IG Metall startet am Sonntag erste Warnstreik-Welle
München, 30. Okt (Reuters) - Im Tarifstreit der deutschen Metall- und Elektroindustrie will die Gewerkschaft IG Metall ihren Lohnforderungen ab Sonntag mit einer ersten Warnstreikwelle Nachdruck verleihen. "Das sogenannte Angebot der Arbeitgeber provoziert in den Betrieben nur Unverständnis und Wut. Deswegen werden die Beschäftigten mit starken Warnstreiks darauf reagieren", sagte die Vorsitzende der Gewerkschaft, Christiane Benner, am Freitag in Frankfurt. Die IG Metall nimmt damit die erste Gelegenheit wahr, nach dem Ende der Friedenspflicht am Samstag zu Streiks aufzurufen. Die ersten Arbeitsniederlegungen und Kundgebungen sind für die Nacht zum Sonntag geplant, am Montag soll nach Angaben der Gewerkschaft erstmals auch ein großer bayerischer Autohersteller betroffen sein.
Die IG Metall hatte Tariferhöhungen von fünf Prozent mehr Lohn und Gehalt gefordert, die Arbeitgeberverbände hatten am Dienstag in der zweiten Verhandlungsrunde Einmalzahlungen im Juli 2027 und 1,3 Prozent mehr Lohn von Juli 2028 an angeboten. Bei Krisen-Unternehmen soll die Einmalzahlung gestrichen werden können. "Das Angebot bedeutet eine Minusrunde für die Beschäftigten und eine nachhaltige Schwächung der Wirtschaft", sagte die Tarifvorständin der IG Metall, Nadine Boguslawski.
Erschwert werden die Verhandlungen dadurch, dass die Entwicklung der Unternehmen der Branche so unterschiedlich ist: Während die Autoindustrie und deren Zulieferer kriseln, brummt in der Rüstungs- und Teilen der Elektronikbranche das Geschäft. Boguslawski dazu: "Mit den Warnstreiks zeigen wir: Wir brauchen und bieten passgenaue tarifliche Lösungen für alle Betriebe zwischen Krise und Boom." Die Gewerkschaft fordert eine Beteiligung der Belegschaften an den Gewinnen der boomenden Unternehmen.