PLATOW Börse - Krones zwischen Prognosefrust und günstiger Bewertung

Von Platow Brief

Krones streicht seine Wachstumsziele überraschend deutlich zusammen. Trotz des Rückschlags bleibt die Ertragskraft intakt, und die strukturell verbesserte Profitabilität bietet weiterhin Spielraum für steigende Gewinne.>

Bei Krones hat sich die Hoffnung auf eine Belebung des Umsatzwachstums im zweiten Halbjahr zerschlagen. Am Donnerstag (22.10.) senkte der Abfüllanlagenhersteller seine Jahresprognose und strich zugleich seine Mittelfristziele kräftig zusammen. Das währungsbereinigte Umsatzwachstum soll 2026 nur noch 1 bis 2% statt 3 bis 5% betragen. Für 2028 erwartet der Vorstand Erlöse von 6,0 bis 6,2 Mrd. Euro, knapp 13% weniger als die bislang angepeilten rund 7 Mrd. Euro.

Noch Ende Juli hatte der MDAX-Konzern, der auch in unserem Musterdepot vertreten ist, beide Wachstumsziele ausdrücklich bestätigt. Rückendeckung lieferte die robuste Auftragslage: Im H1 stieg der Auftragseingang um 4,5% auf 2,85 Mrd. Euro, der Auftragsbestand erreichte 4,33 Mrd. Euro. Die nun veröffentlichten vorläufigen Neunmonatszahlen zeichnen allerdings ein anderes Bild. Der Umsatz erreichte rund 4,1 Mrd. Euro und lag währungsbereinigt lediglich 0,8% über dem Vorjahreswert. Am 6.11. folgen die vollständigen Q3-Zahlen samt Auftragseingang.

Als Gründe für die Prognosesenkung nennt CEO Thomas Ricker die schwierigen geopolitischen Rahmenbedingungen, steigende Kosten bei den Kunden und die anhaltende konjunkturelle Unsicherheit. Insbesondere die im Zuge des Iran-Konflikts gestiegenen Energiekosten belasten die Investitionsbudgets der Getränkehersteller und führen dazu, dass Projekte verschoben werden. Damit zeigt sich, dass auch das Geschäft mit Abfüllanlagen trotz der vergleichsweise konjunkturresistenten Getränkeindustrie anfällig für Investitionszyklen bleibt.

Immerhin zeigt sich die Profitabilität der Bayern widerstandsfähig. In den ersten neun Monaten erzielte Krones voraussichtlich 453 Mio. Euro EBITDA. Bereinigt um einen positiven Zolleffekt lag die Marge bei 10,8% (9M 2025: 10,5%). Die Jahreszielspanne von 10,7 bis 11,1% bleibt unverändert. Für 2028 erwartet der Vorstand nun 11 bis 12% statt zuvor 11 bis 13%; das ROCE-Ziel von über 20% gilt weiterhin.

Aus den neuen Prognosespannen errechnet sich für 2028 ein EBITDA von 660 bis 744 Mio. Euro, etwa 10 bis 24% mehr als 2025. Auch beim Nettogewinn bleibt damit Wachstum möglich. Für 2028 erscheint ein Gewinn je Aktie von cirka 10 bis 12,40 Euro realistisch, was gegenüber 2025 einem durchschnittlichen jährlichen Wachstum von 2 bis 10% entspricht. Der Analystenkonsens hatte bislang mit rund 12,30 Euro gerechnet.

Angesichts eines 2028er-KGVs von rund 10, basierend auf unseren EPS-Berechnungen für 2028, bleibt die Aktie (111,40 Euro; DE0006335003) attraktiv – auch bei einem langsameren Wachstumstempo als bislang erwartet. Die überraschende Kehrtwende belastet jedoch das Vertrauen in das Management und seine Prognosen. Dennoch sprechen die starke Marktstellung und die strukturell verbesserte Profitabilität für die Qualität des Unternehmens.

Krones bleibt kaufenswert. Unser Stopp liegt bei 96,90 Euro.