PLATOW Börse - Resmed und die Abnehmspritze – Rivale oder Zubringer?

Von Platow Brief

Der Weltmarktführer für Schlafapnoe-Therapie steigert Umsatz und Gewinn seit Jahren verlässlich. Trotzdem drückt die Angst vor den Abnehmspritzen den Kurs von Resmed. Die Aktie ist daher historisch günstig.>

Ein Ring am Finger weist den Weg zum Arzt. Seit Ende Mai leitet die App des Wearable-Herstellers Oura Nutzer mit auffälligen Atemmustern auf die Website von Resmed weiter. Wie gut das funktioniert, berichtete Resmed-Chef Mick Farrell im August bei der Vorlage der Jahreszahlen: Binnen zwei Monaten kamen so rund 13.000 Interessenten, Tausende davon haben bereits einen Schlaftest gemacht. Etwa drei Viertel hatten bis dahin keine Diagnose.

Das zeigt, wie viel Potenzial noch brachliegt. Weltweit leiden rund 936 Mio. Menschen zwischen 30 und 69 Jahren an obstruktiver Schlafapnoe, also an nächtlichen Atemaussetzern. So schätzt es eine internationale Forschergruppe, deren Studie Resmed mitfinanziert hat. Mehr als 85% der Betroffenen wissen laut Resmed nichts von ihrer Erkrankung. Unbehandelt erhöht sie das Risiko für Bluthochdruck, Herzinfarkt, Schlaganfall und Diabetes.

Gründerfamilie an der Spitze Gegründet wurde das Unternehmen 1989 von Peter Farrell in Sydney, heute sitzt der Konzern in San Diego. Seit 2013 führt Sohn Mick den Weltmarktführer. Kern des Geschäfts sind CPAP-Geräte. Sie leiten über eine Maske leichten Überdruck in die Atemwege und halten diese so offen. Dazu kommen Beatmungsgeräte und Software für die ambulante Pflege. Im Geschäftsjahr 2025/26 (per Ende Juni) stieg der Umsatz um 10% auf 5,7 Mrd. US-Dollar. Der bereinigte Gewinn je Aktie kletterte um 17% auf 11,17 Dollar.

Das Wachstum hat System, denn ein großer Teil der Umsätze kehrt regelmäßig wieder. Fast alle Geräte sind mit der Cloud verbunden. Ärzte und Versorger verfolgen so aus der Ferne, ob Patienten die Therapie durchhalten. Masken und Zubehör tauschen die Patienten in festen Abständen aus. Dieses margenstarke Verbrauchsgeschäft wuchs zuletzt um 13%, der Umsatz mit Geräten nur um 9%.

Und der Markt dürfte verlässlich weiterwachsen. Marktforscher erwarten für das weltweite Geschäft mit Geräten, Masken und Tests rund um die Schlafapnoe bis 2029 ein Plus von gut 7% pro Jahr auf 9,3 Mrd. Dollar. Rückenwind geben die alternde Gesellschaft und zunehmendes Übergewicht. Dazu kommen Heimtests und Wearables, die die Diagnose erleichtern.

 

 

Ernsthafte Konkurrenz hat Resmed kaum. Philips war einst die Nummer zwei. Nach dem großen Rückruf von 2021 darf der Konzern seit 2024 in den USA keine neuen Schlafapnoe-Geräte verkaufen. Fisher & Paykel ist nur bei Masken ein relevanter Rivale. Resmeds Burggraben besteht aus Millionen vernetzter Geräte, den Therapiedaten daraus und der engen Anbindung an Ärzte und Versorger. Wer seine Abläufe auf Resmeds Plattform eingerichtet hat, wechselt nicht ohne Weiteres.

Ist die Spritze Türöffner oder Eintrittsbarriere? Offen ist, was die Abnehmspritzen für das Geschäft bedeuten. Zepbound von Eli Lilly ist in den USA seit Ende 2024 auch gegen Schlafapnoe bei starkem Übergewicht zugelassen. Anleger fürchten, dass Patienten künftig zur Spritze statt zur Maske greifen. Diese Sorge hat die Aktie 2023 kräftig und in diesem Jahr leicht gedrückt.

Resmed hält mit eigenen Zahlen dagegen. Der Konzern hat die anonymisierten Daten von 2,5 Mio. Patienten ausgewertet. Wer ein GLP-1-Mittel wie Zepbound nimmt, beginnt demnach mit rund 11% höherer Wahrscheinlichkeit eine CPAP-Therapie und bleibt ihr länger treu. Das ist plausibel. Wer wegen seines Gewichts zum Arzt geht, landet oft erst dadurch bei der Schlafdiagnose. Zudem ist längst nicht jeder Schlafapnoe-Patient übergewichtig. Und viele halten die Spritze nicht lange durch. Laut einer US-Studie mit über 125.000 Patienten setzen knapp zwei Drittel derer ohne Diabetes das Mittel binnen eines Jahres wieder ab. Wer absetzt, nimmt oft wieder zu, und mit dem Gewicht kehren die Atemaussetzer zurück. Wie sich die Medikamente langfristig auswirken, lässt sich allerdings bislang nicht seriös abschätzen.

