PLATOW Börse - BASF hebt die Prognose an, doch der Rückenwind lässt nach
Dem Chemiekonzern haben höhere Preise ein starkes Quartal beschert. Anleger blicken derzeit aber vor allem auf die mögliche Übernahme von Evonik, weniger auf das operative Geschäft oder den geplanten IPO der Agrarsparte. Operativ dürfte der Schwung ohnehin bald abflauen.>
BASF traut sich für 2026 nun 7,4 bis 7,8 Mrd. Euro EBITDA vor Sondereinflüssen zu. Bisher lag die Spanne bei 6,9 bis 7,7 Mrd. Euro, im Vorjahr waren es 6,6 Mrd. Euro. Die Mitte der neuen Spanne trifft exakt den Konsens von 7,6 Mrd. Euro. Das Ziel für den Free Cashflow (1,5 bis 2,3 Mrd. Euro) bleibt dagegen unverändert. Für das Schlussquartal kalkuliert BASF damit rechnerisch mit 0,95 bis 1,35 Mrd. Euro EBITDA (Vorjahresquartal: 1,0 Mrd. Euro).
Der Grund: Im dritten Quartal stieg das EBITDA vor Sondereinflüssen überraschend um 15% auf 1,64 Mrd. Euro (Konsens: 1,5 Mrd. Euro). Treiber waren vor allem höhere Preise infolge des Konflikts im Nahen Osten. Der Umsatz wuchs um 14,2% auf 16,4 Mrd. Euro. Davon gehen 11,7 Prozentpunkte auf Preise zurück und nur 2,1 Prozentpunkte auf Mengen. Bei den Mengen legten die Segmente Chemicals (+9,7%) und Nutrition & Care (+8,4%) am stärksten zu. Chemicals profitierte auch vom Hochlauf in Zhanjiang. Sondereinflüsse von 780 Mio. Euro drückten das EBIT auf -98 Mio. Euro. Positiv blieb das Nettoergebnis mit 155 Mio. Euro (Vorjahr: 172 Mio. Euro) vor allem dank einer Steuererstattung für Vorjahre.
Der Free Cashflow lag mit 523 Mio. Euro zwar über dem Vorjahr (398 Mio. Euro), aber unter den Markterwartungen (675 Mio. Euro). Nach neun Monaten steht er bei -1,04 Mrd. Euro, vor allem weil Vorräte und Forderungen gestiegen sind. Um die untere Zielmarke zu erreichen, muss BASF im vierten Quartal also gut 2,5 Mrd. Euro erwirtschaften. Helfen sollen niedrigere Forderungen und Sachinvestitionen, die 2026 klar unter 3,0 Mrd. Euro bleiben sollen statt der im Februar geplanten 3,4 Mrd. Euro. Wie stark BASF die Vorräte abbauen kann, hängt laut CFO Dirk Elvermann aber vom Preisniveau ab.
Evonik-Gebot scheint ausgereizt Dass die DAX-Aktie trotz des Ergebnisses über Konsens kaum reagierte, zeigt, worauf Anleger derzeit schauen: Evonik. Dort hat BASF Insidern zufolge auf 24 Euro je Aktie nachgebessert, was den Konzern mit gut 11 Mrd. Euro bewertet. Das liegt am oberen Ende der Spanne, die wir für BASF noch für attraktiv halten. Ein Zusammenschluss sei ein „logischer und sinnvoller Schritt“, sagte CEO Markus Kamieth im Analystencall. Die Konsolidierung der Branche in Europa habe begonnen. Evonik sei BASF „nicht in den Schoß gefallen, sondern das Resultat einer sehr systematischen Analyse.“ Finanziell bleibe BASF diszipliniert. „Wir werden keinen überhöhten Preis zahlen“, betonte Kamieth. Viel Luft lässt das nachgebesserte Gebot für dieses Versprechen nicht mehr.
An den Ausschüttungen will der Konzernchef auch im Fall einer Übernahme festhalten. Von 2025 bis 2028 sollen über Dividenden und Rückkäufe mindestens 12 Mrd. Euro an die Aktionäre fließen. Die Bilanz gibt dafür Spielraum. Ende September lag die Nettoverschuldung bei 16,7 Mrd. Euro und damit 20,3% unter dem Vorjahr. Bis Jahresende erwartet Elvermann rund 15 Mrd. Euro. Das Single-A-Rating soll bleiben. Laut dem Finanzvorstand ist es in der Branche nahezu einzigartig. Die Eigenkapitalquote liegt bei 47,2%. Der Haken: Den Schuldenabbau tragen vor allem Portfolio-Erlöse (Coatings, Harbour Energy), nicht das laufende Geschäft. Anfang Oktober kamen 257 Mio. Euro Zufluss aus der indirekten Beteiligung an der Stahl Group hinzu, die ihr Spezialbeschichtungsgeschäft an Henkel verkauft hat.
Auch beim Stellenabbau legt BASF Tempo zu. Seit Januar 2024 fielen rund 8.600 Stellen weg, 5.200 davon in den ersten neun Monaten 2026, mehr als doppelt so viele wie im ganzen Jahr 2025.
Agrarsparte schwächelt zur Unzeit Ausgerechnet die Agrarsparte, die in den ersten neun Monaten rund 23% zum EBITDA beitrug und an die Börse gehen soll, enttäuscht. Im saisonal schwachen dritten Quartal sank der Umsatz von Agricultural Solutions um 19,7% auf 1,4 Mrd. Euro. Ein Teil davon ist hausgemacht: Weil BASF in Südamerika auf ein neues IT-System umstellte, zog der Konzern Verkäufe ins zweite Quartal vor. Hinzu kamen hoher Wettbewerbsdruck in Südamerika und ungünstiges Wetter in Europa und Asien. Das EBITDA der Sparte rutschte auf -48 Mio. Euro (Vorjahr: 80 Mio. Euro). Für das vierte Quartal erwartet Elvermann die übliche saisonale Belebung. 80% des Geschäfts seien inzwischen ausgegliedert, man sei auf Kurs zur Börsenreife. Beim Kapitalmarkttag am 24.11. soll sich daher alles um das Agrargeschäft drehen.
Mit einem Forward-KGV von 17 ist die BASF-Aktie (53,84 Euro; DE000BASF111) historisch kein Schnäppchen mehr. Überteuert ist sie aber nicht: Zuletzt stiegen die Gewinnschätzungen schneller als der Kurs. Stützen dürften die Dividendenrendite von rund 4,2% plus Rückkäufe, die starke Bilanz und der für 2027 erwartete Sprung beim Free Cashflow. Der Konsens liegt bei 3,34 Euro je Aktie, das entspricht gut 6% FCF-Rendite.
Seit unserem Wiedereinstieg im Juni hat die Aktie 11,5% zugelegt, die operative Erholung ist damit weitgehend eingepreist. Für 2027 erwartet der Konsens nach den Q3-Zahlen sogar einen leichten Gewinnrückgang. Wir stufen BASF auf Halten ab und ziehen den Stopp knapp unter das 52-Wochen-Tief von 35 auf 41,50 Euro nach.