Aufstockungspläne stützen Erste-Group-Aktie und belasten Polen-Tochter

Von Reuters News

- Die geplante Aufstockung des Anteils der Erste GroupERST.VI an ihrer polnischen Tochter hat am Montag für gegenläufige Kursbewegungen gesorgt. Die Aktien der Erste Bank PolskaEBP.WA gaben zum Handelsstart in Warschau zunächst um 8,6 Prozent nach. Sie grenzten ihre Verluste im weiteren Verlauf jedoch ein und notierten zuletzt mit einem Minus von rund 0,8 Prozent bei 801,40 Zloty. Damit lagen sie jedoch weiter deutlich über dem angekündigten Übernahmepreis von rund 713 Zloty je Aktie. Dagegen legten die Titel der Erste Group in Wien um 1,5 Prozent zu. Die österreichische Bank hatte am Freitagabend ein freiwilliges Übernahmeangebot angekündigt, das Anfang November starten soll. Ziel ist es, die Beteiligung in Polen von 49 auf bis zu 75 Prozent zu erhöhen.

Die Erste Group bietet rund 713 Zloty je Aktie, was einem Aufschlag von rund 22 Prozent auf den damaligen Kaufpreis vom Mai 2025 entspricht. Das Angebot ist an mehrere Bedingungen geknüpft: Entscheidend ist das Erreichen der 50-Prozent-Schwelle, um künftig ohne Pflichtangebot flexibel am Markt zukaufen zu können. Zudem darf die Beteiligung 75 Prozent nicht übersteigen, um einen Streubesitz von 25 Prozent zu gewährleisten. Andernfalls will die Erste Group das Angebot zurückziehen. Die Kosten für die maximale Aufstockung von rund 18,9 Milliarden Zloty (etwa 4,5 Milliarden Euro) will die Bank aus Eigenmitteln bestreiten. Die harte Kernkapitalquote (CET1) solle nach der Transaktion über 14,25 Prozent liegen, teilte die Bank mit.

Die Erste Group hatte den Einstieg in Polen im Mai 2025 angekündigt und im Januar 2026 abgeschlossen. Damals erwarb sie von der spanischen Großbank SantanderSAN.MC für sieben Milliarden Euro ein Beteiligungspaket. Dieses umfasste 49 Prozent der Anteile an der Bank zu einem Preis von 584 Zloty je Aktie sowie die Hälfte an deren Fondsgesellschaft. Die nun als Erste Bank Polska firmierende Bank ist die drittgrößte des Landes mit über acht Prozent Marktanteil und brachte der Gruppe rund sechs Millionen neue Kunden.

Die Erste Group will mit dem Schritt ihre Position im profitablen polnischen Markt stärken. Eine höhere Beteiligung soll den Beitrag zum Konzernergebnis und ab 2027 den Gewinn je Aktie steigern, hieß es in der Mitteilung vom Freitag. Konzernchef Peter Bosek hatte eine mögliche Aufstockung bereits im Juli als "pure Logik" bezeichnet.