Gewerkschaft: VW-Vorstand will zahlreiche Tarifverträge kündigen
Frankfurt, 30. Sep (Reuters) - Volkswagen will nach Angaben der Arbeitnehmerseite mehrere Haustarifverträge kündigen. Dies habe der Vorstand am Mittwoch bei einem Treffen in Hannover angekündigt, teilten die IG Metall und der Gesamtbetriebsrat mit. Die Kündigungen sollten noch am selben Tag übermittelt werden. Die Gewerkschaft und der Betriebsrat kündigten Widerstand gegen das Vorhaben des Autobauers an. Betroffen seien etwa die tarifliche Zusatzvergütung, bei der Beschäftigte zwischen sechs zusätzlichen freien Tagen oder einer Zahlung von 27,5 Prozent eines Monatseinkommens wählen können. Zudem könnten Vereinbarungen zu anderen Zulagen, dem Manteltarifvertrag mit seinen Arbeitszeitregeln und zur Ausbildung betroffen sein.
Details habe die Arbeitgeberseite um Verhandlungsführer Arne Meiswinkel zunächst nicht genannt, erklärte die IG Metall. Die vom Vorstand angestrebten Kündigungen könnten frühestens ab Januar 2027 wirksam werden. Das Treffen am Mittwoch war ursprünglich als Überprüfungsgespräch zum Tarifkompromiss aus dem Jahr 2024 geplant gewesen, der massiven Stellenabbau vorsah und im Gegenzug den Verzicht auf betriebsbedingte Kündigungen bis 2030 sowie Investitionen in die Werke. Dieser ist von den Kündigungen nicht betroffen.
"Das ist ein übles Foul an der Belegschaft und erneut ein schamloser Versuch, in die Geldbeutel der Beschäftigten greifen zu wollen", erklärte IG-Metall-Bezirkschef und Verhandlungsführer Thorsten Gröger. Die Gewerkschaft werde nicht hinnehmen, dass unternehmerische Kosten und Risiken auf die Belegschaft verlagert werden sollten, während Gewinne privatisiert würden. Betriebsratschefin Daniela Cavallo sprach von Erpressung und kündigte Widerstand gegen den Vorstoß an. "Ich rechne mit einer heftigen Auseinandersetzung zum Jahreswechsel." Dann endet die Friedenspflicht im ebenfalls gekündigten Vergütungstarifvertrag - Streik wäre dann möglich.