PLATOW Börse - Init – Umsatz planbar, Gewinne nicht
FMC grenzt Prognose ein +++ Bayer hebt Jahresziele an +++ Fresenius sichert sich Biosimilar aus China +++ Lufthansa zahlt mehr für Treibstoff +++ Evonik peilt obere Spanne der Gewinnprognose an +++ Hugo Boss kappt seine Ziele +++ Sparkurs von Norma zahlt sich aus +++ Apple meldet Rekordumsatz +++ Oracle braucht neues Kapital>
Nach einer überraschenden Gewinnwarnung hat die Aktie von Init am Montag (2.11.) im Tief ein Viertel ihres Wertes eingebüßt. Weil das EBIT im dritten Quartal nach vorläufigen Zahlen von 8,7 Mio. auf 1,6 Mio. Euro eingebrochen ist, senkte der Vorstand die Jahresprognose auf 33 Mio. bis 37 Mio. (zuvor 38 Mio. bis 42 Mio.) Euro. Das Umsatzziel von 380 Mio. bis 410 Mio. Euro bleibt indes bestehen. Als Gründe nennt der Digitalisierungs-Spezialist für Busse und Bahnen fehlende margenstarke Zusatzaufträge, Materialengpässe und einen ungünstigen Ergebnismix. Hinzu kommen Anpassungen von Projektbewertungen.
Die nach dem starken Jahresauftakt von uns im Mai avisierte bessere Planbarkeit gilt leider erst mal nur für den Umsatz, der sich durch Großaufträge bis weit in die 2030er-Jahre relativ gut kalkulieren lässt. In Sachen Profitabilität herrscht nach der Gewinnwarnung jedoch extreme Unsicherheit. Die beiden im Anschluss veröffentlichten Analystenstudien taxieren das 2028er-EPS einmal auf 2,97 Euro und einmal auf 4,22 Euro. Der Konsens lag zuvor bei 3,64 Euro. Es bleibt abzuwarten, ob der Vorstand bei Vorlage der finalen Zahlen (12.11.) mehr Klarheit bezüglich der zukünftig zu erwartenden Margen liefern kann.
Dank unseres Stoppkurses bei 36,00 Euro konnten wir bei der Erstempfehlung aus dem Jahr 2023 inklusive Dividenden einen Gewinn von 39% sichern. Die danach noch weiter gefallene Aktie (31,70 Euro; DE0005759807) kommt zunächst auf die Beobachtungsliste.
FMC-Chef dämpft die Erwartungen Drei Wochen nach dem Amtsantritt von Shervin Korangy grenzt der Dialyseanbieter seine Jahresprognose ein. Unser Musterdepotwert Fresenius Medical Care erwartet beim bereinigten operativen Ergebnis 2026 nun eine Entwicklung zwischen Stagnation und einem Minus im mittleren einstelligen Prozentbereich. Bislang war auch ein Plus in dieser Größenordnung möglich. Im dritten Quartal sank das operative Ergebnis um 5% auf 545 Mio. Euro. Analysten hatten allerdings nur 518 Mio. Euro erwartet. Der Umsatz stieg um 1% auf 4,94 Mrd. Euro. Einmalkosten von 108 Mio. Euro für den Umbau des China-Geschäfts ließen den Konzerngewinn um 42% auf 160 Mio. Euro einbrechen. Die DAX-Aktie (39,39 Euro; DE0005785802) verlor am Dienstag (3.11.) rund 2,5%.
