Anleger stellen sich bei US-Zwischenwahlen auf Kursschwankungen ein
New York, 03. Nov (Reuters) - Anleger haben sich bei den US-Zwischenwahlen am Dienstag auf ein potenziell starkes Abschneiden der Demokraten eingestellt. Ein solcher Wahlausgang könnte zu größeren Kursschwankungen führen, insbesondere bei Aktien rund um Künstliche Intelligenz (KI), die ein Haupttreiber für die Börsen waren. Optionshändler stellten sich angesichts der zuletzt gestiegenen Schwankungen am Aktienmarkt Daten von ORATS zufolge für Mittwoch auf einen Ausschlag des S&P 500 von einem Prozent in beide Richtungen ein. Das ist mehr als die 0,6 Prozent, mit denen der Optionsmarkt im vergangenen Monat im Schnitt pro Handelstag gerechnet hatte.
Vieles spreche zwar zunehmend für einen Durchmarsch der Demokraten in beiden Kongresskammern, schrieb US-Aktienstratege Scott Chronert von der Citigroup in einer Studie vor der Abstimmung. Mehrere eng umkämpfte Wahlen zum Senat ließen jedoch die Möglichkeit offen, dass die Republikaner die Kontrolle über die Kammer behielten oder die Demokraten dort umgekehrt noch stärker Fuß fassten als erwartet. "Die Reaktion des Aktienmarktes dürfte im ersten Fall positiv und im zweiten Fall negativ ausfallen", erklärte Chronert.
"Meiner Ansicht nach sollte jedes Ergebnis, das den Prognosemärkten oder den Umfragen zu diesem Zeitpunkt entspricht, weitgehend eingepreist sein", sagte Chun Wang, Direktor für Multi-Asset-Strategien beim Vermögensverwalter Leuthold Group. "Ich wäre nicht überrascht, wenn wir daraufhin eine Erleichterungsrally sehen würden, sobald wir Gewissheit über das Ergebnis haben."
Portfoliomanager Joe Tigay von Equity Armor Investments erklärte jedoch, man dürfe nicht davon ausgehen, dass sich die Unsicherheit am Mittwochmorgen in Luft auflöse. Zwar könne die Volatilität nach einem klaren Ergebnis abnehmen, geopolitische Risiken blieben jedoch bestehen.
Historisch gesehen sind die Aussichten positiv: In allen 20 Zwischenwahljahren seit 1946 stand der S&P 500 zwölf Monate nach dem Wahltag höher, wie aus Daten der Deutschen Bank hervorgeht. Der durchschnittliche Zuwachs lag bei 14,4 Prozent.