PLATOW Börse - Hensoldt setzt sich vom Rüstungssektor ab

Von Platow Brief

Hensoldt geht mit einem Rekord-Backlog in die zweite Jahreshälfte. Radar, Aufklärung und elektronische Kampfführung sorgen für Wachstum in Bereichen, die von langfristigen Investitionsprogrammen der Streitkräfte getragen werden.>

Hensoldt zeigt nach der jüngsten Korrektur im Rüstungssektor relative Stärke. Anleger honorieren zunehmend die Positionierung in Luftverteidigung, Sensorik und elektronischer Kampfführung – Bereiche, deren Nachfrage weniger von der bloßen Wiederauffüllung bestehender Bestände abhängt.

Dazu kommen unternehmensspezifische Signale: Der Auftragseingang hat sich im ersten Halbjahr verdoppelt, der Backlog liegt über 10 Mrd. Euro. Ende September genehmigte das Bundeskartellamt ein Gemeinschaftsunternehmen von Hensoldt, Rohde & Schwarz, Plath und General Dynamics. Das Konsortium will sich um einen noch zu vergebenden komplexen Bundeswehr-Auftrag bewerben. Ein Auftragswert ist nicht genannt. Laut Kartellamt sind Umfang und zeitliche Anforderungen jedoch so hoch, dass die Beteiligten das Vorhaben voraussichtlich nicht allein erfüllen könnten.

Operativ hat Hensoldt bereits viel Rückenwind. CEO Oliver Dörre peilt für 2026 bei einem Umsatzplus von rund 12% auf 2,75 Mrd. Euro und eine bereinigte EBITDA-Marge von 18,5 bis 19,0% (2025: 18,4%) an. Im Vergleich zu Rheinmetall ist das Umsatzwachstum zwar deutlich moderater: Der DAX-Konzern rechnet organisch mit knapp 30%.

Dass sich Hensoldt 2026 bislang an der Börse dennoch besser entwickelt, liegt vor allem am veränderten Erwartungsbild. Anleger bevorzugten zuletzt Hensoldts Geschäftsmix, da Radar, Aufklärung und elektronische Kampfführung stärker von langfristigen Investitionsprogrammen der Streitkräfte profitieren als von kurzfristigen Wiederauffüllungszyklen.

Auch wir blicken mittlerweile optimistischer auf die Aktie (80,74 Euro; DE000HAG0005). Der Analystenkonsens rechnet für die Periode 2025 – 2030 mit einem durchschnittlichen EPS-Wachstum von rund 49% pro Jahr. Dem gegenüber steht ein 2027er-KGV von 33. Zum Vergleich: Bei Rheinmetall soll das EPS im selben Zeitraum sogar um durchschnittlich 52% p.a. steigen, während die Aktie (970,40 Euro; DE0007030009) mit dem 18-Fachen des für 2027 erwarteten Gewinns niedriger bewertet ist.

Für Hensoldt sprechen trotz der höheren Bewertung die hohe Visibilität des Wachstums und die starke Position in langfristig gefragten Bereichen wie Radar, Aufklärung und elektronischer Kampfführung. Der Kapitalmarkttag am 10. November könnte zusätzliche Details zum Wachstumspfad liefern.

Kaufen Sie Hensoldt. Den Stopp setzen wir bei 55,40 Euro.