China-Debakel trifft Luxushersteller Porsche und Mercedes hart

Von Reuters News

- von Ilona Wissenbach

- Die Krise in China hat die Stuttgarter Luxusautobauer PorscheP911_p.DE und Mercedes-BenzMBGn.DE fest im Griff. Die angeschlagene Sportwagenschmiede Porsche erwartet erst 2028 eine spürbare Erholung von ihrer Absatzkrise. Vor allem aufgrund des Einbruchs in China sei in diesem Jahr mit rund 16 Prozent weniger Absatz oder rund 235.000 Verkäufen zu rechnen, erklärte Finanzchef Jochen Breckner am Dienstag. Die Talfahrt gehe 2027 wegen der angespannten Lage in China und Lücken im Modellangebot weiter, vor allem durch den Wegfall des SUV Macan mit Verbrennungsmotor. Absatz und Betriebsergebnis sollen sinken. "Es wird ein Übergangsjahr, es wird der Tiefpunkt", gab Breckner einen ersten Ausblick auf 2027.

"Ab 2028 erwarten wir eine deutliche Erholung auf dem Weg zu den Perspektiven für 2030/31." Dann will die VolkswagenVOWG.DE-Tochter, mit 15 Prozent Marge lange Zeit der profitabelste deutsche Autobauer, wieder das untere Ende einer Zielspanne von zehn bis 15 Prozent Rendite erreichen.

Ein Absatzeinbruch in China und hohe Kosten drücken auch bei Mercedes-Benz den Gewinn. Einen Tag vor Bekanntgabe der Quartalszahlen senkte der Dax-Konzern per Börsen-Pflichtmitteilung die Gewinnprognose. "Neben dem zunehmend herausfordernden Marktumfeld in China erwartet die Mercedes-Benz Group höhere Kosten im vierten Quartal, inklusive höherer Materialkosten", teilte Mercedes mit. Der Absatzrückgang auf dem einst wichtigsten Markt China hatte sich im dritten Quartal mit minus 31 Prozent ungebremst fortgesetzt. Mercedes und Porsche fahren in China die Strategie, lieber Marktanteile aufzugeben, als mit Preissenkungen Markenimage und Restwert der Autos zu zerstören. "Value-over-volume" lautet das Motto in Stuttgart.

Statt deutlich höher auszufallen, soll das Betriebsergebnis bei Mercedes-Benz 2026 jetzt auf dem Vorjahresniveau von 5,8 Milliarden Euro liegen. Grund ist die weiter schrumpfende Profitabilität in der Kernsparte Mercedes-Benz Cars. Die Marke mit dem Stern traut sich nur noch zwei bis drei Prozent Marge zu statt drei bis fünf Prozent - ein tiefer Fall im Vergleich zum Spitzenwert von 14,6 Prozent 2022. Nach vorläufigen Zahlen verdiente der Autobauer im dritten Quartal operativ mit 1,77 Milliarden Euro mehr als am Markt erwartet. Der Aktienkurs sank wegen der Prognosesenkung dennoch. Im Vorjahreszeitraum hatten Ausgaben für den Personalabbau das Betriebsergebnis um 70 Prozent auf 750 Millionen Euro gedrückt. Mercedes will die Krise wie die anderen Autobauer auch mit weiterem Stellenabbau und Zugeständnissen der Arbeitnehmer bekämpfen, um Kosten zu senken.

An der Börse kam die Gewinnwarnung nicht gut an. Mit einem Minus von knapp vier Prozent waren die Mercedes-Aktien die größten Verlierer im Dax. Die Porsche-Titel legten dagegen 3,7 Prozent zu.

UMSTEUERN NOTWENDIG

Die beiden Stuttgarter Autobauer leiden besonders stark unter einem Einbruch der Luxusnachfrage in China und gestiegenen US-Importzöllen. Bei Porsche kommt der zögerliche Umstieg der Sportwagenfans auf Elektroautos hinzu, was zu einem teuren Strategieschwenk nach viel zu optimistischen E-Autozielen führte. Porsche-Chef Michael Leiters will das Unternehmen gesundschrumpfen. "Wir setzen unsere strategische Neuausrichtung konsequent und mit hoher Geschwindigkeit um", erklärte er. Der Fokus liege auf dem Kerngeschäft, wettbewerbsfähigen Kosten und nachhaltig steigender Ertragskraft.

Porsche hat sich von dem Einbruch im vergangenen Jahr bis Ende September etwas erholt. Von Januar bis September sank der Umsatz um knapp sechs Prozent auf 25,28 Milliarden Euro. Das Betriebsergebnis belief sich auf 1,74 Milliarden Euro nach gerade mal 40 Millionen Euro vor Jahresfrist. Damals hatte Porsche hohe Abschreibungen und Kosten für Personalabbau verbucht. Der Umsatz sank damit nicht so stark wie der Absatz (minus 16 Prozent), da mehr margenstarke Modelle verkauft worden seien. Die operative Rendite liegt nach neun Monaten mit 6,9 Prozent in dem für 2026 angepeilten Korridor von 5,5 bis 7,5 Prozent. Vor Jahresfrist schaffte Porsche mit 0,2 Prozent gerade noch schwarze Zahlen, da 2,7 Milliarden Euro Kosten für den Umbau des Geschäfts anfielen. Im bisherigen Jahresverlauf kostete das 500 Millionen Euro.

Vor der China-Krise waren 15 Prozent Gewinnmarge für Porsche normal. Mit dem Absatz konnte das Unternehmen auch mit Blick auf die Belegschaft kräftig wachsen. Im Rekordjahr 2023 schafften die Schwaben noch rund 320.000 Auslieferungen. Jetzt stellt sich Porsche auf ein viel niedrigeres Volumen ein: Die Gewinnschwelle soll durch Einsparungen, mehr Luxusmodelle und höhere Preise mit weniger als 200.000 Verkäufen pro Jahr erreicht werden, wie Leiters Anfang Oktober auf einem Kapitalmarkttag erklärte. Die Belegschaft von rund 42.000 soll mittelfristig um 25 Prozent schrumpfen. Beim beschlossenen Abbau von 9000 Stellen bleibe es, betonte Breckner.