Hapag-Lloyd wirbt in Israel für neuen Plan zur Übernahme von Reederei ZIM

Von Reuters News

- Hapag-LloydHLAG.DE wirbt nach Kritik aus Tel Aviv mit einem neuen Vorschlag für die milliardenschwere Übernahme der israelischen Reederei ZIM2SV.F. Deutschlands Branchenprimus hatte bereits in der vergangenen Woche einen neuen Plan vorgelegt, der laut Hapag-Lloyd die ursprünglich vorgesehenen Rahmenbedingungen im Sinne Israels anpassen soll. "Wir ermutigen die zuständigen Behörden, den verbesserten Vorschlag zu prüfen", erklärte ein Hapag-Lloyd-Sprecher am Dienstag auf Anfrage. Die Hamburger Reederei will mit der Übernahme der ZIM Integrated Shipping Services ihre Position als fünftgrößte Containerreederei weltweit stärken. Das Geschäft ist Hapag-Lloyd über vier Milliarden Dollar wert.

Doch in der ZIM-Belegschaft und in der israelischen Politik stieß das Mitte Februar bekanntgemachte Vorhaben auf Widerstand. Dabei geht es den Äußerungen der israelischen Regierung zufolge nicht etwa um den Kaufpreis, sondern um die künftige Position von ZIM unter sicherheitspolitischen und unternehmensstrategischen Aspekten. Der Staat Israel, der bei ZIM durch eine sogenannte "Goldene Aktie" über Sonderrechte verfügt, fürchtet bei dem Deal um die Unabhängigkeit und die Zukunftsfähigkeit der weltweit zehntgrößten Reederei.

Schon nach dem ursprünglichen Vorhaben sollte der israelische Finanzinvestor FIMI Opportunity Funds, mit dem Hapag-Lloyd bei der Übernahme zusammenarbeitet, indirekt die aus diesen Staatsprivilegien resultierenden Verpflichtungen übernehmen. Dennoch hatte das israelische Finanzministerium am Montag gravierende Einwände vorgebracht, die sich laut Hapag-Lloyd aber auf eben diesen ursprünglichen Vorschlag bezogen - also die Anpassungen vom Donnerstag nicht berücksichtigten.


PROBLEM: KATAR UND SAUDI-ARABIEN AN HAPAG-LLOYD BETEILIGT

Das Ministerium erklärte, die wirtschaftlichen, operativen und sicherheitspolitischen Risiken würden die Vorteile der Übernahme deutlich überwiegen. Bedenken gibt es auch hinsichtlich der Aktionärsstruktur von Hapag-Lloyd: Die Staatsfonds von Katar und Saudi-Arabien halten gut zwölf und etwas über zehn Prozent der Hapag-Lloyd-Anteile. Dies berge in Krisenzeiten ein strategisches Risiko durch politischen Druck und ausländischen Einfluss, hieß es aus dem Ministerium.

"Hapag-Lloyd und FIMI haben dem Staat Israel genau zugehört und wesentliche Verbesserungen an dem Angebot erarbeitet", erklärte Hapag-Lloyd-Chef Rolf Habben Jansen. Der Niederländer verwies mit Blick auf den Hamas-Angriff auf Israel darauf, dass Hapag-Lloyd seit dem 7. Oktober 2023 wöchentliche Verbindungen zu israelischen Häfen aufrechterhalten habe - auch in Zeiten massiver Sicherheitsbedrohungen.

Mit dem überarbeiteten Plan sollten die Unabhängigkeit der Schifffahrt, die nationale Sicherheit und die Lieferketten des Landes gestärkt werden, erklärten Hapag-Lloyd und FIMI. Nun wollen beide bis Anfang November in neuen Gesprächen mit israelischen Behörden und Ministerien für den verbesserten Plan werben. Die Zeit drängt, denn schon bald danach soll die ZIM-Übernahme unter Dach und Fach sein. "Unser Fokus liegt weiterhin darauf, die Transaktion gegen Ende des Jahres 2026 abzuschließen", erklärte der Hapag-Lloyd-Sprecher.

Bei einer Übernahme der in Haifa ansässigen ZIM würde Hapag-Lloyd mit seinen Kapazitäten an die viertgrößte Reederei Cosco601919.SS aus China heranrücken, die zuletzt in Deutschland mit umstrittenen Plänen für eine Übernahme des Logistikers Zippel Schlagzeilen machte. Weltgrößte Reederei ist MSC aus der Schweiz, Nummer zwei der dänische Hapag-Lloyd Partner MaerskMAERSKb.CO. Auch sie sollen früheren Medienberichten zufolge Interesse an ZIM angemeldet haben.