PLATOW Börse - ASML plant schon den nächsten großen Kapazitätsschub

Von Platow Brief

Der Chipausrüster erhöht die 2026er-Ziele zum dritten Mal. Knappe Kapazitäten und höhere Preise stützen zudem die Gewinnchancen weit über das laufende Jahr hinaus. Die Konsensschätzungen dürften weiter steigen.>

Der Chipausrüster ASML meldete zur Wochenmitte (14.10.) ein Rekordquartal und erhöhte seine Jahresziele. Die Aktie reagierte zunächst verhalten und legte erst während des Analysten-Calls stärker zu. Das passt zur eigentlichen Botschaft: Das starke Geschäft 2026 war weitgehend erwartet. Neu ist vor allem, wie weit die Sicht des Vorstands inzwischen reicht.

Die Q3-Zahlen selbst verdienen daher nur einen kurzen Blick. Der Umsatz stieg auf den Rekordwert von 11,7 Mrd. Euro, die Bruttomarge erreichte mit 57,5% ebenfalls einen Höchststand. Besonders stark blieb das Geschäft mit Wartung und Leistungssteigerungen bestehender Anlagen. Für das Schlussquartal stellt der Vorstand 14,2 Mrd. bis 15,2 Mrd. Euro Umsatz bei rund 57% Bruttomarge in Aussicht. ASML hob die Jahresprognose zum dritten Mal an: Beim Umsatz avisiert der Vorstand nun 44 Mrd. bis 45 Mrd. Euro, bei der Bruttomarge rund 56%. Zum Vergleich: Zu Jahresbeginn standen lediglich 34 Mrd. bis 39 Mrd. Euro Umsatz sowie 51% bis 53% Bruttomarge auf der Agenda der Niederländer.

Nach den Q2-Zahlen im Juli hatte ASML angekündigt, die Kapazität seiner wichtigsten Lithografiesysteme 2027 um rund 30% auf etwa 85 Anlagen zu erhöhen. Für 2028 prüfte ASML einen weiteren Ausbau um rund 30%. Inzwischen fällt die Nachfrage noch stärker aus als angenommen. „Die derzeit geplante Produktion wird die Nachfrage nicht vollständig decken“, sagt Finanzvorstand Roger Dassen mit Blick auf die beiden kommenden Jahre. Vor allem für 2028 versucht ASML daher, über die bislang angepeilten rund 110 Anlagen hinauszukommen. Noch bemerkenswerter ist der Blick weiter nach vorne. Einige Kunden wollen bereits Bestellungen für 2029 und 2030 platzieren. ASML nimmt diese bislang aber nicht an, sondern gleicht zunächst den Gesamtbedarf mit den eigenen künftigen Produktionsmöglichkeiten ab. Das Problem besteht inzwischen also weniger darin, genügend Aufträge zu bekommen, als die gewünschten Anlagen rechtzeitig herstellen zu können.

ASML hält diese Orders nicht für bloße Vorsichtsbestellungen. „Wir glauben, dass diese Nachfrage real ist“, erklärt CEO Christophe Fouquet. Der Vorstand prüft die von den Kunden genannten Mengen anhand konkreter Ausbaupläne und der eigenen Produktionsmöglichkeiten. Zudem sind Bestellungen mit erheblichen Vorauszahlungen verbunden und lassen sich nicht ohne Kosten wieder auflösen. Die langfristigen Vertragsverbindlichkeiten, in denen auch Kundenanzahlungen stecken, sprangen im dritten Quartal von 3,6 Mrd. auf 9,3 Mrd. Euro.

ASML setzt höhere Preise durch Auch bei den Preisen wird die starke Marktposition inzwischen sichtbar. Im Juli liefen die Gespräche mit den wichtigsten Kunden noch. Jetzt sind sie abgeschlossen und hätten „tatsächlich zu Preiserhöhungen geführt“, wie der CFO berichtet. Betroffen sind vor allem besonders wichtige Anlagen. Erste Effekte sollen 2027 sichtbar werden, ab 2028 vollständig. Auch die Preise für nachträgliche Leistungssteigerungen sollen folgen. Gleichzeitig ist dieses besonders margenstarke Upgradegeschäft noch nicht ausgereizt. Bei zahlreichen installierten Maschinen steht die Aufrüstung noch aus, zudem entwickelt ASML weitere Angebote. Das eröffnet zusätzlichen Spielraum für Umsatz und Marge.

Damit wird die Entwicklung der Gewinnschätzungen zum besten Maßstab für die Kursrallye. Die Aktie hat im laufenden Jahr rund 65% zugelegt. Der EPS-Konsens für 2026 ist seit Jahresbeginn um etwa 50% gestiegen, für 2027 um gut 70%. Für 2028 beträgt das Plus sogar rund 95%. Und nach den jüngsten Aussagen könnten gerade die weiter entfernten Prognosen immer noch zu niedrig sein.

Unsere Empfehlung aus dem Juli 2025 liegt inzwischen rund 155% im Plus. Trotz des starken Kursanstiegs liegt das 12-Month-Forward-KGV mit 30 leicht unter dem Zehnjahresdurchschnitt von 31 und dem Fünfjahresmittel von 32,5. Absolut betrachtet ist die Aktie (1.528,20 Euro; NL0010273215) mit diesem Multiple trotzdem nicht günstig. Die erwarteten Gewinnsteigerungen und weiteres Potenzial bei den Konsensschätzungen relativieren das aber. Der Kurs zeigt nach dem starken Aufwärtsmove (+200% seit April 2025) seit Ende Juni ein typisches Konsolidierungsmuster ohne großen Verkaufsdruck. Ein Ausbruch nach oben erscheint uns wahrscheinlich, der Zeitpunkt ist aber offen.

Wir raten daher unverändert dazu, ASML bei Rücksetzern auf 1.330 Euro zu akkumulieren. Stopp: 850,00 Euro.