Hannover Rück: Kfz-Versicherung wird wohl noch teurer
München, 19. Okt (Reuters) - Deutschlands Autofahrer müssen sich nach Einschätzung des Rückversicherers Hannover RückHNRGn.DE auf eine erneute Verteuerung der Kfz-Versicherung einstellen. Grund dafür seien die weiter steigenden Ersatzteil- und Reparaturkosten, sagte der zuständige Manager Stefan Schmuttermair am Montag. "Die Inflation bleibt hier weiterhin auf einem hohen Niveau. Das heißt, die Kraftfahrtversicherer werden auch weiterhin ihre Tarife anpassen."
Im Branchendurchschnitt würden die Preiserhöhungen allerdings voraussichtlich nicht mehr so stark ausfallen wie in den vergangenen Jahren. "Es ist davon auszugehen, dass die Verteuerungen im Durchschnitt unter dem liegen werden, was wir im Moment beobachten", sagte Schmuttermair. "Im laufenden Jahr liegen wir in der Größenordnung vier bis sieben Prozent." Im kommenden Jahr erwarte er einen Anstieg im niedrigen bis mittleren einstelligen Prozentbereich.
Der Markt der Kfz-Versicherer sei jedoch heterogen, betonte Schmuttermair. Zu erwarten sei, dass einzelne Versicherer ihre Tarife nur wenig erhöhen müssten, andere dafür umso mehr. Schmuttermair ist als Bereichsleiter der Hannover-Rück-Tochter E+S Rück unter anderem für das Kraftfahrtgeschäft zuständig. Rückversicherer, Erstversicherer und andere Branchenvertreter verhandeln derzeit bei ihrem Jahrestreffen in Baden-Baden über die Konditionen verschiedener Sparten für das kommende Jahr.
Seit Jahren drehen Autohersteller und Autohäuser an der Kostenschraube, weil sie im Neuwagengeschäft weniger verdienen. Für die Kraftfahrt-Erstversicherer beginnen sich die Erhöhungen ihrer Tarife nach Einschätzung der E+S Rück auszuzahlen. "Viele unserer Kunden sind nach sehr schwierigen Jahren in dieser Sparte wieder profitabel geworden", sagte der Chef der E+S Rück, Thorsten Steinmann. "Die technischen Ergebnisse bewegen sich wieder auf einem knapp positiven Niveau und die Profitabilität verbessert sich spürbar", erklärte das Unternehmen.
RISIKEN SCHWER ZU KALKULIEREN
Die E+S Rück ist im Hannover-Rück-Konzern für das Schaden-Rückversicherungsgeschäft in Deutschland zuständig. Sie rechnet mit einem immer schwierigeren Risikoumfeld. "Die moderaten Naturkatastrophenschäden der vergangenen Jahre dürfen nicht darüber hinwegtäuschen, dass das Risikoumfeld weiterhin anspruchsvoll und von hoher Unsicherheit geprägt bleibt", erklärte Steinmann. "Inflation, Cyberrisiken und geopolitische Unsicherheiten erhöhen die Schadenpotenziale und stellen Versicherer und Rückversicherer vor zunehmend komplexe Herausforderungen." Wie sich der zunehmende Einsatz von Künstlicher Intelligenz auf Haftungs-, Cyber- und Betriebsrisiken auswirke, sei noch nicht abschließend quantifizierbar.