PLATOW Börse - Fresenius Medical Care gibt in China Geschäft ab, gewinnt aber an Marge

Von Platow Brief

Der Dialysekonzern trennt sich in China von einem einfachen Gerät und einer ganzen Therapiesparte. Das kostet einmalig rund 110 Mio. Euro, schärft aber das Margenprofil. Die Börse honoriert das bislang nicht.>

Sieben Jahre hat das Experiment gedauert. Im September 2019 brachte Fresenius Medical Care (FMC) das Dialysegerät 4008A in China auf den Markt. Das bewusst schlichte und preiswerte Modell war für Schwellenländer gedacht. Jetzt stellt der Konzern Produktion und Vertrieb des Geräts in China ein. Zugleich steigen die Bad Homburger dort aus der Peritonealdialyse aus, bei der das Bauchfell als Filter dient. Künftig setzt FMC auf moderne Technik für Behandlungszentren, etwa die Hämodiafiltrations-Plattform 5008S, und auf Produkte für die Intensivmedizin.

Den Ausschlag gab Pekings Einkaufspolitik. Seit der Staat Medizinprodukte zentral und in großen Mengen ausschreibt, fielen die Preise für Verbrauchsmaterial laut Branchenberichten um 40% bis 60%. Bei Dialysatoren beträgt das Minus bis zu 75%. Den Zuschlag erhält meist der billigste, zunehmend heimische Anbieter. SWS Hemodialysis Care soll bei Hämodialysegeräten bereits mehr als 20% Marktanteil erreichen. In der Peritonealdialyse fehlte FMC zudem die kritische Größe.

Überschaubare Kosten, begrenztes Gewicht Der Schnitt betrifft nur einen kleinen Teil des Geschäfts. China steuert 6% bis 7% zum Umsatz der Produktsparte Care Enablement bei, also rund 350 Mio. Euro. Gemessen am Konzernumsatz von 19,63 Mrd. Euro des Jahres 2025 sind das weniger als 2%.

Einmalig kostet der Rückzug im dritten Quartal rund 110 Mio. Euro, vor allem für Wertminderungen, Entsorgung und Vertragsauflösungen. Das sind etwa 5% des bereinigten operativen Konzernergebnisses von 2,21 Mrd. Euro (2025). Weitere Details nannte FMC auch auf Nachfrage nicht. Der Betrag läuft als Sonderposten. Auf den Ausblick für 2026 und den Umsatzausblick für das China-Geschäft hat er laut FMC keine nennenswerten Auswirkungen.

Dass vor allem margenschwaches Geschäft wegfällt, legen die Zahlen zum zweiten Quartal nahe. Das bereinigte operative Ergebnis von Care Enablement sank um 6% auf 111 Mio. Euro. Als Grund nannte FMC ausdrücklich die zentrale Beschaffung in China. Ein Markt mit weniger als 7% Umsatzanteil drückte also das Ergebnis der ganzen Sparte. Bei einfachen Geräten und ihrem Verbrauchsmaterial kann FMC mit den Preisen der heimischen Anbieter offenbar nicht mehr profitabel mithalten. Ohne diesen Ballast dürfte die Marge der Sparte steigen.

Den Markt selbst gibt FMC nicht auf. „Wir bekennen uns weiterhin zu China“, sagte eine Sprecherin. Laut dem Register CNRDS wuchs die Zahl der chinesischen Hämodialysepatienten von 2021 bis 2024 um gut 11% pro Jahr. 2024 waren es erstmals mehr als 1 Mio. Patienten. Nach Wert wächst der Markt wegen des Preisdrucks langsamer, Beobachter rechnen bis 2030 mit gut 9% pro Jahr. Wer dort verdienen will, braucht Technik, die sich von der lokalen Konkurrenz abhebt. Darauf setzt FMC mit der Baureihe 5008S. „Der Ausbau der Dialyseversorgung und die steigende Nachfrage nach fortschrittlichen Behandlungstechnologien bieten weiterhin langfristige Chancen“, erklärte die Sprecherin.

Ein Baustein im Umbau Der China-Schnitt passt damit in den Umbau, den Vorstandschefin Helen Giza seit Ende 2022 vorantreibt. Bis Ende 2027 sollen die Einsparungen konzernweit 1,2 Mrd. Euro erreichen. Das operative Ergebnis soll von 2025 bis 2028 um 3% bis 7% pro Jahr zulegen. Bis 2030 strebt FMC eine operative Marge im mittleren Zehnerprozentbereich an. China trägt dazu wenig bei, bremst aber künftig auch weniger.

 

Die Börse reagierte am Freitag (25.9.) gelassen. Die Aktie (39,33 Euro; DE0005785802) tendierte unverändert, der DAX legte um 0,4% zu. Mit dem 9,3-Fachen der erwarteten Gewinne ist sie so günstig wie selten. In zwölf Jahren war sie nur an rund 4% der Handelstage niedriger bewertet, vor allem 2022 in der Krise um Personalmangel und Prognosesenkungen. Der Durchschnitt über diesen Zeitraum liegt beim 15,5-Fachen. Seit Jahresbeginn stiegen die Gewinnschätzungen um 3,4%, der Kurs fiel um 3,5%. Der Abschlag ist also gewachsen, obwohl sich die Aussichten verbessert haben.

Der Grund: Der Markt traut FMC bislang nicht zu, rasch zu Wachstum und steigenden Margen zurückzufinden. Das Unternehmen dreht jedoch an vielen kleinen Stellschrauben, China ist nur die jüngste. Greifen sie in der Summe, dann dürfte auch der Abschlag schrumpfen. Genau darin liegt unser Investment Case.

Das Experiment in China ist beendet, der Umbau läuft weiter. Wir bestätigen die Kaufempfehlung für unseren Musterdepotwert Fresenius Medical Care. Der Stopp bleibt bei 34,50 Euro.

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