PLATOW Börse - Rheinmetall muss jetzt beim Cashflow liefern

Von Platow Brief

Rheinmetalls Produktionshochlauf gewinnt an Tempo, doch die Aktie kommt kaum voran. Woran liegt das, wollten Leser von uns wissen. Wir klären, warum volle Auftragsbücher allein nicht mehr ausreichen.>

Am Montag (14.9.) meldete Rheinmetall einen weiteren Munitionsauftrag im niedrigen dreistelligen Millionen-Euro-Bereich. Ein internationaler Kunde bestellte eine niedrige fünfstellige Zahl an 155-mm-Artilleriegeschossen; die Produktion läuft bereits, die Auslieferung ist für 2027 vorgesehen. Solche Aufträge belegen die hohe Nachfrage. Sie beantworten aber nicht die entscheidende Frage: Wie schnell wird aus dem prallen Auftragsbestand messbarer Cashflow?

Bei Umsatz und Ergebnis legte der DAX-Konzern zuletzt kräftig zu. Nach dem schwachen Jahresauftakt stiegen die Erlöse im zweiten Quartal um 69% auf 3,29 Mrd. Euro. Das operative Ergebnis kletterte um 115% auf 562 Mio. Euro und übertraf die Markterwartung. Die Marge stieg um 370 Basispunkte auf 17,1%. Der Auftragsbestand wuchs binnen zwölf Monaten um 44% auf 80,5 Mrd. Euro.

Beim Cashflow hakt es dagegen weiter. Verschobene Kundenanzahlungen, höhere Vorräte und steigende Investitionen drückten den operativen Free Cashflow im ersten Halbjahr auf -1,62 Mrd. Euro, fast eine Milliarde weniger als im Vorjahr. Höhere Materialbestände legen zwar die Basis für mehr Produktion. Sie binden aber erhebliche Mittel, solange Auslieferungen und Vorauszahlungen nicht im gleichen Tempo folgen. Die für 2026 angepeilte Cash Conversion von mehr als 40% verlangt deshalb ein deutlich stärkeres zweites Halbjahr.

Das im Juni verkündete Aus für die Fregatte F126 zeigt inzwischen Wirkung. Rheinmetall senkte das Umsatzziel um 300 Mio. auf 13,7 bis 14,2 Mrd. Euro. Das organische Wachstumsziel von 28 bis 31% und die operative Marge von rund 19% blieben dagegen unverändert. CEO Armin Papperger bestätigte zudem das Ziel, im Marinegeschäft einen Umsatz von etwa 5 Mrd. Euro im Jahr 2030 erzielen zu wollen.

Auf der übernommenen Peene-Werft entspannt sich die Lage etwas. Verteidigungsminister Boris Pistorius kündigte dort die Beschaffung eines vierten Flottendienstboots an, doch zuvor muss der Bundestag die Mittel freigeben. Wirtschaftlich ersetzt das Vorhaben die Fregatte F126 nicht, es sichert dem Marinesegment aber zusätzliche Beschäftigung.

Seit unserer Kaufempfehlung im Juni hat die Aktie (1.027,00 Euro; DE0007030009) rund 10% an Wert gewonnen, notiert jedoch weiterhin fast 50% unter ihrem Jahreshoch. Das Forward-KGV beträgt weniger als 20, während der Analystenkonsens zwischen 2025 und 2030 mit einem durchschnittlichen EPS-Wachstum von über 40% pro Jahr rechnet. Das starke zweite Quartal stützt die kurzfristigen Gewinnschätzungen; ein positiver Free Cashflow und das Erreichen der Cash-Conversion-Prognose würden auch die finanzielle Qualität des Wachstums belegen.

Rheinmetall bleibt kaufenswert. Unseren Stopp erhöhen wir auf 735,00 (675,00) Euro.

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