Siemens Healthineers bringt Diagnostik-Verkauf auf den Weg
Erlangen, 05. Nov (Reuters) - Der Medizintechnik-Konzern Siemens HealthineersSHLG.DE will sich von seiner Diagnostik-Sparte trennen. Die Ausgliederung des Geschäfts mit Laborstraßen sei eingeleitet worden, das für ein Sechstel des Umsatzes und ein Fünftel der Belegschaft steht, teilte die SiemensSIEGn.DE-Tochter am Donnerstag in Erlangen mit. Es soll bis Mitte 2028 ein eigenständiges Unternehmen unter dem Namen Olyrian Diagnostics werden. Vorstandschef Bernd Montag sagte Bloomberg TV, er sei zuversichtlich, dass Healthineers ein "klarer Exit" gelingen werde. "Die Leute klopfen schon an unsere Tür." Er hatte mehrfach deutlich gemacht, dass er die zuletzt renditeschwache Sparte nicht mehr zum Kerngeschäft zählt, weil es keine Synergien zum Geschäft mit CTs, MRTs und Krebstherapie-Geräten gebe.
Die Sparte leidet besonders unter dem Umbau des Gesundheitssystems in China. Im abgelaufenen Geschäftsjahr (per Ende September) war der Umsatz um knapp fünf Prozent auf 4,03 Milliarden Euro gesunken, das bereinigte Ergebnis vor Steuern und Zinsen (Ebit) brach um fast zwei Drittel auf 128 Millionen Euro ein. Das belastet die Margen des gesamten Konzerns. Siemens hatte die Labor-Sparte 2006 und 2007 mit drei milliardenschweren Übernahmen aufgebaut. Beim Börsengang von Siemens Healthineers 2018 galt die neue Produktlinie "Atellica" als Hoffnungsträger, konnte die Erwartungen aber lange nicht erfüllen. Mittelfristig seien wieder Margen von rund 15 Prozent möglich, sagte Finanzvorstand Jochen Schmitz. Die künftige Olyrian ist in dem Geschäft die weltweite Nummer drei hinter RocheROPC.S und Abbott LabsABT.N.
Auch die übrigen Mitarbeiter von Siemens Healthineers müssen sich an einen neuen Namen gewöhnen. Der Namensteil Siemens werde im Zuge des geplanten Teilrückzugs des bisherigen Mutterkonzerns über die nächsten drei Jahre gestrichen. Die Siemens AG hat angekündigt, sich bei Healthineers im kommenden Jahr auf einen Minderheitsanteil zurückzuziehen. Bisher hält sie 67 Prozent der Anteile, rund 30 Prozent sollen den Siemens-Aktionären - wohl im April oder Mai - in die Depots gebucht werden. "Aus den Siemens-Wurzeln heraus ist Siemens Healthineers zu einem global führenden und etablierten Unternehmen herangewachsen", erklärte Siemens-Chef Roland Busch. "Es ist jetzt nur folgerichtig, dass sich diese Entwicklung im öffentlichen Auftreten des Unternehmens widerspiegelt."
Siemens Healthineers folgt damit dem Beispiel der ehemaligen Schwestergesellschaft Siemens EnergyENR1n.DE, die sich in Omterra umbenennen will. Neben der Siemens AG selbst trägt dann nur noch der Hausgerätehersteller Bosch Siemens Hausgeräte (BSH) den Namen des Firmengründers. Er gehört zu 100 Prozent zu BoschROBG.UL, verkauft aber Kühlschränke und Waschmaschinen auch unter der Marke Siemens.
HEALTHINEERS MUSS 300 MIO EURO ZUSATZKOSTEN WETTMACHEN
Die Konsequenz aus der Abspaltung der Diagnostik und der Trennung von Siemens ist ein neues Sparprogramm. Ohne die Sparte und den Ausstieg aus dem Geschäft mit herkömmlichen Ultraschall-Geräten sei die Verwaltung zu groß, hieß es. Schmitz bezifferte die Kostenbelastung auf rund 300 Millionen Euro, die durch das Programm "Transform4 Future" begrenzt werden soll. Ob dabei auch Stellenstreichungen geplant sind, ließ er zunächst offen. Die Maßnahmen sollen zwischen 2028 und 2030 umgesetzt werden. Bei Siemens Healthineers läuft bereits ein 200 Millionen Euro schweres Sparprogramm als Reaktion auf die US-Zölle, die das Unternehmen im Jahr mit rund 400 Millionen Euro belasten.
Im laufenden Geschäftsjahr rechnet Healthineers allenfalls mit einem stagnierenden Gewinn. Der Umsatz werde um vier bis fünf Prozent zulegen. Das bereinigte Ergebnis je Aktie werde zwischen 2,20 und 2,40 (2025/26: 2,42) Euro landen. Das liege an Sondereffekten wie der Inflation in der Lieferkette und den Kosten der Trennung von Siemens, sagte Schmitz. Im Geschäftsjahr 2025/26 stieg der Umsatz um vier Prozent auf 23,63 Milliarden Euro und lag damit am oberen Ende der im Sommer gesenkten Spanne. Das bereinigte Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) fiel leicht auf 3,82 (2025/26: 3,86) Millionen Euro und blieb damit etwas hinter den Erwartungen der Analysten zurück. Die Dividende soll mit 1,00 Euro je Aktie stabil bleiben, die Experten hatten fünf Cent mehr erwartet.
Die Healthineers-Aktie gab im Frühhandel um 2,8 Prozent nach. Sie war zuletzt auf den höchsten Stand seit Mitte Januar gestiegen.