Der PLATOW Brief - Wallet-Vernetzung – Wird Mastercard zur Gefahr für Wero?
Mastercard will seine Rolle als essenzieller Infrastrukturdienstleister im internationalen Zahlungsverkehr in die Zukunft retten und vernetzt Wallet-Anbieter miteinander. Eine Gefahr für Wero?>
Die Suche nach Erlösmodellen im Zahlungsverkehr erinnert manchmal an den Turmbau zu Babel. Oft scheinen Firmen vor allem zu versuchen, noch einen draufzusetzen und sich noch eine Ebene weiter oben zu platzieren. Damit wollen sie die Kontrolle über Zahlungsströme behalten und ihre eigene Schlüsselrolle sichern. Das jedenfalls beobachten wir aktuell beim Zahlungsdienstleister-Riesen Mastercard.
Das Kerngeschäft von Mastercard, die Kreditkarten, verschwinden zunehmend in Wallets, dem Payment-Mittel der Zukunft. Welche Karte in der Wallet hinterlegt ist, ist für Verbraucher zunehmend zweitrangig – Hauptsache, es funktioniert. Mastercard stünde also schlecht da, wenn es auch ohne seine Karten geht. Allerdings haben Wallets einen Nachteil: Nicht immer sind sie miteinander kompatibel, ermöglichen also nicht zwingend Transaktionen von Wallet zu Wallet. Zudem wird nicht jede Wallet an jedem Zahlungsterminal akzeptiert. Gerade bei Auslandsreisen stoßen Kunden an Grenzen.
Weltweite Zahlungen Genau an dieser Stelle hat Mastercard mit der neuen Plattform Wallet Pay anscheinend einen Weg gefunden, sich wieder die Oberhand zu sichern: Zukünftig will das Unternehmen auf diese Weise verschiedene Wallets miteinander vernetzen. Vereinfacht gesagt soll es zukünftig egal sein, welche Wallet ein Nutzer hat. Über die Mastercard-Infrastruktur kann er künftig auch Wallets anderer Anbieter ansteuern. So verspricht der Konzern Zahlungen an „hunderten Millionen“ Orten und in digitalen Shops weltweit. Die weitreichende Verbreitung von Wallets sei nur der erste Schritt, meint Joyce Bo. Sie betreut bei Mastercard das Payment-Thema im Asien-Pazifik-Raum: „Das nächste Kapitel ist Interoperabilität in großem Maßstab.“
Vom Start weg hat sich Mastercard hierfür einige gewichtige Partner dazugeholt. Dazu zählen Alipay, das Bezahlsystem der chinesischen Alibaba Group, der lateinamerikanische Anbieter Mercado Pago und Tencents Bezahlsystem Tenpay Global.
Interoperabilität ist entscheidend Die Idee, dass Interoperabilität in Zukunft wichtig wird, hat Mastercard dabei nicht exklusiv. Auch die European Payments Initiative (EPI) hat sich nach anfänglichem Widerstand dafür entschieden, das eigene Angebot Wero austauschfähig zu diversen europäischen Anbietern zu machen. Denn klar ist: In vielen Ländern sind die lokalen Wallet- und Payment-Infrastrukturen tief verwurzelt. Wer vor Ort bezahlen will, muss sich mit diesen auf irgendeine Art und Weise verknüpfen.
Spannend ist nun die Frage, ob Mastercard sein Wallet Pay-Angebot auch nach Europa bringt und damit Wero quasi das Wasser abgräbt. Auf PLATOW-Anfrage signalisiert der US-Konzern daran allerdings kein großes Interesse. Wallet Pay sei zwar durchaus als globales Angebot konzipiert und stehe auch europäischen Partnern offen. „Die stärkste Relevanz sehen wir derzeit in Märkten, in denen große Wallet-Ökosysteme stark lokal geprägt sind, in geschlossenen Strukturen funktionieren oder von einer besseren Anbindung an internationale Zahlungsnetzwerke profitieren können“, erklärt uns Mastercard. Das sei vor allem im asiatisch-pazifischen Raum gegeben. Daher stammen die meisten der bisherigen Partner auch aus dieser Region.
Globalen Anbietern den Raum wegnehmen In Europa hingegen sei die Ausgangslage eine andere: „Die Interoperabilität ist bereits hoch, internationale Zahlungsnetzwerke sind etabliert und Händler haben vielfach Zugang zu einer breiten Palette an Zahlungsmethoden“, wird uns gegenüber betont. Konkrete deutsche Partner scheint es nach unseren Informationen bisher nicht zu geben.
Bedeutet das also: Keine Gefahr für Zahlungsdienstleister in Europa! So einfach ist es nicht. Mastercard verfolgt mit der Strategie ein klares Ziel: mittel- bis langfristig zentraler Akteur der internationalen Zahlungsinfrastruktur zu bleiben. Gerade angesichts der europäischen Souveränitätsdebatte sollten EPI und nationale Anbieter das als Weckruf verstehen. Denn je stärker europäische und nationale Anbieter ihre eigenen Wallets und Zahlungssysteme miteinander verknüpfen, desto weniger Raum bleibt für eine globale Infrastruktur. Mastercard hat mit Wallet Pay gerade gezeigt, dass der Konzern diese Rolle durchaus für sich beansprucht.