Insider: Deutschland verhandelt über 50-Prozent-Anteil an KNDS

Von Reuters News

- Deutschland will einem Insider zufolge angesichts schwindender Chancen auf einen baldigen Börsengang die gesamte Beteiligung der deutschen KNDS-Eigentümerfamilien an dem Panzerbauer kaufen. Die Verhandlungen mit den in der Wegmann-Holding zusammengeschlossenen Familien liefen noch, beim Preis sei man aber nicht mehr weit voneinander entfernt, sagte eine mit den Vorgängen vertraute Person der Nachrichtenagentur Reuters. Das "Handelsblatt" hatte am Mittwoch berichtet, eine Entscheidung sei in den nächsten Wochen zu erwarten. Angesichts fehlender Alternativen halte die Bundesregierung die Übernahme des gesamten Anteils für sinnvoll, um eine französische Dominanz beim Hersteller des Kampfpanzers "Leopard 2" zu verhindern. Zwei Insider sagten, die Pläne für den Börsengang lägen derzeit vollständig auf Eis.

Die in der Wegmann-Holding zusammengeschlossenen Familien wollten bei dem Börsengang - ebenso wie der französische Staat - zehn Prozent ihrer Anteile abgeben. Zugleich sollte der deutsche Staat die übrigen 40 Prozent übernehmen, um auf Augenhöhe mit Frankreich zu sein - zu einem Preis, der sich am Emissionspreis beim Börsengang orientiert. Die milliardenschwere Emission war aber vor der Sommerpause verschoben worden, weil die Investoren nicht bereit waren, die Preisvorstellungen der Familien zu erfüllen. Sie hatten sich eine Bewertung für KNDS von rund 15 Milliarden Euro erhofft. Doch Zweifel an der Nachhaltigkeit der Aufrüstung in Europa hatten die Bewertungen von Konkurrenten wie RheinmetallRHMG.DE oder CSGCSG.AS gedrückt. Auch im Herbst, auf den KNDS gehofft hatte, ist eine höhere Bewertung nicht zu erwarten.

Die Eigentümerfamilien wollten sich dazu nicht äußern. Das Bundeswirtschaftsministerium erklärte, die Bundesregierung prüfe "zum Schutz der verteidigungsindustriellen Schlüsseltechnologie im gepanzerten Fahrzeugbau (...) den Erwerb von Anteilen auf Augenhöhe mit Frankreich". Dazu sei sie im Austausch mit allen Beteiligten. Die Bundeswehr ist der größte Auftraggeber von KNDS. Die Entscheidung über einen Verkaufsprozess liege aber bei den gegenwärtigen Aktionären, betonte das Ministerium. KNDS selbst teilte mit, ein Börsengang bleibe das Ziel des deutsch-französischen Konzerns. Zu möglichen Gesprächen zwischen der Bundesregierung und den Familien nehme KNDS keine Stellung.