PLATOW Börse - MTUs Wartungsgeschäft trotzt Branchensorgen
Die MTU-Aktie steht nach enttäuschenden Branchennachrichten unter Druck. Die eigenen Q3-Zahlen zeigen zwar Margendruck im Neugeschäft, Cashflow und Bewertung sprechen aber für den Triebwerksbauer.>
Das nachlassende Ersatzteilwachstum beim französischen Triebwerkshersteller Safran schürte zusammen mit den hohen Kerosinpreisen Sorgen um die Nachfrage der Fluggesellschaften. Die jüngsten Entwicklungen bei MTU sprechen allerdings gegen eine breitere Abschwächung des Wartungsgeschäfts.
Die am Donnerstag (29.10.) vorgelegten Neunmonatszahlen bestätigen die robuste Nachfrage, zeigen allerdings auch Schwächen bei der Profitabilität. Der bereinigte Umsatz des DAX-Konzerns stieg gegenüber der Vorjahresperiode um 13% auf 7,12 Mrd. Euro, die EBIT-Marge sank um 130 Basispunkte auf 14,6%. In der zivilen Instandhaltung (MRO) erhöhte sich der bereinigte Umsatz um 19% auf 5,11 Mrd. Euro, das EBIT legte um 15% auf 408 Mio. Euro zu. Im Triebwerksgeschäft belastete hingegen ein ungünstigerer Produktmix die Ertragskraft. Im dritten Quartal fiel die EBIT-Marge von 34,8 auf 28,6%, weil MTU anteilig mehr margenschwächere Serientriebwerke und weniger Ersatztriebwerke auslieferte.
Deutlich besser als erwartet entwickelte sich der freie Cashflow, der in den ersten neun Monaten um 67% auf 466 Mio. Euro stieg. Dazu trugen geringere Entschädigungszahlungen für stillgelegte Getriebefan-Triebwerke von Pratt & Whitney bei. CEO Johannes Bussmann hob deshalb die erwartete Cash Conversion Rate für 2026 erneut auf 55 bis 60% an. Gleichzeitig erhöhte er die Untergrenze der Umsatzprognose von 9,2 auf 9,5 Mrd. Euro. Das EBIT-Ziel von 1,35 bis 1,45 Mrd. Euro blieb dagegen unverändert.
Der verbesserte Mittelzufluss verschafft den Münchnern zusätzlichen Spielraum für den Ausbau des Wartungsgeschäfts. Allein in die Erweiterung des Standorts Hannover fließen über 100 Mio. Euro. Bis Ende 2028 soll dessen Kapazität um mehr als 20% steigen. Neue Wartungsverträge mit Garuda Indonesia und dem US-Unternehmen Patriot Dynamics untermauern den Bedarf. Zugleich macht MTU Fortschritte bei der Bewältigung der Probleme mit dem Getriebefan von Pratt & Whitney: Die Inspektionen und der Austausch fehleranfälliger Bauteile verlaufen laut Unternehmen planmäßig. Im September wurde zudem die erste A321XLR mit dem verbesserten GTF Advantage an United Airlines ausgeliefert.
Der jüngste Kursrückgang hat die Bewertung der Aktie (322,30 Euro; DE000A0D9PT0) spürbar gedrückt, obwohl der Analystenkonsens seine Gewinnschätzungen seit Anfang Juli um 2 bis 3% angehoben hat. Für 2026 bis 2028 wird ein durchschnittliches jährlichen EPS-Wachstum von gut 11% erwartet. Das KGV sinkt in diesem Szenario von etwa 18 für 2026 auf knapp 15 für 2028. Angesichts der hohen Visibilität im Wartungsgeschäft und der verbesserten Cashflow-Perspektiven erscheint das attraktiv.
MTU ist auch für Neuleser ein Kauf. Unser Stopp liegt bei 264,90 Euro.