PLATOW Börse - Société Générale peilt solide Ziele an – das macht die Aktie attraktiv
Das französische Kreditinstitut zählt zu den am niedrigsten bewerteten Banktiteln Europas. Die geringe Profitabilität der Vergangenheit rechtfertigte das lange. Doch nun zeichnet sich eine deutliche Verbesserung ab.>
Das Kurs-Buchwert-Verhältnis der Aktie (72,51 Euro; FR0000130809) der französischen Bank Société Générale liegt bei nur 0,7. Zum Vergleich: Bei der Deutschen Bank sind es 0,9, obwohl die Frankfurter keineswegs mit einer deutlich besseren Eigenkapitalrendite aufwarten. Zum Jahresende erwarten Analysten für die SocGén eine Rendite von 9,2%, für die Deutsche Bank 9,5%. Banken mit hoher Eigenkapitalrendite handeln in der Regel zu höheren KBV. Titel wie zum Beispiel Unicredit (1,7) oder HSBC (1,8) notieren deutlich über dem Buchwert. Bei den US-Pendants JPMorgan oder Goldman Sachs ist es sogar das 2,4-Fache des Buchwerts.
Auch der Blick auf die Rendite auf das materielle Eigenkapital (ROTE), bei der Goodwill-Positionen etwa aus Übernahmen herausgerechnet werden, zeigt: Die Franzosen liegen auf Augenhöhe. Im ersten Halbjahr erreichten sie 12,0%, der DAX-Konzern 11,9%. Bis 2029 peilt das Kreditinstitut aus dem CAC 40 einen ROTE von 13 bis 14% an, ab 2030 soll er auf über 15% steigen, wie die Bank am Montag (21.9.) auf ihrem Kapitalmarkttag in London bekanntgab. Die Deutsche Bank hat sich bis 2028 zunächst ein Ziel von mehr als 13% gesetzt.
Beweis für Verbesserung ist erbracht Die Vorgaben wirken ambitioniert, wenn man bedenkt, woher die Bank kommt. Bevor Slawomir Krupa im Mai 2023 CEO wurde, waren beim französischen Geldhaus ROTE-Werte von 5,8% üblich, deutlich unter den Kapitalkosten. Das damals ausgerufene Ziel für 2026 lag bei rund 11%, was Analysten der Bank heute auch zutrauen (Konsens: 11,1%). Der niedrigen Profitabilität standen hohe Kosten, wenig Kapital und eine gewisse Komplexität gegenüber. Seitdem entwirrte die Bank ihr Geschäft, veräußerte 15 Bereiche, etwa Tochtergesellschaften in Afrika und SG Kleinwort Hambros sowie Société Générale Private Banking Suisse. Die Aufwand-Ertrags-Quote (CIR) lag von 2018 bis 2022 im Mittel bei 70,6%, im ersten Halbjahr dieses Jahres waren es 59,7%, womit die eigene Vorgabe erfüllt wurde. Und nicht nur das: Die Bank hat alle beim Kapitalmarkttag vor drei Jahren ausgegebenen Ziele zum Halbjahr erreicht – der Beweis, dass sie liefern kann.
Bis 2029 sollen die Erträge nun um rund 3% pro Jahr wachsen, während die Kosten im gleichen Zeitraum um 2% sinken sollen. Die Zielgröße in drei Jahren sind Kosten von weniger als 16,3 Mrd. Euro, für 2026 rechnet die Bank mit rund 16,6 Mrd. Euro. Netto sind das nur 0,3 Mrd. Euro weniger – allerdings spielen hier Inflation und Investitionen eine erhebliche Rolle, und zwar bei einer CIR von dann unter 55% und Risikokosten von nur 25 bis 30 Basispunkten über den gesamten Konjunkturzyklus.
KI soll kräftig beim Sparen helfen Die Kosten will die SocGén durch Einsparungen in der IT, beim Personal und bei der Beschaffung senken. Besondere Chancen sieht das Unternehmen in der Künstlichen Intelligenz: Bis 2029 rechnet die Bank damit, rund 500 bis 600 Mio. Euro durch KI einzusparen, wovon bereits ein Potenzial von 350 Mio. Euro konkret identifiziert sei. Dazu ist die Bank eine strategische Kooperation mit Anthropic eingegangen. Der Entwickler des KI-Modells Claude soll bei individuellen Lösungen helfen.
Vom Sparkurs und dem Profitabilitätszuwachs sollen auch die Aktionäre profitieren. Die Bank hat die Ausschüttungsquote auf 50% festgelegt, bei einer angestrebten harten Kernkapitalquote (CET1) von mehr als 13%. Überschreitet sie diese Zielquote, sind zusätzlich Aktienrückkäufe geplant. Insgesamt will die SocGén so zwischen 2026 und 2029 mehr als 21 Mrd. Euro an ihre Aktionäre zurückgeben. Größter Anteilseigner sind die eigenen Mitarbeiter: Sie halten 9,1% der Aktien, selbst für französische Verhältnisse ein überdurchschnittlich hoher Wert.
Woher der Gewinn stammt, zeigt der Blick auf die Segmente. Mit knapp der Hälfte trägt Global Banking and Investor Solutions am meisten zum Gewinn bei: Hier sieht sich die Bank als führend bei Aktienderivaten und im Research (CIR-Ziel für 2029: unter 60%). Auf dem französischen Markt zählt die SocGén über 17 Mio. Kunden, ist im Onlinebanking mit der Boursobank Primus und sieht sich im Private Banking als Nummer 2 hinter BNP Paribas (CIR-Ziel: unter 55%). Im Bereich Mobility, International Retail Banking and Financial Services zählt die SocGén mehr als 9 Mio. Kunden. Die eigene Autoleasing-Tochter Ayvens ist nach Unternehmensangaben weltweit die Nummer 1 und gehört ebenso dazu wie Retailbanken in Tschechien und Rumänien (CIR-Ziel: unter 47%).
Trotz dieser Position bleibt die Bewertung günstig: Die SocGén ist mit dem rund 8-Fachen des für die nächsten zwölf Monate geschätzten Gewinns bewertet, genau wie BNP Paribas. Die Deutsche Bank kommt auf ein Forward-KGV von 8,7, die ING auf 11,2 und die UBS auf 11,9. Der Durchschnitt aller Werte im Branchenindex Stoxx 600 Europe Banks liegt bei 10,8.
Der hohe Abschlag gegenüber dem Sektor ist unserer Meinung nach nicht mehr gerechtfertigt, da Gewinne und Profitabilität steigen sollten. Zwar hat die Aktie im Gegensatz zur Deutschen Bank aktuell kein positives Momentum (RSL: 0,99), doch die Transformation seit 2023 nimmt Formen an. Neue Impulse könnten die Q3-Zahlen am 29. Oktober liefern.
Wir stufen Société Générale mit Kaufen ein. Stopp: 61,00 Euro.