PLATOW Börse - Bei Traton wächst die Lücke zwischen Kurs und Geschäft

Von Platow Brief

Die jüngsten Absatzzahlen von Traton sprechen für eine zunehmende Erholung des Nutzfahrzeugmarkts. Damit verbessern sich auch die Gewinnaussichten des Lkw-Herstellers, dessen Aktie weiterhin auffällig niedrig bewertet ist.>

Bei Traton stiegen die Auslieferungen im dritten Quartal gegenüber dem Vorjahr um 10% auf 78.900 Fahrzeuge. An der Börse kommt davon allerdings wenig an. Vom zwischenzeitlichen Jahreshoch Anfang August hat die Aktie (33,28 Euro; DE000TRAT0N7) fast 20% verloren.

Laut Meldung vom Montag (12.10.) fiel der Absatzanstieg besonders kräftig bei der US-Tochter International Motors (rund 17% des Konzernumsatzes) aus. Mit 19.900 Fahrzeugen übertraf sie den Vorjahreswert um 48% und glich damit den Rückgang aus dem ersten Halbjahr mehr als aus. Bei Scania legten die Auslieferungen dagegen nur um 3% zu, bei MAN gingen sie um 1% zurück. Nach einem Absatzrückgang um 1% im ersten Halbjahr steht konzernweit nach neun Monaten inzwischen ein Plus von 3% zu Buche.

Auch beim Sektorkollegen Daimler Truck zeigt sich die Erholung: Im dritten Quartal stiegen die Auslieferungen gegenüber dem Vorjahr um 26% auf 91.260 Fahrzeuge. Besonders kräftig fiel das Plus in Nordamerika mit 51% aus, während Mercedes-Benz Trucks um 13% zulegte.

Für Unsicherheit sorgen die zuletzt schwächeren US-Auftragsdaten. Im September lagen die Bestellungen schwerer Class-8-Lkw mit 18.700 Fahrzeugen um 9,5% unter Vorjahr, allerdings über dem Augustniveau. Ein wesentlicher Grund für die Zurückhaltung sind die noch offenen Details der US-Abgasvorschriften für 2027. Traton-Chef Christian Levin berichtete Mitte September jedoch von anhaltend hoher Nachfrage, nachdem International seine Auftragsbücher für 2027 geöffnet hatte. Auch der Ersatzbedarf bei den alternden amerikanischen Lkw-Flotten spricht für eine Fortsetzung der Erholung.

In Europa bleibt die Entwicklung uneinheitlich. Wie aus dem Q3-Pre-Close-Call Anfang Oktober hervorging, könnten bei MAN ein ungünstiger Absatzmix in Deutschland und die niedrige Kapazitätsauslastung die Profitabilität im dritten Quartal belasten. Immerhin zog der zuvor schwache europäische Auftragseingang gegen Ende September wieder deutlich an, insbesondere bei Scania.

Entsprechend hoch sind die Erwartungen an die Zahlen vom 28.10. Für das dritte Quartal rechnet der Analystenkonsens bei einem Umsatzanstieg um gut 12% auf 11,7 Mrd. Euro mit einer Verdoppelung des Gewinns je Aktie auf rund 1,30 Euro. Im Gesamtjahr soll das Ergebnis je Aktie um 56% auf 4,83 Euro steigen.

Nach der jüngsten Kursschwäche wird Traton damit lediglich mit dem 7-Fachen des erwarteten Jahresgewinns bewertet. Angesichts der anziehenden US-Nachfrage und der niedrigen Bewertung erscheint uns die Kursschwäche überzogen. Die deutlich höheren Stückzahlen bieten bei International Motors Spielraum für eine bessere Fixkostendeckung und damit steigende Margen.

Traton bleibt ein Kauf. Unser Stopp liegt bei 25,50 Euro.