PLATOW Börse - Optionsgeschäfte von Großaktionär senden bei Heidelberg Materials klare Signale
Spohn Cement, die Beteiligungsgesellschaft des Milliardärs Ludwig Merckle, kassiert bei Heidelberg Materials Millionen mit Optionen und Wertpapierleihe. Was Anleger daraus ableiten können und ob die Aktie jetzt ein Kauf ist.>
Mit 28,4% der Stimmrechte ist Ludwig Merckle der mit Abstand größte Aktionär von Heidelberg Materials. Der Milliardär und seine Familie halten die Anteile über die Spohn Cement Beteiligungen GmbH aus Schönefeld. Was bislang unentdeckt blieb: Seit mindestens Sommer 2025 verfolgt Merckle beim Zementhersteller eine systematische Optionsstrategie, die sich aus den Pflichtmitteilungen an die Bafin rekonstruieren lässt. Sie verrät, zu welchem Preis Merckle kaufen würde, und liefert Indizien, wann.
Wir sind Mitte August bei der DAX-Aktie ausgestiegen – mit 41,3% Gewinn (seit November 2024, inklusive Dividende). Seitdem hat der Kurs rund 10% nachgegeben. Unser Timing war also gut. Vom Unternehmen und vom Investment Case sind wir weiter überzeugt. Für einen Wiedereinstieg ist es aber noch zu früh. Das legen auch Merckles Optionsgeschäfte nahe.
Laut Directors‘ Dealings eröffnete Spohn Cement am 10. November 2025 einen sogenannten Short Strangle auf 300.000 Aktien. Dabei verkauft ein Anleger gleichzeitig einen Put und einen Call auf dieselbe Aktie, mit unterschiedlichen Basispreisen, aber gleicher Laufzeit. Der Verkäufer kassiert sofort beide Prämien und geht zwei Verpflichtungen ein. Fällt die Aktie unter den Basispreis des Puts, muss er kaufen. Steigt sie über den Strike des Calls, muss er liefern. Bleibt der Kurs in der Spanne dazwischen, verfallen beide Optionen wertlos. Der Verkäufer behält die Prämien, ohne etwas zu tun.
Gutes Timing beim Verkauf Im konkreten Fall verkaufte Merckle einen Put bei 150,24 Euro und einen Call bei 220,36 Euro, beide fällig Ende März 2026. Parallel verlängerte er eine seit Juni 2025 laufende Aktienleihe über 1,2 Mio. Stück. Die Strategie läuft also seit mindestens anderthalb Jahren. Zwei Wochen später, nahe am Jahreshoch, platzierte Spohn Cement vom 26. bis 28. November 2025 Aktien für insgesamt 124 Mio. Euro zu Kursen um 221 Euro.
Ab Februar 2026 verkaufte Spohn Cement dann regelmäßig Short Strangles auf je 300.000 Aktien. Für die Call-Seite verpfändete die Gesellschaft jeweils Aktien. Als der Kurs unter die Basispreise der Calls fiel, ließ Merckle die Call-Seite weg. Seitdem setzt er nur noch auf Puts: eine Art Kauforder-Treppe nach unten. Das erste Optionspaar verfiel mit hoher Wahrscheinlichkeit wertlos. Bei rund 180 Euro im März 2026 lagen beide Basispreise klar außerhalb. Merckle behielt die Prämie, sein Aktienbestand blieb unverändert. Kumuliert über alle Tranchen hat Spohn Cement so bisher rund 15 Mio. Euro an Optionsprämien eingestrichen. Hinzu kommen Leihgebühren für zeitweise bis zu 2 Mio. verliehene Aktien.
Auffällig: Der Put-Basispreis sank in zehn Monaten von 150 auf 115 Euro. Merckle folgte dem Kurs, holte ihn aber nicht ein. Er kauft nicht zum Marktpreis. Er lässt sich dafür bezahlen, kaufbereit zu sein – zu seinen Konditionen. Der einzige Direktkauf im März 2026 zu 161,34 Euro blieb die Ausnahme. Seitdem verkauft er nur Puts, auf immer niedrigerem Niveau.
Aktie weiter unter Druck Daraus folgen zwei Erkenntnisse. Erstens: Seine Put-Optionen sind kein Kaufsignal, sondern ein Signal der Geduld. Merckle erwartet offenbar, dass der Druck anhält. Zweitens: Ab rund 140 Euro scheint er bereit, die Aktie zu kaufen. Auf diesem Niveau hält er sie womöglich für attraktiv.
Knapp darüber griff zuletzt CFO René Aldach zu. Am Mittwoch (23.9.) kaufte er Heidelberg-Materials-Aktien zu 144,60 Euro, allerdings nur für 36.150 Euro.
Noch laufen vier Puts auf 1,2 Mio. Aktien mit Basispreisen zwischen 115 und 143 Euro und Fälligkeiten bis März 2027. Der Put bei 143,13 Euro, fällig am 6. November, liegt auf Augenhöhe mit dem aktuellen Kurs der DAX-Aktie (145,00 Euro; DE0006047004).
Für Merckles Zurückhaltung gibt es gute Gründe. Operativ läuft es besser: Im zweiten Quartal lieferte Heidelberg Materials den ersten positiven Volumenbeitrag seit Q1/2022, das Effizienzprogramm „Transformation Accelerator“ liegt vor Plan. Doch Öl der Sorte Brent kostet trotz leichter Entspannung zwischen Iran und den USA 98 US-Dollar je Barrel. Der Nahost-Konflikt bleibt das größte Risiko für die Energiekosten, den zentralen Kostenblock der Zementproduktion. Die Baugenehmigungen erholen sich zwar. Das milliardenschwere Infrastrukturpaket wirkt aber voraussichtlich frühestens 2027. Und trotz freundlicherer Wachstumsprognosen der OECD und der Wirtschaftsinstitute bleibt der private Wohnungsbau strukturell schwach.
Das Forward-KGV liegt mit 10,2 nahe dem Zehnjahresschnitt von rund 10 und unter dem Mittel der vergangenen drei Jahre von 11 (Grafik). Extrem günstig ist die Aktie also nicht.
Den nächsten Impuls könnten die Q3-Zahlen (4.11.) liefern oder sinkende Energiepreise, falls der Konflikt endet. Zwei Tage nach den Zahlen wird Merckles Put bei 143 Euro fällig. Dann zeigt sich, ob der Großaktionär kaufen muss.
Wir folgen Merckles Logik und bleiben vorerst an der Seitenlinie.