Liefersorgen treiben Gaspreis erstmals seit 2022 über 100 Euro
Frankfurt, 28. Okt (Reuters) - Es folgt der Börsen-Ticker zu wichtigen Kursbewegungen an den internationalen Finanzmärkten und ihren Ursachen:
15.25 Uhr - Der europäische Gaspreis ist am Mittwoch erstmals seit Dezember 2022 über die Marke von 100 Euro je Megawattstunde (MWh) gestiegen. Der niederländische Terminkontrakt (TTF) mit Lieferung im kommenden Monat verteuerte sich um rund vier Prozent und notierte zeitweise bei 100 Euro. Grund sind Sorgen vor Lieferengpässen bei Flüssiggas (LNG) wegen Störungen der Schifffahrt im Nahen Osten. Der Preis hat sich damit seit Beginn des Krieges der USA gegen den Iran verdreifacht. Die hohen Großhandelspreise schlagen sich bereits in den Gas- und Stromrechnungen der Verbraucher nieder. Einige Industriezweige wie die Düngemittel-, Chemie- und Stahlindustrie, die Gas als Rohstoff verwenden, haben ihre Produktion bereits gedrosselt. Analysten erwarten, dass die Gaspreise mindestens ein weiteres Jahr hoch bleiben, selbst wenn der Krieg beigelegt und der Winter mild ausfallen sollte. Grund dafür seien die auf Rekordtiefstände gesunkenen Gasspeicher, die wieder aufgefüllt werden müssten.
15.20 Uhr - Der US-Bekleidungs- und Schuhhersteller VFVFC.N hat die Anleger mit seinem Geschäftsausblick enttäuscht. Die Papiere des Eigentümers von Marken wie Vans, The North Face und Timberland geben vorbörslich rund drei Prozent nach. VF bestätigte lediglich seine Prognose für das Geschäftsjahr 2027, die ein währungsbereinigtes Umsatzwachstum von zwei Prozent oder mehr vorsieht. Dabei hatte der Konzern im zweiten Quartal die Erwartungen übertroffen. Der Umsatz sank zwar um vier Prozent auf 2,70 Milliarden Dollar, lag damit aber über den Erwartungen der Analysten von 2,67 Milliarden. Belastet wurde das Ergebnis von der Marke Vans, deren Umsatz um fast zehn Prozent einbrach.
14.45 Uhr - Eine geringer als befürchtet ausfallende Steuererhöhung in Großbritannien gibt den Aktien von Wettanbietern Auftrieb. Finanzminister John Healey kündigte an, die Steuer auf Glücksspielautomaten von 20 auf 25 Prozent zu erhöhen. An der Börse hatten Anleger offenbar mit einem stärkeren Anstieg gerechnet. Die Aktien der Rank GroupRNK.L steigen um mehr als acht Prozent, die des Ladbrokes-Eigners EntainENT.L um 5,7 Prozent. Die Papiere von EvokeEVOK.L ziehen um 4,5 Prozent an, Titel von PlaytechPTEC.L legen 1,9 Prozent zu.
14.40 Uhr - Überraschend starke Quartalszahlen geben den Aktien des Online-Marktplatzes EtsyETSY.N Rückenwind. Die Titel des New Yorker Unternehmens legen im vorbörslichen Handel um mehr als sechs Prozent zu. Etsys Umsatz im dritten Quartal übertraf mit 692,5 Millionen Dollar die Analystenschätzungen von 668,2 Millionen. Auch das bereinigte operative Ergebnis (Ebitda) lag mit 210,3 Millionen Dollar über den Erwartungen von 195,6 Millionen. Das Unternehmen profitiert nach eigenen Angaben von Investitionen in Künstliche Intelligenz (KI) sowie von einer stärkeren Personalisierung des Angebots. Die Analysten der US-Investmentbank Jefferies äußern sich jedoch zurückhaltend angesichts der Prognose für das kommende Jahr. Das jüngste Wachstum von Etsy habe auf Preiserhöhungen beruht und die hohe Vergleichsbasis werde künftiges Wachstum erschweren, heißt es.
