Evonik lehnt BASF-Offerte ab - aber "Austausch" möglich
Düsseldorf, 30. Okt (Reuters) - Der Spezialchemiekonzern EvonikEVKn.DE zeigt dem Konkurrenten BASFBASFn.DE auch nach dessen verbessertem Übernahmeangebot die kalte Schulter. Der Evonik-Vorstand habe auf Basis der vorliegenden Informationen entschieden, nicht in Verhandlungen mit der BASF einzutreten, teilte Evonik am Freitag in einer Pflichtmitteilung mit. Das Gremium bleibe vielmehr "auf die strategische Ausrichtung und Weiterentwicklung von Evonik als eigenständiges Unternehmen fokussiert". Zugleich erklärte der Evonik-Vorstand seine Bereitschaft zu einem "Austausch" mit der BASF, um seine Position zu erläutern und der BASF die Gelegenheit zu geben, "ihre Motive und die aus ihrer Sicht maßgeblichen Erwägungen darzulegen". Von BASF war zunächst keine Stellungnahme zu erhalten.
Evonik sei nach wie vor nicht von der industriellen Logik eines Zusammenschlusses der beiden Chemieriesen überzeugt, sagte eine mit dem Vorgang vertraute Person der Nachrichtenagentur Reuters. Dies solle auch aus einem Brief Evoniks an den Wettbewerber hervorgehen. Darin biete Evonik dem BASF-Vorstand an, seine Vorstellungen in einer Anhörung genau zu erläutern.
Mit den Verhandlungen vertrauten Personen zufolge hat BASF sein Übernahmeangebot zuletzt auf 24 Euro je Aktie aufgestockt, was den Essener Spezialchemiekonzern mit gut elf Milliarden Euro bewertet. Damit will BASF den Evonik-Vorstand an den Verhandlungstisch bringen, nachdem dieser eine erste Offerte abgelehnt hatte. BASF-Chef Markus Kamieth wirbt für den Zusammenschluss als "starke deutsche Antwort auf den globalen Wettbewerb". Für Evonik erschließe sich indes nach wie vor nicht, warum die Unternehmen gemeinsam agieren sollten, hieß es im Umfeld der Essener.
BASF-Chef Markus Kamieth hatte erst am Mittwoch sein Interesse an einer Übernahme des Konkurrenten bekräftigt, zugleich aber klargemacht, dass BASF die Essener nicht um jeden Preis schlucken wolle. "Wir werden keine überhöhten Preise zahlen", hatte er gesagt. Kamieth begründet seine Pläne auch mit dem Druck zu Fusionen in der Branche: "Ein Zusammenschluss von BASF und Evonik wäre eine starke deutsche Antwort auf den globalen Wettbewerb."
Den Evonik-Vorstand hat er damit indes nicht überzeugen können. Dieser setzt weiter auf eine Strategie der Eigenständigkeit. Interimschef Claus Rettig baut den Konzern um und will ihn damit auf mehr Wachstum und Gewinn trimmen. Inklusive bereits umgesetzter Sparprogramme könnte die Belegschaft von Evonik durch die Pläne um insgesamt rund 10.000 Menschen schrumpfen. Unter anderem will Rettig die Tochter Syneqt - sie hat 3500 Beschäftigte in Marl und Wesseling - veräußern. Kamieth hat dagegen deutlich gemacht, dass BASF die Sparte im Falle einer Evonik-Übernahme behalten könnte. Doch auch Syneqt setzt auf Unabhängigkeit: "Die Eigenständigkeit der Syneqt ist gut und strategisch mehr als sinnvoll", hatte der Sprecher der Syneqt-Geschäftsführung, Thomas Basten, auf Reuters-Anfrage gesagt: "Ohne Konzern-Korsett sind wir agiler und leistungsfähiger." Zugleich prüft Evonik auch eine Übernahme in den USA, um seine Abhängigkeit von Europa weiter zu verringern: Insidern zufolge hat Evonik dabei den US-Konkurrenten AshlandASH.N ins Auge gefasst. Evonik sei einer von mehreren Interessenten für das Unternehmen. Evonik wolle das Unternehmen aber nicht auf Biegen und Brechen übernehmen, sagte ein Insider dazu. Der Konzern werde "keine Mondpreise zahlen". Auch Finanzinvestoren haben Ashland Insidern zufolge ins Visier genommen.
Für eine Evonik-Übernahme muss Kamieth auch die Essener RAG-Stiftung auf seine Seite ziehen. Sie hält rund 43 Prozent der Evonik-Anteile. Auch sie hatte bestätigt, von BASF angesprochen worden zu sein. Das Kuratorium der Stiftung wird von Politikern und Gewerkschaftern geprägt. NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst, die saarländische Regierungschefin Anke Rehlinger, Bundesfinanzminister Lars Klingbeil, Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche und IG-BCE-Chef Michael Vassiliadis gehören dem Gremium an. "Die Arbeitsplätze und die eigenständige Entwicklung des Unternehmens dürfen nicht in Frage gestellt werden", hatte die NRW-Landesregierung erklärt.