PLATOW Börse - Q3-Preview: Scout24 braucht mehr Tempo bei Privatabos
Scout24 hat den Kursrutsch vom August wieder aufgeholt. Vor den Q3-Zahlen erwarten Analysten erneut kräftige Zuwächse. Entscheidend dürfte aber eine andere Entwicklung sein.>
Nach den Halbjahreszahlen im August verlor die Aktie unseres Musterdepotwertes Scout24 zeitweise mehr als 9% an Wert. Dabei hatten die Ergebnisse weitgehend den Erwartungen entsprochen. Im Vorfeld der am Mittwoch (4.11.) anstehenden Q3-Ergebnisse notiert die Aktie wieder deutlich höher. Vor allem in den letzten Wochen ging es steil aufwärts. Auf Monatssicht legte der DAX-Titel 23% zu, während der Index nahezu unverändert blieb.
Für das abgelaufene Quartal rechnet der Konsens mit einem Umsatzplus von knapp 16% auf rund 192 Mio. Euro. Das operative EBITDA soll um etwa 15% auf knapp 120 Mio. Euro steigen. Beim bereinigten Gewinn je Aktie stehen 1,07 Euro nach 0,90 Euro im Raum. Damit würde Scout24 seinen Wachstumskurs fortsetzen. Der Vorstand erwartet für das Gesamtjahr 16% bis 18% Umsatzplus, davon 6 bis 7 Prozentpunkte durch die Übernahme in Spanien. Die berichtete operative EBITDA-Marge soll bis zu 61% erreichen, organisch bis zu 64%. Mit rund 765 Mio. Euro liegt die aktuelle Konsensschätzung beim Umsatz nahe am oberen Prognoserand.
Neue Tarife müssen sich jetzt auszahlen Die eigentliche Bewährungsprobe wartet im Privatkundengeschäft. Im Q2 stieg die durchschnittliche Zahl der Privatabonnenten gegenüber dem Vorquartal um rund 10.800 auf 517.739. Damit blieb Scout24 hinter den Markterwartungen zurück. Im Q3 des vergangenen Jahres waren es bereits 526.740. Um diesen Wert wieder zu erreichen, muss die Abonnentenzahl gegenüber Q2 um gut 9.000 steigen. Der Juli lag mit rund 528.000 Abonnenten bereits darüber. Selbst bei einer Fortsetzung dieses Tempos wäre das Wachstum gegenüber dem Vorjahr aber minimal.
Mindestens ebenso wichtig ist der Umsatz pro Abonnent. Höherwertige Mitgliedschaften sollen das Wachstum nach der Tarifumstellung beschleunigen. Für den Umsatz mit Privatkunden-Abonnements beziffert eine aktuelle Studie den Q3-Konsens auf 8% Wachstum, nach 7% im Vorquartal. Große Optimisten rechnen sogar mit 11% sowie einer Beschleunigung des Wachstums auf bis zu rund 20% Anfang 2027. In diesem Segment muss Scout24 nachweisen, dass die höheren Marketingausgaben Früchte tragen. Im zweiten Quartal hatten diese die operative Marge des Private-Segments belastet, die von 63,7% auf 61,2% sank.
Maklergeschäft und Marge im Blick Im Geschäft mit gewerblichen Kunden stiegen die deutschen Abo-Erlöse im Q2 um 14,3%, der monatliche Umsatz pro Kunde legte um 10,4% zu. Auch im dritten Quartal sollten Zusatzprodukte, höhere Paketpreise und KI-Funktionen das Wachstum stützen. Die organische Konzernmarge erreichte im ersten Halbjahr 63,0%, ein Plus von 1,6 Prozentpunkten. Die Spanien-Integration dürfte die berichtete Marge zunächst weiter belasten.
Wie stark die Erwartungen die Kursreaktion prägen, zeigte jüngst Hemnet. Der schwedische Immobilienportalbetreiber meldete für Q3 einen Umsatzrückgang um 17,8%. Die Aktie gewann am Berichtstag trotzdem gut 10%, weil das operative Ergebnis die Schätzungen übertraf und das Unternehmen eine Neuausrichtung vorstellte. Anders als Hemnet erzielt Scout24 den Großteil seiner Erlöse mit laufenden Abonnements. Neue KI-Agenten sorgten im September allerdings erneut für Zweifel an den Geschäftsmodellen etablierter Immobilienportale. Ihnen muss Scout24 weiterhin mit operativen Daten begegnen.
Bei den Gewinnschätzungen fällt auf, dass insbesondere für 2029 die Erwartungen deutlich gestiegen sind. Statt einer Stagnation (wie noch vor zwei Monaten, bei allerdings auch einer relativ geringen Anzahl von Schätzungen) geht der Konsens jetzt von gut 18% EPS-Zuwachs aus. Für 2027 und 2028 werden Steigerungen von gut 16 bzw. 20% prognostiziert. Trotzdem liegt das 12-Month-Forward-KGV auch nach der jüngsten Kurserholung mit knapp 18 noch deutlich unter dem historischen Durchschnitt (10 Jahre: 27; 5 Jahre: 25). Mit dem Sprung über die Widerstandszone bei rund 80 Euro sollte die Bodenbildung vollendet sein.
Die Aktie (82,85 Euro; DE000A12DM80) bleibt unverändert kaufenswert. Stopp: 60 Euro.