Der PLATOW Brief - Wero ballert Geld raus – und schreitet in Frankreich voran
Die European Payment Initiative schenkt jedem Neu-Nutzer bis zu 15 Euro. Gleichzeitig gewinnt das Projekt einen Schlüsselpartner in Frankreich für den Schritt an die Ladenkasse.>
Die Aktion ist so legendär, dass sie heute in vielen Marketingblogs zu finden ist: Kurz nach der Gründung von Paypal hat der Dienst demnach jedem neuen Nutzer 20 US‑Dollar geschenkt – und für eine Empfehlung an eine andere Person weitere 20 Dollar springen lassen. Innerhalb kürzester Zeit war das dafür eingeplante Marketing-Budget wohl erschöpft, sodass das damalige Start-up die Auszahlung später drosseln musste. Der Effekt aber war phänomenal: So schaffte es Paypal offenbar rasch, dass sich hunderttausende neue Kunden dem Dienst zuwandten.
So ähnlich will das nun auch Wero, die europäische Paypal-Alternative, wiederholen. Diese lobt seit Dienstag (15. September) auf ihrer Webseite ein Cashback von bis zu 15 Euro aus. Allerdings gibt es das Geld nicht für die Anmeldung wie damals bei Paypal, sondern dafür, dass die Menschen tatsächlich auch mit Wero bezahlen oder ihren Freunden zumindest ein paar Cent schicken.
Träges Nutzerverhalten Ziel der European Payments Initiative (EPI) ist es also nicht, dass sich noch mehr Leute nur anmelden, sondern dass diese die Payment-Lösung auch wirklich nutzen. Immerhin konnte Wero bisher fast 60 Mio. Nutzer in Europa und allein neun Mio. in Deutschland gewinnen. Doch die Nutzung dürfte zumindest im Vergleich zu etablierten Payment-Anbietern wie Paypal, Mastercard und Visa noch gering ausfallen. Das jedenfalls legt eine Studie von Verivox zwei Jahre nach dem Marktstart nahe.
Gerade 39% der Befragten konnten Wero als Zahlungsdienstleister zuordnen. Und rund zwei Drittel der Wero-Kenner haben den Dienst noch nie ausprobiert. Das sind unerfreuliche Zahlen, gegen die Wero etwas unternehmen muss. Ändern soll das deshalb die Cashback-Aktion.
Mit Hipay an die Ladenkasse Daneben setzt Wero auf einen neuen Schlüsselpartner in Frankreich. Mit Hipay hat Wero in Frankreich einen wichtigen neuen Payment Service-Provider gewonnen. Das 2015 ausgegliederte Unternehmen mit Sitz im Großraum Paris ist zwar kein Marktführer im französischen Acquiring wie es etwa Worldline oder BNP Paribas sind, sagt Nikola Jelicic, Expert Partner beim Beratungshaus zeb. „Aber Hipay verfügt über eine starke Position im E-Commerce und bei internationalen Händlern.” Gerade die grenzüberschreitenden Beziehungen dürften also auch bei einem europaweiten Roll-out von Wero ein wichtiger Punkt sein. Hipay soll zudem helfen, Wero an die Ladenkassen in Frankreich zu bringen, dort etwa an klassische Kartenterminals und als „Tap-to-pay”. So will Hipay auch einer der ersten Anbieter sein, die die europäische Alternative in den Offline-Handel bringen.
Bereits jetzt testet Wero in einer Pilotphase die Zahlungen an der Ladenkasse in Frankreich. Eine breitere Akzeptanz will das Team um Chefin Martina Weimert dann 2027 erreichen. In diesem Jahr soll dann auch das Bezahlen mit Wero an der Ladenkasse in Deutschland möglich werden. Beides ist für den langfristigen Erfolg entscheidend, auch weil Paypal immer weiter in diesen Bereich vorstößt und dort in kurzer Zeit fast acht Mio. Nutzer in Deutschland für sich gewinnen konnte.
Frisches Geld aus Österreich Daneben ist der Beitritt als Principal Member von Hipay aber auch ein wichtiges Marktsignal: „Strategisch zeigt die Kooperation vor allem, dass Wero zunehmend von relevanten Zahlungsdienstleistern unterstützt wird”, sagt zeb-Experte Jelicic. Auch bei den Banken genießt die European Payments Initiative offenbar ein immer größeres Vertrauen. Wie aus dem belgischen Handelsregister hervorgeht, hat die EPI Company Anfang Juli eine Kapitalerhöhung um 85 Mio. Euro auf insgesamt 754 Mio. Euro durchgeführt, wie „Finanz-Szene“ aufgefallen ist. Die Erhöhung sei mit dem Beitritt neuer Gesellschafter einhergegangen, erklärt uns EPI auf Nachfrage. Dabei handele es sich um die Erste Bank Österreich sowie um die Raiffeisen Bank International gemeinsam mit drei Landesbanken.