PLATOW Börse - Mensch und Maschine will Autodesk-Delle 2027 endgültig abhaken
Die Gewinne im Digitalisierungssegment brechen bei Mensch und Maschine im dritten Quartal erneut ein. Die Aktie gerät unter Druck, obwohl die eigene Software unverändert kräftig wächst.>
Noch im Juli hatte Adi Drotleff erklärt, die schwache Gewinnentwicklung im zweiten Quartal werde sich so „ganz sicher nicht wiederholen“. Der Gründer von Mensch und Maschine (MuM) musste bei Vorlage der Q3-Zahlen (20.10.) nun einräumen, zu optimistisch gewesen zu sein. Im dritten Quartal sank der Konzernrohertrag um 5,8%, das EBIT um 15,7% und das EPS um 19,3%. In der Digitalisierung brachen Rohertrag und EBIT sogar um 22% bzw. 58% ein.
Ausgangspunkt der wiederholten Schwäche war erneut das veränderte Agenturmodell von Autodesk. MuM verbucht seit einigen Quartalen nur noch die Provisionen auf Autodesk-Lizenzen. Seit Mitte Januar wird dabei Neugeschäft besser und die Verlängerung bestehender Verträge schlechter vergütet. Vor allem in Kontinentaleuropa dauerte die Erholung nach einem guten Jahresstart (der Vertrieb hatte Neugeschäft bewusst „gebunkert“) relativ lange.
Personalabbau wird in Q4 abgeschlossen Hinzu kamen höhere Kosten als geplant. Wegen des aufwendigen Systemwechsels konnte unser ehemaliger Depotwert das Personal nicht so schnell abbauen wie erhofft. Bis Jahresende soll die Organisation weiter verschlankt werden. Das verursacht nochmals einmalige nicht operative Kosten von geschätzt 1,5 Mio. bis 2,0 Mio. Euro. Danach sei das Thema dann aber „echt durch“, versicherte Drotleff im Earnings-Call. Bereits in Q3 sank der Personalaufwand im Konzern um 3,9%.
Nach neun Monaten liegen Rohertrag (-0,5%), EBIT (-0,7%) und EPS (-2,2%) leicht unter Vorjahr. Drotleff hält ohne Berücksichtigung der nicht operativen Einmalkosten trotzdem ein Wachstum von 11 bis 15% (untere Hälfte des Zielkorridors) bei EBIT und EPS im Gesamtjahr für erreichbar. Hauptgrund: Nach einem vielversprechenden Ende des dritten Quartals erwartet er für Q4 nun keinen Autodesk-Gegenwind mehr. Um das untere Ende der Zielrange zu erreichen, müsste das Schlussquartal beim EBIT um 47% zulegen.
Richtig gut entwickelt sich weiterhin das Geschäft mit eigenen Softwarelösungen. Der Rohertrag der Sparte wuchs nach neun Monaten um 8,5%, das EBIT um 18%. Damit liefert sie inzwischen 62% des Konzernrohertrags und 79% des EBIT. Besonders die Software für Werkzeugmaschinen profitiert von Investitionen der Chip- und Verteidigungszulieferer. Das Wachstum ist vor allem deshalb sehr respektabel, weil laut Drotleff immer noch rund 40% der Kunden nicht voll investieren können. Vor allem die Automobilindustrie und der Hochbau bleiben schwach. Hier besteht perspektivisch weiteres Potenzial.
Die Aktie (33,60 Euro; DE0006580806) verlor nach der Zahlenvorlage am Dienstag rund 6%, wodurch ein erneuter Test der Jahrestiefs droht. Seit den Q2-Zahlen im Juli hat sich der Kurs unter dem Strich aber kaum verändert. Perspektivisch hat der sehr günstig bewertete Titel viel Luft nach oben. Ohne Autodesk-Belastungen und mit den gesenkten Personalkosten dürfte MuM in den kommenden Jahren wieder deutlich mehr verdienen.
Da die Bodenbildung der Aktie aber noch auf wackeligen Beinen steht, stufen wir Mensch und Maschine zunächst weiter mit Halten ein. Beachten Sie den Stoppkurs bei 28,00 Euro.