BioNTech schließt drei deutsche Werke endgültig - Käufersuche gescheitert

Von Reuters News

- Die deutschen Produktionsstandorte des Mainzer Impfstoffherstellers BioNTech in Marburg, Idar-Oberstein und Tübingen stehen endgültig vor dem Aus. Nachdem die Suche nach Käufern für die Werke gescheitert ist, werden sie nun schrittweise bis Ende 2028 dichtgemacht, wie das Biotech-Unternehmen am Montag auf Nachfrage erklärte und damit einen Bericht der Agentur dpa bestätigte. Der Standort des übernommenen Rivalen CureVac in Tübingen soll Ende 2027 schließen, Marburg Anfang 2028 und Idar-Oberstein Ende 2028. "Trotz intensiver Bemühungen aller Beteiligten und eines breit angelegten Verkaufsprozesses ist es leider nicht gelungen, einen Kauf zu realisieren", erklärte BioNTech.

Mit dem Konzernbetriebsrat seien sozialverträgliche Lösungen und ergänzende Abfindungen vereinbart worden. Als Grund für den gescheiterten Verkauf nannte das Unternehmen das aktuell schwierige Markt- und Investitionsumfeld in Europa. Zuvor waren BioNTech zufolge weltweit Firmen und Investoren aus Bereichen wie der mRNA- und Antikörper-Herstellung oder der Zell- und Gentherapie angesprochen worden. Es habe für alle Standorte Prüfungen und vertrauliche Gespräche gegeben. Lediglich für den Peptidhersteller JPT in Berlin fand sich Ende August mit einem von der DUBAG Group beratenen Fonds ein Käufer, der die gesamte Belegschaft übernimmt.

BioNTech hatte im Mai angekündigt, die eigene Produktion von Covid-Impfstoffen in Deutschland aufzugeben und diese vollständig an den US-Partner PfizerPFE.N zu übertragen. Durch den Umbau fallen bis zu 1860 Stellen weg, darunter allein rund 820 bei CureVac. Um den Stellenabbau möglichst abzufedern, hatte das Unternehmen damals erklärt, Verkaufsoptionen für die betroffenen Werke zu prüfen. Mit dem Umbau wollen die Mainzer ab 2029 jährlich rund 500 Millionen Euro einsparen. Das Geld soll in die Entwicklung neuer Krebsmedikamente fließen.

Nach dem Ende der Pandemie kämpft BioNTech mit einem massiven Einbruch der Nachfrage nach Corona-Impfstoffen und ist zuletzt noch tiefer in die roten Zahlen gerutscht. Den weiteren Weg muss BioNTech ohne seine prominenten Gründer gehen. Die Ankündigung von Ugur Sahin und Özlem Türeci im März, sich bis Ende 2026 aus dem Vorstand zurückzuziehen und ein neues Unternehmen zu gründen, hatte an der Börse für ein Beben gesorgt und den Aktienkurs einbrechen lassen. Dass die beiden Köpfe hinter dem Corona-Impfstoff das Unternehmen verlassen, bevor das erste eigene Krebsmedikament die Marktreife erreicht hat, stieß bei Investoren auf große Unruhe. Spätestens Anfang Februar 2027 soll nun der Manager Guido Oelkers, bisher Vorstandschef beim schwedischen Biopharma-Konzern Sobi, das Ruder übernehmen.