PLATOW Börse - Insider kaufen in die Schwäche

Von Platow Brief

Die Stimmung unter den Vorständen und Aufsichtsräten ist klar: Im Oktober kauften sie, statt zu verkaufen. Besonders aufschlussreich sind dabei Käufe nach Kursstürzen. Wendet man die Kriterien von Insider-Experte Anthony Gallea streng an, bleibt nur ein Ziegelhersteller übrig.>

Unter den Directors’ Dealings im Oktober fällt ein Verkauf auf, weil er allein steht. Ralph Rheinboldt, Vorstand des Schmierstoffherstellers Fuchs, verkaufte Aktien für 264.554 Euro zu einem Kurs von 45,24 Euro. Ein Signal geht davon nicht aus. Verkäufe können viele Gründe haben. Laut den Daten der BaFin standen dem einen Verkauf allerdings 35 Käufe bei anderen Unternehmen aus DAX, MDAX und SDAX gegenüber. Darunter waren erneut Deutz, Grenke, Rheinmetall und Symrise.

Besonders spannend sind die Käufe bei Aktien, die im Oktober stark nachgegeben haben: Asta Energy Solutions (-21,4%), Drägerwerk Vz. (-17,7%), Deutz (-15,8%), Knorr-Bremse (-12,1%) und Siemens Energy (-11,0%). Zum Vergleich: Der DAX stieg im gleichen Zeitraum um 2,5%, der MDAX verlor 1,2%, der SDAX 2,0%.

Beim Motorenhersteller Deutz (9,88 Euro; DE0006305006; Kaufen; Stopp: 8,25 Euro) kauften fünf Insider insgesamt sieben Mal zu, zu Kursen von 9,64 bis 11,06 Euro. Das ist ein klares Vertrauenssignal für den Umbau des Konzerns, schrieben wir bereits Ende Oktober. Mit der geplanten FFG-Übernahme erschließt sich der MDAX-Konzern einen deutlich größeren Anteil am Rüstungsmarkt. Die dafür nötige Kapitalerhöhung kam am Markt aber nicht gut an.

Bei Medizin- und Sicherheitstechniker Drägerwerk (104,20 Euro; DE0005550636; Kaufen; Stopp: 72,80 Euro) investierte die Beteiligungsgesellschaft der Familie von Stefan Dräger, die Dr. Heinrich Dräger GmbH, rund 350.000 Euro in Stammaktien (76,70 Euro; DE0005550602), zu 73,60 Euro je Stück. Das SDAX-Unternehmen geriet zuletzt unter Druck, weil der operative Gewinn im dritten Quartal um rund 15% fiel. Belastet haben höhere Personal- und Frachtkosten sowie Anlaufkosten eines neuen Logistikzentrums (siehe Ticker vom 29.10.). Der Auftragseingang stieg dagegen um 8,2%, dank eines Großauftrags aus dem deutschen Verteidigungsgeschäft. Zudem bestätigte Drägerwerk die Jahresziele.

Nur einer besteht den Gallea-Test Auf die Deals allein sollte man seine Anlageentscheidung nicht stützen. Doch selbst Börsenlegenden wie Martin Zweig und Peter Lynch nutzten Insidertransaktionen als Kriterium für den Einstieg. Zweig setzte mindestens drei Käufe und keine Verkäufe voraus. Lynch wertete es zudem als Verkaufssignal, wenn zwölf Monate lang kein Insider gekauft hatte.

Am konsequentesten wertet jedoch Anthony Gallea die Insiderdaten aus. Seine Idee: Steigen Manager, die ihr Unternehmen am besten kennen, nach einem Kurssturz mit privatem Geld ein, ist die Aktie vermutlich unterbewertet. Gallea beruft sich dabei auf eine Untersuchung des Finanzwissenschaftlers John Howe. Demnach schnitten Aktien, die innerhalb eines Jahres 50% an Wert eingebüßt hatten, im Folgejahr überdurchschnittlich gut ab. Damit Anleger nicht ins fallende Messer greifen, sollten die Aktien aber fundamental attraktiv bewertet sein. Zudem kommt es auf Zahl und Volumen der Insiderkäufe an.

Unser Filter übersetzt das in Zahlen: mindestens drei Insiderkäufe mit jeweils mindestens 50.000 Euro Volumen, keine Verkäufe in den vergangenen sechs Monaten sowie mindestens 30%, im Idealfall 50%, Kursminus in den vergangenen zwölf Monaten. Ausgewertet haben wir die Daten der BaFin, der Schweizer Börse SIX und der Wiener Börse. Da die Methode vor allem in und nach einer Baisse Treffer liefert, ist die Zahl der Kandidaten nach der langjährigen Hausse gering. Den zusätzlichen Bewertungsfilter besteht nur der Ziegelhersteller Wienerberger. Bestanden ist er, wenn eine Aktie nach mindestens zwei, aber nicht nach allen vier Kennzahlen niedrig bewertet ist. Denn sind alle vier Multiples niedrig, straft der Markt die Aktie laut Gallea eher zu Recht ab. Genau das ist bei BMW der Fall. Lanxess scheidet aus, weil sich wegen der Verluste weder KGV noch KCV bilden lassen. Rheinmetall, Partners Group und Swissquote sind absolut betrachtet ambitioniert bewertet.

Signal bei Wienerberger noch mit Fragezeichen Aber auch Wienerberger (17,16 Euro; AT0000831706) ist kein Selbstläufer. Das ATX-Unternehmen legt am 12.11. die Q3-Zahlen vor. Nach der zweiten Gewinnwarnung im Oktober hat das Management die Eckdaten selbst vorgegeben: 1,2 bis 1,3 Mrd. Euro Umsatz und ein operatives EBITDA von 170 bis 180 Mio. Euro (Vorjahr: 201 Mio. Euro). Überraschungen sind kaum zu erwarten. Spannender ist das vierte Quartal: Mit 630 Mio. Euro EBITDA fürs Gesamtjahr liegt der Konsens bereits unter der auf 640 bis 650 Mio. Euro gekappten Prognose. Der Grund: Die seit Ende August gestiegenen Energie- und Rohstoffkosten schlagen erst im Schlussquartal voll durch.

Den Ausschlag für die Aktie dürfte aber das Update zum strategischen Review geben, das COO und Interims-CEO Gerhard Hanke angekündigt hat. Dabei drohen Restrukturierungskosten, Abschreibungen etwa im schwachen Nordamerika-Geschäft und eine Abkehr vom EBITDA-Ziel von 1 Mrd. Euro für 2029. Zudem dürfte die Verschuldung zum Jahresende mit dem rund 3-Fachen des EBITDA über der im August genannten Marke vom 2,8-Fachen liegen, was auch die Dividende belastet. Auf Basis der Schätzungen für die nächsten zwölf Monate ist der Titel mit dem 12,6-Fachen des Gewinns bewertet, der Zehnjahresdurchschnitt liegt bei 11,5. Die Aktie notiert aber unter Buchwert. Vieles ist eingepreist, und die Insiderkäufe sprechen für die Aktie, doch solange die Gewinnschätzungen fallen, drängt sich ein Einstieg bei dem Baustoffkonzern nicht auf.

Wir beobachten Wienerberger.