PLATOW Börse - Lufthansa will mit TAP-Einstieg Lücke im Südatlantik schließen
Die Fluggesellschaft hat den Bieterkampf um die portugiesische TAP gegen Air France-KLM gewonnen und stärkt ihre Position in Südamerika. Synergien winken schon als Minderheitsgesellschafter, strategisch ergibt der Deal auch Sinn. Was das für die Aktie bedeutet.>
Die Deutsche Lufthansa erwartet von ihrem Einstieg bei der portugiesischen TAP Netto-Synergien von bis zu 450 Mio. Euro pro Jahr. Das Potenzial sei bereits als Minderheitsaktionär erreichbar. „Wichtig ist: Diese Synergien sind nicht an eine Mehrheitsbeteiligung geknüpft“, sagte CFO Till Streichert im Analystencall am Donnerstag (15.10.). Für 44,9% zahlt Lufthansa 1,025 Mrd. Euro bar aus vorhandenen Mitteln. Zeichnen die Mitarbeiter die für sie reservierten Aktien nicht, steigt der Anteil auf bis zu 49,9%. Der Preis klettert dann samt Verzinsung bis zum Abschluss auf bis zu 1,2 Mrd. Euro. Das Closing wird im ersten Halbjahr 2028 erwartet. Schon im ersten vollen Jahr danach soll der Deal das Ergebnis je Aktie steigern und eine zweistellige Rendite auf das eingesetzte Kapital (ROCE) erzielen.
Trotz Minderheit darf Lufthansa den TAP-Chef benennen. Für die übrigen 50,1% schlägt sie 1,3 Mrd. Euro vor, womöglich teils in eigenen Aktien. Portugal könnte so bis zu 5% an Lufthansa halten. Lissabon will die restlichen Anteile in einem separaten Verfahren veräußern. Mit der Mehrheit kämen laut Call weitere Synergien von knapp 100 Mio. Euro hinzu.
Das strategische Ziel heißt Südamerika. Mit TAP stiege der Marktanteil von Lufthansa im Verkehr zwischen Europa und Südamerika von 9 auf 20%. Damit läge sie gleichauf mit der British-Airways-Mutter IAG und vor Air France-KLM (17%). Weil kein Anbieter dominiere, rechnet CEO Carsten Spohr mit einer reibungslosen Genehmigung durch die Wettbewerbsbehörden. Portugals Finanzminister veranschlagt für die Prüfung allerdings 18 bis 24 Monate. Lissabon soll Drehkreuz für den Südatlantik werden. Zudem soll TAP dem Transatlantik-Joint-Venture A++ mit United und Air Canada beitreten.
TAP setzte 2025 rund 4,3 Mrd. Euro um, gut ein Zehntel des Lufthansa-Konzernumsatzes. Im ersten Halbjahr 2026 kam die Airline auf rund 2 Mrd. Euro Umsatz und einen Nettoverlust von 99,2 Mio. Euro. Hauptgrund waren die gestiegenen Kerosinpreise. Ende Juni flog TAP mit 101 Flugzeugen und hat in den ersten sechs Monaten 8,2 Mio. Passagiere befördert. Portugal hatte die Airline in der Corona-Krise verstaatlicht, will nun aber wieder aussteigen. Auf Druck Lissabons besserten Lufthansa und Air France-KLM ihre Gebote am Ende noch einmal nach.
Mit TAP setzt Lufthansa ein Muster fort, das sie bei ITA Airways erprobt hat: erst als Minderheitsaktionär einsteigen, dann die Mehrheit übernehmen. Die Bilanz verkraftet den Kauf. Die Nettoverschuldung (6,7 Mrd. Euro per Juni) stiege laut DZ Bank isoliert um rund 15%. Eine Kapitalerhöhung ist bei 10,7 Mrd. Euro Liquidität nicht zu erwarten. Die Aktie (7,12 Euro; DE0008232125) bleibt dennoch unter Druck, belastet von hohen Kerosinkosten und der Lage im Nahen Osten. Zuletzt fielen uns vor allem die Insiderkäufe auf.
Bevor die Q3-Zahlen am 3.11. zeigen, wie stark Kerosin die Marge drückt, steigen wir trotz günstiger Bewertung (vorwärtsgerichtetes KGV: 6,7) nicht ein. Wir beobachten den MDAX-Wert weiter.