Funkmasten, Leitungen und Gebäude ab.
Zum Quartalskurs von 1,15 Dollar je Euro umgerechnet und auf IFRS übertragen, liegt das US-Segment rund 2% über den Schätzungen. Für den Konzern ergibt das rechnerisch schon jetzt gut 1% mehr Umsatz und EBITDA AL als erwartet. Ein bereinigtes EBITDA AL von gut 12,1 Mrd. Euro ist damit in Reichweite.
Worauf es im übrigen Geschäft ankommt Spannend wird, was T-Mobile US nicht verrät: wie es in Deutschland, im übrigen Europa und bei T-Systems läuft. Hier erwarten Analysten beim bereinigten EBITDA AL knapp 3% Plus, nach 4,1% im zweiten Quartal. Entscheidend ist Deutschland. Dort soll der Serviceumsatz um 1,5% zulegen, im Mobilfunk um 2,3%, im Festnetz um 1,1%. Im Breitband erwarten die Analysten erneut leichte Verluste, nach 20.000 Anschlüssen im zweiten Quartal. Hier zeigt sich, ob die Telekom ihre Kunden gegen Glasfaser-Anbieter und Kabelnetze halten kann. Im übrigen Europa sind gut 4% mehr EBITDA AL eingeplant. Liefern die Bonner wie erwartet, ist die Jahresprognose von rund 20 Mrd. Euro Free Cashflow kaum noch in Gefahr.
Fusion vorerst auf Eis Nachrichten kamen auch von anderer Seite: Am Donnerstag (29.10.) berichtete „Bloomberg“ unter Berufung auf Insider, Konzernchef Tim Höttges treibe die Fusion von Mutter und Tochter vorerst nicht weiter voran. Das dürfte vor allem US-Investoren gefallen. Sie fürchteten, das langsamere Europageschäft könnte ihren Wachstumswert verwässern.
Gerade dieses Geschäft macht die Telekom-Aktie (25,89 Euro; DE0005557508) interessant. Mit einem KGV von gut 10 ist sie so günstig wie zuletzt im August 2023. Zieht man den Börsenwert des US-Anteils ab, so zahlen Anleger für das übrige Geschäft nur das rund 10-Fache des erwarteten Gewinns. Dabei wächst das Geschäft solide. Mit einem angemessenen KGV von 13 wie bei Orange, Vodafone und KPN wäre die Aktie deutlich mehr wert.
Deutsche Telekom bleibt daher ein Kauf und Teil unseres Musterdepots. Stopp unverändert bei 21,00 Euro. Bei T-Mobile US liegen wir seit dem Wiedereinstieg 13% im Minus. Analysten erwarten aber bis 2028 gut 20% Gewinnwachstum pro Jahr. T-Mobile US bleibt deshalb ein Kauf, Stopp unverändert 119,00 Dollar.