PLATOW Börse - Pfeiffer Vacuum vor Wachstumsschub im Halbleitergeschäft

Von Platow Brief

Gleich drei Halbleiterausrüster haben binnen weniger Tage starke Nachfragesignale geliefert. VAT, ASML und Aixtron berichten von einer kräftigen Investitionsdynamik, die sich bis ins kommende Jahr fortsetzen dürfte. Davon könnte auch Pfeiffer Vacuum profitieren.>

Während ASML und Aixtron komplette Anlagen für die Halbleiterfertigung liefern, steuern Pfeiffer Vacuum und VAT die dafür benötigte Vakuumtechnik bei. Pfeiffer ist dabei auf Pumpen, Mess- und Analysesysteme spezialisiert, VAT auf Vakuumventile. Anders als VAT ist Pfeiffer zudem breiter aufgestellt und beliefert neben der Halbleiterindustrie (knapp 50% des Konzernumsatzes) auch Kunden aus der allgemeinen Industrie, Forschung und Analytik.

Besonders in Südkorea und im übrigen Asien profitierte Pfeiffer bereits im ersten Halbjahr von höheren Investitionen in die Chipfertigung. Der Auftragseingang stieg um 61,7% auf 587,6 Mio. Euro, während der Umsatz wegen der schwachen Nachfrage aus anderen Industriezweigen lediglich um 1,3% auf 425,4 Mio. Euro zulegte. Das Book-to-Bill-Verhältnis erreichte damit 1,38, der Auftragsbestand erhöhte sich seit Jahresbeginn um 82% auf 359,6 Mio. Euro.

Die jüngsten Branchenzahlen bestätigten das positive Momentum. Bei VAT haben sich die Bestellungen im dritten Quartal auf 697 Mio. Franken nahezu verdreifacht. Auch ASML meldete am Mittwoch (14.10.) steigende Investitionspläne seiner Kunden. Der Lithografiespezialist geht davon aus, dass seine geplanten Produktionskapazitäten 2027 und 2028 die Nachfrage nicht vollständig decken werden. Aixtron wiederum verzeichnete im dritten Quartal einen Auftragssprung um 122%, getrieben von Anlagen für Laseranwendungen in KI-Rechenzentren.

Operativ ist bei Pfeiffer noch Luft nach oben. Das Halbjahres-EBIT stieg zwar um 33% auf 39,7 Mio. Euro, die Marge von 7,1 auf 9,3%. Allerdings profitierte das Ergebnis erheblich von positiven Währungseffekten. Die Bruttomarge sank wegen eines ungünstigeren Produktmixes von 38,5 auf 37,3%. Niedrigere Vertriebs- und Verwaltungskosten wirkten dem teilweise entgegen.

Für 2026 hält CEO Wolfgang Ehrk an seiner Prognose von rund 850 Mio. Euro Umsatz und 7 bis 8% operativer EBIT-Marge fest. Das Erreichen des oberen Margenziels entspräche einem EBIT-Wachstum von rund 2%. Da ein erheblicher Teil der neuen Aufträge erst 2027 ausgeliefert wird, halten wir im kommenden Jahr einen Umsatzanstieg auf rund 950 Mio. Euro für möglich. Bei einer operativen Marge von 9% würde das EBIT um rund 26% auf 85,5 Mio. Euro zulegen.

In diesem Szenario wäre Pfeiffer aktuell mit dem rund 20-Fachen des operativen Ergebnisses 2027 bewertet (EV/EBIT). Das entspricht einem Abschlag gegenüber VAT (31) und ASML (22). Angesichts der niedrigeren Margen und der breiteren Aufstellung ist das zumindest teilweise gerechtfertigt; für die Pfeiffer-Aktie (165,60 Euro; DE0006916604) sprechen die Wachstumsperspektiven sowie die garantierte Barabfindung von 133,07 Euro und die jährliche Ausgleichszahlung durch die Busch-Gruppe.

Pfeiffer Vacuum bleibt ein Kauf; unser Stopp liegt bei 136,70 Euro.