PLATOW Börse - Norma setzt auf eigene Hebel für die nächste Gewinnstufe
Norma weitet sein Sparprogramm deutlich aus und will die Profitabilität auch bei moderatem Umsatzwachstum kräftig steigern. Die Aktie bleibt trotz operativer Fortschritte unter Druck.>
Der nächste Schritt im Norma-Turnaround fällt umfangreicher aus als bislang bekannt. Beim Strategie-Update am Montag (19.10.) hat CEO Birgit Seeger zusätzliche Einsparungen angekündigt. Bis 2028 sollen die jährlichen Ergebnisverbesserungen aus dem Transformationsprogramm 66 bis 74 Mio. Euro erreichen. Bislang waren 38 bis 42 Mio. Euro vorgesehen.
Zusammen mit einer Neuordnung der Produktion in Europa, Nahost und Afrika sollen die jährlichen Einsparungen bis 2031 gegenüber der Kostenbasis 2026 um 70 bis 90 Mio. Euro steigen. Allerdings veranschlagt Norma für die zusätzlichen Maßnahmen von 2027 bis 2031 durchschnittlich 15 bis 20 Mio. Euro Aufwand jährlich.
Wie groß der Handlungsbedarf ist, zeigt die Auslastung: Die neun Produktionsstandorte der Region arbeiten derzeit nur mit 50 bis 60% ihrer Kapazität. Ziel sind mindestens 80%. Dafür sollen Fertigungsvolumina an weniger Standorten gebündelt werden. Der Margenhebel liegt somit wesentlich im eigenen Werkverbund; eine kräftige Markterholung ist nicht Voraussetzung der Strategie. Bis 2031 strebt Norma bei währungsbereinigt lediglich 1 bis 3% jährlichem Umsatzwachstum eine bereinigte EBIT-Marge von mehr als 10% an.
Operativ geht es voran, vorerst aber in kleinen Schritten. Für Q3 meldet der Verbindungstechnikspezialist vorläufig 207,8 Mio. Euro Umsatz und eine bereinigte EBIT-Marge von 3,7%, nach 3,6% im zweiten Quartal. Der Jahresausblick bleibt bestehen. Die vollständigen Zahlen folgen am 3.11. Von einer abgeschlossenen Sanierung kann angesichts des Abstands zum langfristigen Margenziel keine Rede sein.
Wachstum liefern soll vor allem die Sparte Industry Applications, etwa mit Verbindungslösungen für Rechenzentren, Batteriespeicher und Wärmepumpen. Das eröffnet zusätzliche Absatzchancen jenseits der Autoindustrie. Auch konjunkturell könnte 2027 Unterstützung hinzukommen: Nach einem erwarteten Produktionsrückgang von 2% im laufenden Jahr rechnet der VDMA für den deutschen Maschinenbau mit einem Plus von 3%.
Nach Abschluss der angekündigten Kapitalrückführung von rund 260 Mio. Euro rückt die Finanzierung des Umbaus in den Vordergrund. Ab 2027 ersetzt Norma den bisherigen Ausschüttungskorridor von 30 bis 35% des bereinigten Konzerngewinns durch eine Mindestquote von 10%. Der erweiterte Sparplan stärkt die Turnaround-Perspektive. Ob daraus mehr Wert für die Aktionäre entsteht, hängt jedoch auch davon ab, wie viel von den Einsparungen nach den erheblichen Umbaukosten übrig bleibt.
Während der Gewinn im laufenden Jahr vom Verkauf von Water Management geprägt ist, lassen die Folgejahre die operative Erholung besser erkennen. Nach dem schwachen Kursverlauf der vergangenen Wochen wird die Aktie (14,70 Euro; DE000A1H8BV3) auf Basis des Analystenkonsenses mit einem KGV von 19 für 2027 und 12 für 2028 bewertet. Die unterstellte Gewinnerholung halten wir angesichts der bereits steigenden Margen und der zusätzlichen Einsparungen für realistisch. Eine Konjunkturbelebung eröffnet weiteres Ergebnispotenzial. Wegen der Nähe zum unserem Stopp bei 14,40 Euro, stufen wir Norma dennoch auf Halten zurück.