Netzagentur vergibt erste Kraftwerkszuschläge - RWE und LEAG dominieren
Berlin, 03. Nov (Reuters) - Die Energiekonzerne RWE und LEAG gehören zu den Gewinnern der ersten Ausschreibung für neue Kraftwerke zur Absicherung der Stromversorgung in Deutschland. Die Bundesnetzagentur erteilte insgesamt elf Zuschläge für eine Leistung von rund 5160 Megawatt, wie die Behörde am Dienstag mitteilte. Davon entfielen zehn Zuschläge auf RWE und den ostdeutschen Braunkohlekonzern LEAG inklusive seiner Tochter Gaskraftwerk Leipheim. Zum Zuge kamen außerdem die Stadtwerke Karlsruhe. Die neuen Anlagen sollen ab November 2031 die Stromversorgung sichern, wenn Wind- und Solaranlagen nicht genügend Energie liefern. Die Betreiber erhalten dafür über 15 Jahre eine Vergütung für die Bereitstellung ihrer Leistung. Rein rechnerisch beläuft sich die Förderung auf etwa zwölf Milliarden Euro. Die Kosten sollen die Stromkunden per Umlage tragen.
Die erste Ausschreibung war deutlich überzeichnet. Für die ursprünglich ausgeschriebenen 4500 Megawatt gingen 41 Gebote über insgesamt knapp 12.000 Megawatt ein. Sieben Gebote wurden wegen formaler Mängel ausgeschlossen. Dass mehr Leistung als vorgesehen vergeben wurde, liegt an einer gesetzlichen Regelung, wonach auch das Gebot berücksichtigt wird, mit dem die Ausschreibungsmenge erstmals überschritten wird.
FÖRDERKOSTEN VON ETWA ZWÖLF MILLIARDEN EURO
Der Wettbewerb drückte nach Angaben der Netzagentur die Förderkosten. "Die Ergebnisse der Ausschreibung sind ein wichtiger erster Schritt für die langfristige, kosteneffiziente Absicherung der Stromversorgung", erklärte Netzagentur-Präsident Klaus Müller. Auch die regionale Verteilung trage zu einem sicheren Netzbetrieb bei.
Der durchschnittliche Zuschlagswert lag bei 155.296 Euro je Megawatt anrechenbarer Leistung und Jahr und damit deutlich unter dem Höchstpreis von 244.000 Euro. Daraus ergeben sich nach Reuters-Berechnungen jährliche Förderzahlungen von rund 800 Millionen Euro. Über die Vertragslaufzeit von 15 Jahren summieren sie sich rechnerisch auf etwa zwölf Milliarden Euro. Die Nettokosten können geringer ausfallen, weil Betreiber bei sehr hohen Strompreisen einen Teil ihrer Erlöse abführen müssen.
GRÜNE: STÄRKUNG DER MARKTMACHT ALTER KOHLEKONZERNE
Kritik kam von den Grünen. "Die Ergebnisse schaffen enorme Marktmacht für die alten Kohlekonzerne RWE und LEAG", sagte Grünen-Politiker Michael Kellner der Agentur Reuters. "Monopole werden für Unternehmer und Verbraucher immer teuer." Das schlechte Ausschreibungsdesign habe sich gerächt.
Die größte vergebene Leistung entfällt mit rund 2118 Megawatt auf Nordrhein-Westfalen, gefolgt von Brandenburg mit 1819 und Sachsen mit 910 Megawatt. Weitere Zuschläge gingen nach Bayern und Baden-Württemberg. Das Gesetz begünstigt Kraftwerksstandorte im sogenannten netztechnischen Süden, zu dem auch Nordrhein-Westfalen zählt.
Mit der Kraftwerkstrategie will die Bundesregierung den Bau zusätzlicher Anlagen fördern, die auch bei längeren Dunkelflauten zuverlässig Strom liefern. Sie müssen mindestens zehn Stunden am Stück 80 Prozent ihrer installierten Leistung bereitstellen können. Diese Vorgabe begünstigt Gaskraftwerke gegenüber vielen Batteriespeichern. Neue Gaskraftwerke müssen später auf Wasserstoff umgestellt werden können und ab 2046 klimaneutral betrieben werden.
Eine zweite Ausschreibung über 4500 Megawatt soll am 10. November bekannt gemacht werden. Weitere 2000 Megawatt folgen im Mai 2027, dann ohne die strenge Zehn-Stunden-Regel. Die EU-Kommission hatte die Förderung im September genehmigt und schätzt die Gesamtkosten des Fördermechanismus auf 15,6 bis 35,2 Milliarden Euro bis 2045. Bezahlt werden soll dies über eine Umlage, die letztlich die Stromkunden tragen.