Pharma zieht Bayer nach oben Dank neuer Medikamente wie dem Krebsmittel Nubeqa hat der Life-Science-Konzern am Dienstag (3.11.) seine Jahresziele angehoben. Beim bereinigten EBITDA rechnet Bayer nun mit 9,8 bis 10,3 Mrd. Euro (bisher: 9,6 bis 10,1 Mrd. Euro). Im dritten Quartal kletterte das bereinigte EBITDA um 6,9% auf 1,6 Mrd. Euro. Analysten hatten mit einem Rückgang auf 1,4 Mrd. Euro gerechnet. Der Umsatz legte um gut 4% auf 10,1 Mrd. Euro zu. Wegen Wertminderungen in der Pharma- und der Consumer-Health-Sparte stand unter dem Strich dennoch ein Verlust von 672 Mio. Euro (Vj.: -963 Mio. Euro). Die Nettofinanzverschuldung sank auf 31,1 Mrd. Euro, zum Jahresende sollen es nur noch 28 bis 29 Mrd. Euro sein. Die DAX-Aktie (53,62 Euro; DE000BAY0017) gewann mehr als 7%.
Fresenius holt Biosimilar-Nachschub aus China Über eine Entwicklungspartnerschaft mit dem Auftragsfertiger WuXi Biologics sichert sich der Gesundheitskonzern in den kommenden zehn Jahren den Zugriff auf bis zu 37 neue Biosimilar-Kandidaten. Das Portfolio aus derzeit 29 vermarkteten und in Entwicklung befindlichen Molekülen soll damit auf bis zu 66 wachsen. Die Originalpräparate stehen für ein Marktvolumen von mehr als 370 Mrd. Euro. Fresenius behält die weltweiten Vermarktungsrechte und bezahlt die Chinesen für die Entwicklungsarbeit. Neue Schulden sind dafür nicht nötig, die Kosten werden aus dem laufenden Geschäft gedeckt. Finanzielle Details blieben offen. Die Jahresziele und die Biopharma-Ziele für 2030 wurden bestätigt. Die DAX-Aktie (48,90 Euro; DE000FRE5EN2) kletterte am Montag (2.11.) um rund 3% auf ein Achtmonatshoch und legte am Dienstag leicht zu.
Kerosin bremst Lufthansa Trotz eines starken Sommerquartals hat die Airline-Gruppe am Dienstag (3.11.) ihre Ergebnisprognose erneut eingeengt. Das bereinigte EBIT soll 2026 nur noch 1,7 bis 2,0 Mrd. Euro erreichen (bisher: 1,7 bis 2,2 Mrd. Euro; Vj.: 2,0 Mrd. Euro). Wegen des Irankriegs steigt die Treibstoffrechnung nun um 2 Mrd. statt 1,5 Mrd. Euro auf 9,3 Mrd. Euro. Die Anleger hielten sich trotzdem an das Quartal: Die MDAX-Aktie (7,83 Euro; DE0008232125) legte knapp 5% zu. Von Juli bis September steigerte die Deutsche Lufthansa dank robuster Nachfrage und höherer Ticketpreise das bereinigte EBIT um 6% auf 1,4 Mrd. Euro und übertraf damit die Konsensschätzung von 1,37 Mrd. Euro. Der Umsatz wuchs um 9% auf 12,2 Mrd. Euro, der Konzerngewinn kletterte von 966 Mio. auf 1,3 Mrd. Euro.
Evonik zeigt Muskeln Mitten im Übernahmeringen mit BASF präsentiert sich der Spezialchemiekonzern in starker Verfassung und wird für 2026 zuversichtlicher. Beim bereinigten EBITDA peilt der MDAX-Konzern Evonik (20,98 Euro; DE000EVNK013) nun die obere Hälfte der Spanne von 2,0 bis 2,2 Mrd. Euro an. Im dritten Quartal kletterte das bereinigte EBITDA um 40% auf 629 Mio. Euro. Dabei halfen auch Lieferengpässe asiatischer Wettbewerber infolge der Nahost-Krise. Der Umsatz stieg um 13% auf 3,8 Mrd. Euro. Rückstellungen von 313 Mio. Euro für das verlängerte Sparprogramm sorgten unter dem Strich für einen Verlust von 53 Mio. Euro (Vj.: -106 Mio. Euro). Die Aktie stieg um rund 1%.
