Netzagentur-Chef: Gasversorgung auch bei verfehlten Speicherzielen sicher
- von Holger Hansen
Berlin, 01. Nov (Reuters) - Deutschland ist nach Einschätzung der Bundesnetzagentur auch ohne Erreichen der gesetzlichen Gasspeicherziele sicher mit Erdgas versorgt. "Es ist für die sichere Gasversorgung nicht mehr zwingend, dass die Speicherziele erreicht werden", sagte Behördenchef Klaus Müller am Sonntag der Nachrichtenagentur Reuters. Deutschland verfüge mittlerweile über Flüssiggas-Terminals, über die Gas importiert werden könne. Zugleich warnte er vor höheren Kosten: "Aber Gas ist erheblich teurer geworden, dessen müssen sich leider alle Kunden bewusst sein."
Hintergrund von Müllers Äußerungen ist, dass die Gasspeicher in Deutschland die gesetzlich vorgeschriebene Füllstandsmarke verfehlt haben dürften. Zum 1. November müssen die meisten deutschen Gasspeicher nach den gesetzlichen Vorgaben zu mindestens 80 Prozent gefüllt sein. Für sechs Speicher gilt eine niedrigere Vorgabe von 45 Prozent. Daraus ergibt sich rechnerisch ein bundesweiter Zielwert von rund 70 Prozent. Am Samstag lag der Füllstand etwas über 61 Prozent.
SPEICHERVERBAND WARNT VOR RISIKEN BEI SEHR KALTEM WINTER
"Speicher sind weiter wichtig, aber ihre Bedeutung hat sich verändert", sagte Müller. Entscheidend für die Versorgung sei das Zusammenspiel von Pipeline- und Flüssiggasimporten, Speichern, Infrastruktur und Nachfrage. "Die Gasversorgung ist stabil. Die Bundesnetzagentur schätzt die Gefahr einer angespannten Gasversorgung aktuell als gering ein."
Der Lobbyverband Initiative Energien Speichern (INES) warnte dagegen vor Risiken durch die niedrigen Füllstände. Nach seinen Modellrechnungen könnte es bei einem extrem kalten Winter zu erheblichen Versorgungsengpässen kommen, erklärte der Verband am Sonntag. INES vertritt die Betreiber von Gas- und Wasserstoffspeichern, darunter Sefe, Uniper und VNG. Seine Mitglieder repräsentieren mehr als 90 Prozent der deutschen Speicherkapazitäten. Der Verband hat damit auch ein wirtschaftliches Interesse an einer stärkeren Nutzung der Speicher: Die Betreiber verdienen an der Vermarktung ihrer Kapazitäten und profitieren von einer entsprechenden Nachfrage. INES fordert deshalb unter anderem staatlich vergünstigte Kredite, um die Einspeicherung wirtschaftlich attraktiver zu machen.