Fresenius baut Biosimilar-Geschäft mit chinesischem Partner WuXi aus
Frankfurt, 02. Nov (Reuters) - Der Gesundheitskonzern FreseniusFREn.DE drückt beim Ausbau seines Geschäfts mit biotechnologisch hergestellten Nachahmerpräparaten (Biosimilars) aufs Tempo. Über eine Entwicklungspartnerschaft mit dem chinesischen Auftragsfertiger WuXi Biologics2269.HK sichert sich der Dax-Konzern in den kommenden zehn Jahren den Zugriff auf bis zu 37 neue Biosimilar-Kandidaten, wie Fresenius am Montag mitteilte. Das Portfolio von derzeit 29 vermarkteten und in der Entwicklung befindlichen Medikamenten soll so auf bis zu 66 anwachsen. Fresenius zielt dabei auf Originalpräparate ab, die derzeit ein Marktvolumen von mehr als 370 Milliarden Euro repräsentieren.
An der Börse stiegen die Fresenius-Aktien im frühen Handel um 1,7 Prozent und führten die Liste der größten Gewinner im Dax an.
Nach Angaben des Unternehmens ist es der bislang größte Vertrag dieser Art in der Branche. Finanzielle Details zu dem Deal nannte der Konzern nicht, betonte aber die geringen Risiken. Anders als bei klassischen Lizenzen zahle Fresenius keine hohen Summen vorab, sondern vergüte WuXi schrittweise nach Entwicklungsfortschritt. Analysten des Brokerhauses Jefferies lobten diese Struktur: Fresenius behalte die volle Kontrolle über die Vermarktungserlöse, ohne Lizenzgebühren oder Gewinnbeteiligungen abtreten zu müssen. Neue Schulden will Fresenius für die Entwicklung nicht machen, die Kosten sollen aus dem laufenden Geschäft gedeckt werden.
Da die Entwicklung der komplexen Arzneien Jahre dauert, rechnet Vorstandschef Michael Sen erst Anfang der 2030er Jahre mit der Markteinführung der ersten WuXi-Wirkstoffe. Zunächst wollen sich die Partner auf Nachahmerversionen für das Krebsmittel Polivy sowie für das Augenmedikament Tepezza konzentrieren.
Mögliche politische Hürden auf dem wichtigen US-Markt wegen des chinesischen Partners sieht Sen nicht. Der Ende 2025 in den USA verabschiedete "Biosecure Act" schränkt bestimmte Geschäfte mit chinesischen Biotech-Unternehmen ein. Sen betonte jedoch, dass der jetzige Partner WuXi Biologics nicht betroffen sei. Zudem habe Fresenius weitreichende Sicherheitsnetze eingezogen: Das geistige Eigentum und die entscheidenden Zellbanken blieben bei den Bad Homburgern. "Damit haben wir alle Hebel in der Hand, um auch in einer vielleicht jetzt nicht zu antizipierenden geopolitischen Lage navigieren zu können", sagte der Konzernchef.
Biosimilars, die bei Fresenius in der Sparte Biopharma gebündelt sind, sind aktuell der wichtigste Wachstumstreiber des Konzerns. Zuletzt hatte Fresenius elf solcher Produkte am Markt. Der Umsatz der Sparte sprang 2025 um 43 Prozent auf 871 Millionen Euro und soll sich bis 2030 verdoppeln. Um dieses Wachstum abzusichern, hatte das Unternehmen erst im Oktober den spanischen Biosimilar-Spezialisten mAbxience komplett übernommen. Dessen Fabriken könnten künftig auch die Produktion der neuen WuXi-Wirkstoffe übernehmen.
Investoren und Analysten bewerteten die Ausbaupläne positiv. Der Deal sei strategisch sehr bedeutsam, erklärte Markus Manns, Portfoliomanager bei Union Investment. Fresenius verstärke damit seine Pipeline und positioniere sich ab 2030 neben Sandoz als einer der führenden Anbieter. Wegen der Patentabläufe vieler Biotechmedikamente ab 2028 breche aus Sicht von Investoren ein "goldenes Jahrzehnt" für Biosimilars an. Nach Einschätzung von Jefferies sichert der Deal das Wachstum weit über 2030 hinaus ab, da 85 Prozent der anvisierten Originalpräparate erst ab 2031 ihren Patentschutz verlören. Zudem dringe Fresenius mit komplexeren Wirkstoffklassen in neue Bereiche wie die Neurologie vor.