Ifo: Aufgehellte Stimmung bei Autobauern - "Von Entwarnung kann keine Rede sein"
Berlin, 04. Nov (Reuters) - Die Stimmung in der kriselnden deutschen Automobilindustrie hat sich im Oktober deutlich verbessert. Der Geschäftsklimaindex dazu stieg per Saldo auf minus 4,1 Punkte, nach minus 33,2 Zählern im September, wie das Ifo-Institut am Mittwoch zu seiner monatlichen Umfrage erklärte. Die Unternehmen bewerteten ihre Geschäftslage besser als im Vormonat und sehen auch den kommenden Monaten weniger pessimistisch entgegen. "Von Entwarnung in der Automobilindustrie kann jedoch keine Rede sein", sagte Ifo-Branchenexpertin Anita Wölfl. "Denn die starken monatlichen Schwankungen im Geschäftsklima deuten auf eine sehr hohe Unsicherheit in der Branche hin."
Nach Einschätzung der Ifo-Expertin könnte die Einigung zwischen Frankreich und Deutschland auf eine gemeinsame Automobilstrategie zur besseren Stimmung beigetragen haben. Danach müssten die Autohersteller ihre CO2-Emissionen bis 2035 zwar weiter um 90 Prozent im Vergleich zu 2021 senken, wie es die EU-Kommission im Dezember 2025 vorgeschlagen hatte. Neu ist aber, dass die verbleibenden zehn Prozent nicht anderweitig ausgeglichen werden müssten. Außerdem sollen staatliche Förderungen der Autoindustrie stärker an ein "Made in Europe" geknüpft werden.
BRANCHE KÄMPFT MIT E-AUTO-RÜCKSTAND UND CHINA-GESCHÄFT
Fachfrau Wölfl erwartet allerdings, dass die Entwicklung im Oktober nur ein kurzes Aufatmen ist. Die monatlichen Ausschläge des Index hätten seit Mitte 2026 wieder deutlich zugenommen. Sie spiegelten die immense Unsicherheit in der Branche wider, die wohl auch in näherer Zukunft nicht zurückgehen dürfte. "Die Einigung verschafft der Autoindustrie zwar ein gewisses Zeitfenster", sagte Wölfl. "Sie ändert jedoch nichts an der zentralen Herausforderung der Branche, im Technologiewettbewerb wieder an die Spitze aufzuschließen."
Die deutschen Autokonzerne spüren deutlichen Gegenwind auf dem wichtigsten Markt in China. Kritikern zufolge haben sie die Entwicklung bei E-Autos lange verschlafen. Vor allem Europas größter Autobauer VolkswagenVOWG.DE steckt so tief in den roten Zahlen wie seit dem Dieselskandal vor mehr als einem Jahrzehnt nicht mehr. Eine Abschreibung auf den bilanzierten Firmenwert von Porsche, das wegbrechende Geschäft in China, die Zölle von US-Präsident Donald Trump und die wachsende Beliebtheit margenschwacher Elektroautos brockten dem Konzern im Sommer-Quartal ein operatives Minus von 5,9 Milliarden Euro ein, gut viermal so viel wie noch vor einem Jahr. Volkswagen-Chef Oliver Blume hat seinem Konzern einen Sparkurs verordnet und will Zehntausende weitere Stellen streichen.