Chef sieht keine Anzeichen für eine Zwangsenteignung in Russland

Von Reuters News

- Der Chef der österreichischen Raiffeisen Bank International (RBI)RBIV.VI, Michael Höllerer, sieht derzeit keine Anzeichen für eine drohende Zwangsenteignung des Russland-Geschäfts. Die RBI wolle das Land aber so schnell wie möglich verlassen. "Wenn ich morgen eine Opportunität hätte, aus Russland auszusteigen, würde ich es morgen machen", sagte Höllerer am Montag im dem Klub der Wirtschaftspublizisten in Wien. Die Bank prüfe seit Beginn des Krieges in der Ukraine einen Ausstieg. Ein solcher Schritt ist jedoch komplex und erfordert zahlreiche Genehmigungen, insbesondere von den russischen Behörden.

Zwar sehe er die generelle Gefahr einer Zwangsverwaltung oder sogar einer Zwangsenteignung für westliche Firmen in Russland, sagte Höllerer. "Ich habe aber hier von russischen Behörden direkt noch nie eine Aussage erhalten." Man halte sich an alle regulatorischen Vorgaben und versuche, "geordnet das Feld zu räumen". Russland hatte zuletzt die russischen Geschäfte des Handelskonzerns MetroB4B0n.H, des Schweizer Nahrungsmittelkonzerns NestleNESN.S und des französischen Einzelhändlers Auchan unter staatliche Verwaltung gestellt - ein Schritt, der einer Enteignung vorausgehen kann.


NEUE STRATEGIE IM FRÜHJAHR 2027

Priorität habe für die RBI zunächst die Lösung der Rechtsstreitigkeit mit der russischen Firma Rasperia, erklärte Höllerer. Erst danach ergäben sich "andere Opportunitäten, auch zeitlicher Natur". Die Bank will mit einem kürzlich in Wien erwirkten Gerichtsurteil einen milliardenschweren Schaden kompensieren, der durch die Einziehung von Geldern durch ein russisches Gericht entstanden war. Dazu will die RBI auf in Österreich liegende und derzeit sanktionsbedingt eingefrorene Vermögenswerte von Rasperia zugreifen. Dabei handelt es sich um ein großes Aktienpaket am Baukonzern StrabagSTRV.VI. Höllerer rechnet für das gesamte Verfahren mit einer Dauer von sechs bis zwölf Monaten, wobei das jüngst ergangene Urteil den Zeitplan eher in Richtung sechs Monate verschoben habe. Sobald die Finanzmarktaufsicht als zuständige Sanktionsbehörde die Freigabe erteilt, soll eine Investmentbank mit der Verwertung der 28,5 Millionen Aktien beauftragt werden. Währenddessen treibt die Bank den Abbau ihres Russland-Geschäfts voran.

Für das Frühjahr 2027 kündigte Höllerer einen Kapitalmarkttag an, auf dem eine neue Strategie vorgestellt werden soll. Schwerpunkte seien eine höhere Profitabilität, die Anwendung künstlicher Intelligenz sowie organisches Wachstum. Bei der Eigenkapitalrendite (Return on Equity) werde man "sicherlich zulegen müssen". Einer aktiven Suche nach neuen Märkten oder großen Übernahmen erteilte Höllerer eine Absage. Anorganisches Wachstum sei "sicher kein Selbstzweck". Akquisitionen gebe es nur, wenn sie strategisch ins Konzept passten, wie etwa die jüngsten Zukäufe von Teilen der Garanti BBVA in Rumänien oder der Addiko BankADKO.VI auf dem Westbalkan.