ASML mit Rekordumsatz und vollen Auftragsbüchern

Von Reuters News

- Eine unverändert robuste Nachfrage verhilft ASMLASML.AS zu einem erneuten Umsatz- und Gewinnsprung. Daraufhin legte der weltgrößte Anbieter von Halbleiter-Produktionsanlagen am Mittwoch einen überraschend optimistischen Ausblick für das laufende Quartal vor. "Wir haben einen Rekordumsatz am oberen Ende unserer Zielspanne erwirtschaftet", sagte Konzernchef Christophe Fouquet. Ein Ende des aktuellen Wachstums sei nicht in Sicht. Die Auftragsbücher für 2028 seien bereits gut gefüllt. Einige Kunden wollten bereits Bestellungen für 2029 und 2030 aufgeben.

Das wertvollste börsennotierte Unternehmen Europas steigerte den Umsatz im dritten Quartal um mehr als die Hälfte auf 11,66 Milliarden Euro. Der Reingewinn verdoppelte sich nahezu auf 4,96 Milliarden Euro und lag deutlich über den Markterwartungen. Vor allem das Geschäft mit der Modernisierung bereits installierter Anlagen habe sich überraschend stark entwickelt, erläuterte Fouquet. Auf Grundlage dieser Zahlen kündigte der niederländische Konzern eine Zwischendividende von 1,88 Euro je Aktie an.

Für das laufende Quartal stellte ASML Erlöse zwischen 14,2 und 15,2 Milliarden Euro sowie eine Bruttomarge von 57 Prozent in Aussicht. Analysten hatten mit 14,19 Milliarden Euro beziehungsweise 55,4 Prozent gerechnet. Das Unternehmen präzisierte darüber hinaus sein Wachstumsziel für 2026. Es erwartet nun einen Umsatz zwischen 44 und 45 Milliarden Euro. Bislang hatte es eine Spanne von 43 bis 45 Milliarden Euro prognostiziert. ASML-Finanzchef Roger Dassen kündigte zudem für 2027 Preiserhöhungen an, die sich ab 2028 vollständig in der Bilanz niederschlagen würden.

"Es gab Befürchtungen, dass der KI-Boom an Schwung verlieren könnte", sagte Gordon Kerr, Anlagestratege der Ratingagentur KBRA. Die Zahlen von ASML untermauerten jedoch die Einschätzung, dass die Chip-Nachfrage ungebrochen sei und der Bauboom bei Rechenzentren bis weit ins Jahr 2027 anhalten werde. ASML-Aktien stiegen an der Amsterdamer Börse um bis zu 3,6 Prozent. In ihrem Windschatten legte der europäische Technologie-Index.SX8P zeitweise 1,6 Prozent zu.

UNANGEFOCHTENER WELTMARKTFÜHRER

ASML beherrscht Schätzungen zufolge 94 Prozent des Weltmarktes für Lithographie-Anlagen. Der Konzern setzt dabei als einziger auf extrem ultraviolettes Licht (EUV). Mithilfe dieser Technologie können die Maschinen - jede so groß wie ein Doppeldeckerbus und etwa 400 Millionen Dollar teuer - besonders feine Schaltkreise auf Silizium-Wafer brennen. Dadurch werden Halbleiter kleiner und leistungsfähiger. Zu den wichtigsten Kunden von ASML zählen der Auftragsfertiger TSMC2330.TW sowie die Chipkonzerne IntelINTC.O und Samsung005930.KS.

Angesichts der rasant wachsenden Nachfrage nach modernen Hochleistungsprozessoren dürften EUV-Anlagen für 2027 bereits komplett ausverkauft sein, schrieb Analyst Sandeep Deshpande von der Bank JPMorgan. Daher will ASML seine Produktionskapazitäten in den kommenden beiden Jahren um jeweils 30 Prozent erweitern. Dies gelte sowohl für die modernen EUV-Maschinen als auch für die Vorgänger-Generation, die mit tief ultraviolettem Licht (DUV) arbeitet. Fouquet betonte jedoch, dass die bisherigen Ausbauziele nicht ausreichend seien.

Der Konzern dürfe dabei jedoch die Nachfrageentwicklung nicht aus den Augen verlieren, warnte Nick Rossolillo, Gründer des Finanzdienstleisters und ASML-Aktionärs Chip Stock Investor. Ein gebremster Ausbau biete ein Polster für das unvermeidliche Abflauen der Branchenkonjunktur. Im vergangenen Monat hatte ASML den Grundstein für ein neues Werk in Eindhoven gelegt, dessen erste Ausbaustufe 2029 fertiggestellt werden soll.

CHINA-GESCHÄFT BLEIBT SORGENKIND

Ein Wermutstropfen waren die unverändert unklaren Aussichten für das China-Geschäft. ASML macht bislang etwa 20 Prozent seines Umsatzes in der Volksrepublik, obwohl das Unternehmen auf Druck der USA seine EUV-Geräte nicht dorthin liefern darf. Die Regierung in Washington will damit den technologischen und militärischen Aufstieg Chinas bremsen.

https://www.reuters.com/graphics/ASML-RESULTS/mypmwadmlpr/chart.png

Einem US-Gesetzentwurf zufolge soll künftig auch der Verkauf von DUV-Anlagen sowie die Wartung bereits verkaufter Maschinen verboten werden. ASML-Manager Dassen kritisierte diese Pläne als kontraproduktiv. China werde in diesem Fall die heimische Entwicklung von Lithographie-Systemen forcieren. Er sei jedoch optimistisch, dass in den USA "der gesunde Menschenverstand siegen" werde.