IG Metall fordert fünf Prozent mehr Geld in Metall-Tarifrunde

Von Reuters News

- Die IG Metall fordert in der anstehenden Tarifrunde für die Metall- und Elektroindustrie fünf Prozent mehr Geld und will zudem auf die Sicherung von Arbeitsplätzen dringen. Das beschloss der Vorstand der Gewerkschaft am Mittwoch nach entsprechenden Festlegungen in den sieben Tarifbezirken am Dienstag. "Wir gehen mit kämpferischem Realismus in die Verhandlungen", erklärte IG-Metall-Chefin Christiane Benner. Die Forderung nach fünf Prozent mehr bei zwölf Monaten Laufzeit sei moderat. "Verzicht bringt nichts voran." Sie kritisierte Schwarzmalerei und Schlechtreden des Standortes Deutschland. Die Wirtschaftsdaten seien positiver als das "rückwärtsgewandte Gejammer" der Unternehmen. "Wir akzeptieren keine pauschale Krisenrhetorik."

Die Arbeitgeber wiesen die Forderung zurück. Die IG Metall ignoriere die Dimension und Tiefe der Krise, erklärte Gesamtmetall-Präsident Udo Dinglreiter. "Wir haben nicht den Luxus, über die Verteilung von Zuwächsen verhandeln zu können." Viele Unternehmen könnten in Deutschland nicht mehr rentabel wirtschaften, der Standort sei nicht wettbewerbsfähig genug und die Deindustrialisierung in vollem Gang. "350.000 verlorene Arbeitsplätze in der Metall- und Elektro-Industrie seit 2019 sprechen eine klare Sprache", ergänzte der Arbeitgeberchef. Er forderte niedrigere Arbeitskosten, um den Standort zu retten.

Benner warf den Konzernen eine "profitgetriebene Deindustrialisierung" vor. Die Beschäftigten müssten die Zeche zahlen für Fehlentscheidungen von Managern, den Druck durch Billigkonkurrenz aus China und höhere US-Zölle. Statt Angriffen auf soziale Standards erwarteten die Menschen sichere Jobs, Ausgleich für gestiegene Preise und einen gerechten Anteil an den Gewinnen der Unternehmen.


KRISENINSTRUMENTE PRÜFEN

Die Tarifverhandlungen für die größte deutsche Industriesparte mit rund 3,7 Millionen Beschäftigten werden von Krisen in großen Teilen der Branche überschattet. So baut die Autoindustrie massiv Stellen ab, Werksschließungen drohen - dagegen protestierten rund 175.000 Beschäftigte bei einem bundesweiten Aktionstag der IG Metall am Montag. Angeschlagen ist auch der Maschinenbau. In anderen Zweigen wie der Luft- und Raumfahrt oder der IT-Industrie ist die Lage nach Einschätzung der Gewerkschaft hingegen besser. Dort arbeiteten aber nur 4,5 Prozent der Beschäftigten, erklärte Gesamtmetall.

Nach Ansicht der IG Metall steht nur ein Drittel der Unternehmen unter Druck. Hier sei zu prüfen, ob die vorhandenen tariflichen Instrumente zur Krisenbewältigung ausreichten, erklärte Tarifchefin Nadine Boguslawski. "Von einzelnen Krisenunternehmen lassen wir uns aber nicht die ganze Branche herunterziehen." Die Wirtschaft sei auf Nachfrage angewiesen, deshalb sei Lohnverzicht der falsche Weg. "Deutschland darf sich hier nicht kaputtsparen", sagte sie. "Wer Aufschwung will, braucht Kaufkraft."

Vorstöße wie bei Mercedes-BenzMBGn.DE zu einer Verlängerung der Arbeitszeit ohne Lohnausgleich wiesen die Gewerkschafterinnen zurück. Die 35-Stunden-Woche ist im Manteltarifvertrag geregelt, der nicht gekündigt ist. Sollten die Arbeitgeber einen solchen Schritt gehen, wäre das "eine Kriegserklärung". Benner verurteilte zudem Drohungen mit Werksschließungen. Mercedes-Produktionsvorstand Michael Schiebe hatte in dieser Woche bei einer Betriebsversammlung gewarnt, zwei Werke müssten schließen, wenn die Arbeitskosten nicht sänken. Auch bei VolkswagenVOWG.DE, wo separat über den Haustarifvertrag mit einer gleichlautenden Forderung verhandelt wird, stehen vier Fabriken auf der Kippe.

Die Verhandlungen über den Flächentarifvertrag beginnen in den Bezirken Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg am 7. Oktober, die anderen Tarifgebiete folgen in den Tagen darauf. Bis Ende Oktober könnte es eine zweite Verhandlungsrunde geben. Die Friedenspflicht endet mit dem Auslaufen des aktuellen Tarifvertrages am 31. Oktober - danach sind Warnstreiks möglich.