Kaviar, Champagner und ein Porsche: Luxuswandel in der Luftfahrt

Von Reuters News

- von Alessandro Parodi und Joanna Plucinska

- Der elegante schwarze Porsche Cayenne steuert über das Rollfeld des Flughafens Charles de Gaulle in Paris auf einen Boeing-777-Jet von Air FranceAIRF.PA zu. Der Fahrdienst, mit dem betuchte Kunden direkt von der VIP-Lounge zum Flugzeug chauffiert werden, ist Teil der Strategie der Fluggesellschaft, verstärkt auf Luxus zu setzen und im Top-Kundensegment zu wachsen. Air France investiert Milliarden in die Modernisierung ihrer Kabinen, Lounges und Serviceangebote, obwohl die steigenden Treibstoffkosten die Gewinnmargen der Branche unter Druck setzen.

"Wir wollten unbedingt ins Premiumsegment aufsteigen", sagte Fabien Pelous, Kundenvorstand bei Air France, der Nachrichtenagentur Reuters an Bord des Flugzeugs, während er die neue ultraluxuriöse "La Première"-Klasse vorführte. Das Angebot umfasse einen separaten Eingang am Flughafen, eigene Sicherheitskontrollen, eine Lounge mit Spa und einen persönlichen Fahrdienst bis zum Flugzeug. Gäste können Suiten in der Lounge buchen und sich während der Wartezeit mit Kaviar und Champagner verwöhnen lassen. An Bord genießen die Passagiere von Sterneköchen kreierte Speisen, eine Suite und Designerpyjamas.

"In den vergangenen fünf Jahren haben wir diese neue Kabine entwickelt und dabei auf jedes Detail geachtet, um die Erwartungen unserer Kunden bestmöglich zu erfüllen", sagte Pelous. "Wir wollten einen Raum wie in einem Privatjet schaffen." Flüge in der ersten Klasse, die für einen Hin- und Rückflug von Paris nach New York ab 14.000 Dollar zu haben sind, bieten ähnlichen Komfort wie Privatflugzeuge, nur günstiger. Das sei für Showbiz-Stars und andere VIPs diskreter, da Privatjets geortet werden können. "Auf Linienflügen wird man völlig unsichtbar", sagte Pelous.

PREISGEKRÖNTER LUXUS

Da die Treibstoffkosten aufgrund des Iran-Krieges steigen und die Verbrauchernachfrage im unteren Marktsegment nachlässt, setzen die Fluggesellschaften auf zahlungskräftige Fluggäste in der Business- und First Class. Der Boom bei Technologie und Künstlicher Intelligenz schafft eine neue Klasse von Superreichen, die sich diesen Luxus auf Reisen leisten können.

Air-France-Chef Ben Smith betonte im Gespräch mit Reuters in London, die Fluggesellschaft habe es sich etwas kosten lassen, die Konkurrenz auszustechen. "Wir haben sowohl am Boden als auch in der Luft viel Geld investiert", sagte er. Die global führende Luftfahrt-Ratingorganisation Skytrax zeichnete die First Class der Air France im September als weltbeste aus. Und der Umschwung ist bei dem LufthansaLHAG.DE-Rivalen noch nicht abgeschlossen. Im Rahmen ihrer Premiumoffensive plant Air France, eine Milliarde Euro in Kabinen, Lounges und WLAN an Bord zu investieren.

LUFTHANSA SIEHT PREMIUMTREND

Die Lufthansa hat mehr als 2,5 Milliarden Euro in die Modernisierung der Kabinenausstattung und eine luxuriöse First Class gesteckt. Auch hier werden die Kunden mit Mahlzeiten von Sterneköchen verwöhnt. Das Fine-Dining-Konzept mit Kaviar und exklusiven Weinen erreichte den ersten Platz in der Skytrax-Kategorie für das First-Class-Catering.

Lufthansa-Chef Carsten Spohr spricht von einem neuen Trend. Früher habe sich zuerst die Economy Class gefüllt, die oberen Buchungsklassen seien zeitnäher zum Abflugtermin verkauft worden. Heute sei das umgekehrt: Die teuren Plätze seien schneller belegt, in der Economy blieben in Richtung USA hingegen manchmal Lücken. Die Lufthansa erziele auf der Langstrecke mehr als die Hälfte des Umsatzes in den Premiumklassen - weit überproportional zu deren Ticketanteil. "Wir haben einen Premium-Boom, der uns als Lufthansa relativ mehr hilft als vielen unserer Wettbewerber."

Die höheren Preise in der Luxusklasse schlagen sich positiv in den Bilanzen der Airlines nieder. Air France-KLM zufolge stiegen die Stückerlöse im zweiten Quartal dank der Premiumstrategie um 8,7 Prozent. Die Einnahmen aus der Premiumkabine wuchsen stärker als die Kapazität. Bei der Lufthansa kletterte der Erlös um 6,7 Prozent in den drei Premiumklassen, in der Economy nur um 1,6 Prozent.

Die hohen Investitionen sind aber auch mit Risiken verbunden. Der wirtschaftliche Druck in den USA und Europa steigt. Daher befürchten manche Branchenkenner, dass Großverdiener ihre Ausgaben kürzen könnten, selbst für Luxusreisen, sollte sich die globale Lage verschlechtern. Die Umrüstung von Flugzeugen auf geräumigere Premium-Sessel bedeutet, dass insgesamt weniger Sitzplätze zur Verfügung stehen. "Wenn man so viel investiert, die Kapazitäten reduziert und die Sache schiefgeht, lässt sich das nicht mehr rückgängig machen", sagte Airline-Analyst John Strickland.