Der PLATOW Brief - Deutsche Bank & Zurich zögerlich, Comerzbank & Allianz stumm
Deutsche Bank und Zurich zieren sich mit Details zum Altersvorsorgedepot. Commerzbank und Allianz halten sich bedeckt. Diese Verschwiegenheit hat handfeste Gründe.>
Drei Monate vor dem Start des Altersvorsorgedepots zeigen die großen Bank-Versicherer-Bündnisse ihr Blatt nur zögerlich. Während Deutsche Bank und Zurich nur häppchenweise Informationen liefern, herrscht bei der Kombination Commerzbank und Allianz nahezu Funkstille. Einer der Gründe: Am gedeckelten Standarddepot ist wenig zu verdienen, und das müssen sich Bank und Fondshaus auch noch teilen. Verdient wird mit Versicherungen und aktiven Fonds. Wer hierzu schon heute Kosten und/oder Provisionen nennt, ließe sich zu sehr in die Karten schauen.
Beratung trennt die Spreu vom Weizen Die Deutsche Bank nennt immerhin Preise. Das Standarddepot ihrer Fondstochter DWS kostet ab 1. Januar in den ersten zwei Jahren 0,10% im Jahr, danach 0,28%. Die DWS bietet es auch eigenständig an, allerdings mit anderen ETFs. Ein zweites Beratungsdepot für 0,99% soll „zu einem späteren Zeitpunkt folgen“, sagt uns ein Unternehmenssprecher.
Die Deutsche Bank trennt ihre Produkte nach Beratung. Das Standarddepot gibt es nur digital und ohne Beratung. Die Versicherungen von Zurich gibt es nur über den Berater, „da wir bei Versicherungslösungen überzeugt sind, dass sie das Ergebnis einer Beratung sein müssen“, wird uns erklärt. Was die Bank daran verdient, wird nicht verraten. Zurich plant ein Depot ohne Garantie und eine Variante mit 80% Garantie. Das Standarddepot soll ein „Kooperationspartner“ liefern, den Zurich nicht nennt.
Bei Commerzbank und Allianz fehlen selbst Preise. Die Commerzbank setzt auf zwei aktiv gemanagte Mischfonds von Allianz Global Investors mit durchschnittlich 15% oder 70% Aktienanteil. Die Direktbank Comdirect bietet ein Standarddepot mit zwei ETFs und eine flexible Variante. Die Kosten seien „noch nicht final entschieden“, sagt eine Sprecherin der Commerzbank. Ob Allianz-Versicherungen dazugehören, sagt sie nicht.
Die Allianz hält sich zu ihren Plänen bedeckt: „Dazu kommunizieren wir nach wie vor noch nicht“, so ein Sprecher. Selbst zu einer Zusammenarbeit mit der Commerzbank äußerte er sich nicht. Bestätigt ist nur, dass das Standarddepot der Allianz zwei ETFs von Allianz Global Investors enthalten soll. Die Fondstochter beliefert damit beide: die Allianz mit passiven ETFs, die Commerzbank mit aktiven Fonds.
Keiner spricht gerne übers Teilen Die Zurückhaltung hat Gründe. Bank, Versicherer und Fondstochter teilen sich den Kunden, aber nicht die Interessen. Zurich plant ein eigenes Depot ohne Garantie, die Deutsche Bank verkauft daneben das der DWS. Die Allianz baut ein Standarddepot, Comdirect ebenso. Und Allianz Global Investors sitzt auf beiden Seiten. Wer konkurrierende Angebote im selben Kanal vertreibt, legt ungern offen, wer wie viel bekommt.
Dazu kommt das Geld. Der Kostendeckel von 1% gilt nur für das Standarddepot. Bei 0,10% bleibt dort kaum Marge für Provisionen. So kocht jeder sein eigenes Süppchen, was vor allem für die Comdirect ein Nachteil ist. Von der Vertriebsmaschine der Allianz, man halte sich nur deren hohen LV-Marktanteil (27,7% in 2025) vor Augen, hätte sie sicher enorm profitiert.
Verdient wird jenseits des Standarddepots, in der Beratung, bei Versicherungen und aktiven Fonds, für die kein Deckel gilt. Doch auch dort engt die Bafin den Spielraum ein. Versicherer müssen Abschluss- und Vertriebskosten künftig über die gesamte Ansparphase verteilen, das drückt auf die üblichen Einmalprovisionen. „Eine rein provisionsgetriebene Vertriebssteuerung ist aufsichtsrechtlich unzulässig“, mahnte Exekutivdirektorin Julia Wiens kürzlich.
Die Bank-Versicherer-Bündnisse sind beim Altersvorsorgedepot im Nachteil. Bei Sparkassen und Genossen gehören Bank, Fondshaus und Versicherer zum selben Verbund. Bei Deutscher Bank und Commerzbank fließt je nach Ausgestaltung ein Teil davon an Zurich und Allianz ab. Wer teilen muss, rechnet länger. Das Schweigen dürfte deshalb bis kurz vor dem Start anhalten.