14.00 Uhr - Die Aktien der spanischen Großbank SantanderSAN.MC geben trotz eines besser als erwartet ausgefallenen Quartalsgewinns um 4,5 Prozent nach. Anleger konzentrierten sich bei den Zahlen auf schwächere Ergebnisse des Instituts in Brasilien, sagten Börsianer. Der Gewinn in dem für Santander zweitgrößten Markt sank aufgrund höherer Wertberichtigungen um 15 Prozent. Die Geschäfte in Lateinamerika hätten enttäuscht, während sie in den Industrieländern positiv überraschten, fassten die Analysten von UBS zusammen. Der Kursrutsch der Aktien belastet den spanischen Leitindex Ibex.IBEX: Er büßt 0,8 Prozent ein.
13.15 Uhr - Wieder aufgeflammte Übernahmespekulationen treiben die Aktien von Wendy'sWEN.O im vorbörslichen US-Geschäft um mehr als 15 Prozent in die Höhe. Einem Bericht des "Wall Street Journal" zufolge greift der Hedgefonds-Manager Nelson Peltz nach der US-Fast-Food-Kette, die mit schwächelnden Umsätzen kämpft. Seine Firma Trian Fund Management führe ein Investorenkonsortium an, das den Anteilseignern 7,35 Dollar je Aktie in bar biete. Insgesamt sei die Offerte rund 1,4 Milliarden Dollar schwer, hieß es in dem Bericht. Schon seit längerem macht Peltz, dessen Tochter durch ihre Ehe mit dem Sohn des Fußballers David Beckham für Schlagzeilen sorgte, als aktivistischer Investor Druck bei Wendy's. Im August hatte es erste Berichte über mögliche Übernahmeavancen gegeben.
13.00 Uhr - Ein Medienbericht über ein mögliches Geschäft mit dem ChatGPT-Erfinder OpenAI beflügelt die Aktien von AlphabetGOOGL.O. Die Papiere der Google-Mutter legen im vorbörslichen US-Handel um 1,3 Prozent auf 321 Dollar zu. Der Branchendienst "The Information" hatte berichtet, OpenAI wolle Googles Prozessoren für Künstliche Intelligenz (KI) kaufen. Googles hauseigene Tensor-Chips gelten als Alternative zu den marktführenden KI-Chips von NvidiaNVDA.O.
12.15 UHr - Nach dem Quartalsbericht von SymriseSY1G.DE steuert die Aktie auf ihren größten Tagesverlust seit 2008 zu. Die Titel des Aromen- und Duftstoffherstellers brechen um fast zwölf Prozent ein und sind damit die größten Verlierer im Dax.GDAXI. Obwohl die Zahlen für das dritte Quartal überraschend stark ausfielen, rechnet Symrise für das Gesamtjahr nur noch mit einem organischen Wachstum von etwa drei Prozent. Analysten waren im Schnitt von 3,2 Prozent ausgegangen. Zudem erwarte das Unternehmen die bereinigte operative Marge (Ebitda) wegen erhöhter Investitionen in der unteren Hälfte der Spanne von 21,5 bis 22,5 Prozent. Auch die starken Zahlen des Schweizer Rivalen GivaudanGIVN.S Mitte Oktober hatten Experten zufolge die Erwartungen der Anleger an Symrise in die Höhe getrieben.
11.55 Uhr - Ein Angriff auf eine Raffinerie in Saudi-Arabien hat die Ölpreise am Mittwoch erneut nach oben getrieben. Die Nordsee-Rohölsorte Brent und das US-Leichtöl WTI verteuern sich um rund ein bis 1,5 Prozent. Trotz der Rückgänge zum Wochenstart verharren die Preise mit 114,60 und 101,07 Dollar je Fass (159 Liter) über der psychologisch wichtigen 100-Dollar-Marke. Die mit dem Iran verbündeten Huthi aus dem Jemen teilten am Dienstag mit, sie hätten die größte Ölraffinerie Saudi-Arabiens mit einer Rakete getroffen. Zugleich stützten Daten zu den US-Rohölbeständen die Preise. Die Ölpreise hielten sich zudem auf hohem Niveau, da der Markt auf mehr Klarheit über das weitere Vorgehen von US-Präsident Donald Trump gegenüber dem Iran warte, schreiben die Strategen der niederländischen Großbank ING. "Wenn die Wahlen ohne erneute Angriffe auf den Iran vorübergehen, könnte das ausreichen, um die Risikoprämie am Markt abzubauen."