Hugo Boss kappt die Ziele erneut Schwache Konsumnachfrage und höhere Abschreibungen auf IT-Systeme zwingen den Modekonzern zum Rückzug. Hugo Boss erwartet für 2026 nur noch ein EBIT von 250 bis 300 Mio. Euro, 50 Mio. Euro weniger als bisher. Der währungsbereinigte Umsatz soll im hohen einstelligen Prozentbereich sinken (bisher: mittlerer bis hoher einstelliger Rückgang). Im dritten Quartal ging der Umsatz um 4% auf 946 Mio. Euro zurück, währungsbereinigt um 5%. Die Bruttomarge verbesserte sich zwar um 220 Basispunkte auf 63,3%. Das EBIT fiel trotzdem von 95 auf 81 Mio. Euro, die Marge sank auf 8,6%. Die SDAX-Aktie (38,28 Euro; DE000A1PHFF7) gab um 1,7% nach.
Sparkurs zahlt sich bei Norma aus Der Verbindungstechnik-Spezialist hat im dritten Quartal sein bereinigtes EBIT auf 7,8 Mio. Euro mehr als verdoppelt (Vj.: 3,8 Mio. Euro), die Marge stieg von 1,9 auf 3,7%. Der Umsatz legte um 5,2% auf 207,8 Mio. Euro zu. Unter dem Strich verringerte Norma Group den Verlust von 59,6 auf 12,0 Mio. Euro. Die Jahresprognose wurde bestätigt: ein Umsatzplus von 0 bis 2% und eine bereinigte EBIT-Marge von 2 bis 4%. Zudem steht der neue Finanzchef fest. Tobias Bichler, bislang bei Brose, tritt das Amt spätestens am 1. April 2027 an. Die SDAX-Aktie (15,48 Euro; DE000A1H8BV3) legte 1% zu.
Apple mit Rekord samt Schönheitsfehler Mit den ersten Zahlen unter dem neuen Konzernchef John Ternus hat der iPhone-Hersteller die Erwartungen übertroffen, mit dem Ausblick aber enttäuscht. Dank starker Nachfrage nach dem iPhone 18 Pro und Pro Max sowie Preiserhöhungen stieg der Umsatz im September-Quartal um 12% auf den Rekordwert von 114,5 Mrd. US-Dollar. Der Gewinn je Aktie kletterte um 13,5% auf 2,10 Dollar. Im Geschäftsjahr 2025/26 wuchs der Umsatz um rund 15% auf 478,8 Mrd. Dollar. Noch nicht enthalten ist das erste Klapphandy iPhone Duo, das erst seit wenigen Tagen verkauft wird. Für das laufende Quartal erwartet Apple wegen steigender Speicherchip-Preise eine Bruttomarge von nur noch 45 bis 46% (zuletzt rund 48%). Die Aktie (331,37 Dollar; US0378331005) verlor am Dienstag (3.11.) rund 2%.
Oracle zapft den Kapitalmarkt an Der Softwarekonzern will über neue Aktien und Anleihen insgesamt 20 Mrd. US-Dollar einsammeln, um den teuren Ausbau seiner KI- und Cloud-Infrastruktur zu finanzieren. Die Anleger reagierten verschnupft: Die Aktie (125,52 Dollar; US68389X1054) brach am Montag (2.11.) um rund 6% ein und fiel auf den tiefsten Stand seit mehr als drei Monaten. Am Dienstag zog sie allerdings wieder um gut 5% an. Laut Pflichtmitteilungen an die US-Börsenaufsicht SEC will Oracle je 10 Mrd. Dollar über eine Kapitalerhöhung und über Anleihen mit Laufzeiten von 2029 bis 2046 einnehmen. Investoren beobachten die KI-Ausgaben des Konzerns genau. Ende August lagen die Verbindlichkeiten bei mehr als 125 Mrd. Dollar. Außerdem ist der Konzern stark beim verlustreichen ChatGPT-Entwickler OpenAI engagiert.