Die vergangenen zehn Jahre zeigen, dass Resmed nicht nur schnell, sondern auch profitabel wächst. Umsatz und bereinigter Gewinn je Aktie stiegen Jahr für Jahr, die Dividende wurde nie gekürzt. Bei allen wichtigen Qualitätskennzahlen liegt der Konzern klar über dem Durchschnitt der S&P-500-Werte. Von jedem Dollar Umsatz bleibt gut ein Drittel als bereinigter operativer Gewinn. Mehr als ein Viertel des Umsatzes wird in freien Cashflow umgewandelt. Das ist vereinfacht das Geld, das nach den laufenden Investitionen aus dem operativen Geschäft übrig bleibt.

 

 

Entsprechend solide ist die Bilanz. Resmed hat inzwischen mehr Geld in der Kasse als Schulden. Steigende Zinsen belasten die Bilanz daher kaum. Das eingesetzte Kapital verzinst sich mit rund 25% pro Jahr. Diesen Spitzenwert erreicht nur, wer seine Preise durchsetzen kann. Davon profitieren die Aktionäre direkt. Für das laufende Geschäftsjahr plant das Management Aktienrückkäufe von 1,5 Mrd. Dollar. Die Quartalsdividende steigt um 10% auf 0,66 Dollar.

 

 

Wer Resmed langfristig die Treue gehalten hat, wurde belohnt, musste aber Nerven zeigen. In den vergangenen zehn Jahren hat sich der Kurs der NYSE-Aktie (221,28 Dollar; US7611521078) mehr als verdreifacht. Mit wieder angelegten Dividenden entspricht das einem Plus von rund 14% pro Jahr.

Bis Herbst 2021 ging es fast ohne Unterbrechung bergauf. Danach verlor die Aktie binnen zwei Jahren bis zu 55%. Erst drückten steigende Zinsen auf die Bewertung von Wachstumswerten, dann schürten die Abnehmspritzen Ängste. Resmed steckte den Rückschlag weg. Bis zum Sommer 2025 hatte sich der Kurs vom Tief mehr als verdoppelt.

Kursrückgänge ohne Gewinneinbruch Ein Muster fällt dabei auf: Die Kurse fielen stets aus Sorge um die Zukunft, das Geschäft wuchs aber weiter.

Künftig dürfte es etwas langsamer vorangehen. Für die kommenden drei Jahre rechnen die Analysten im Schnitt mit einem Umsatzplus von gut 5% und einem Gewinnanstieg von gut 7% pro Jahr. Das ist solide, aber weniger als in der Vergangenheit. Ein Grund: Resmed hat die Pflegesoftware-Tochter Matrixcare an den Finanzinvestor Frazier Healthcare verkauft. Sie steuerte zuletzt rund 220 Mio. Dollar Umsatz zum Bereich Software (2025/26: Erlöse von 680 Mio. Dollar) bei.

An der Börse ist diese Verlangsamung bereits eingepreist. Seit Jahresbeginn hat der Kurs um 5% nachgegeben. Zugleich haben die Analysten ihre Gewinnschätzungen für die kommenden zwölf Monate um 12% angehoben. Die Bewertung ist dadurch um etwa 15% gesunken. Für einen Dollar erwarteten Jahresgewinn zahlen Anleger derzeit knapp 18 Dollar. Im Schnitt der vergangenen zwölf Jahre lag das KGV bei 28. Damit notiert Resmed klar unter seiner üblichen Bewertungsspanne vom 20,6- bis 34,7-Fachen des Gewinns. Günstiger war die Aktie in diesem Zeitraum an weniger als 3 von 100 Handelstagen.

Auch der Vergleich mit der Konkurrenz spricht für Resmed. Fisher & Paykel kostet rund das 45-Fache des erwarteten Gewinns. Nur Philips ist mit gut dem 13-Fachen günstiger, wächst aber kaum und kämpft noch mit den Folgen des Rückrufs.

Selten war der Marktführer mit sauberer Bilanz, hohen Margen und solidem Wachstumsausblick so günstig zu haben. Wir empfehlen bei Resmed den Einstieg und sichern die Position mit einem Stopp bei 157,00 Dollar ab.

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